
Das abgeschriebene Dossier

Mit in der Öffentlichkeit lancierten Geheimdienstdossiers haben insbesondere die Regierungen Großbritanniens und der USA während der Irak-Debatten 2002/2003 versucht, die Öffentlichkeit für ihren Kurs einzunehmen. Der Vorteil für die Propaganda: Geheimdienstberichte sind meist nur schwer zu überprüfen.
Ein schwerwiegender Fehler unterlief der britischen Regierung mit einem Anfang Februar 2003 veröffentlichten Dossier über den “Irak und seine Infrastruktur der Hintergehung, Täuschung und Einschüchterung“. US-Außenminister Colin Powell hatte in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates am 5. Februar, in der er Beweise für die Verletzungen der Sicherheitsratsresolutionen durch den Irak vorlegen wollte, explizit auf das britische Dokument bezogen: “In exquisiten Details“ beschreibe es die Täuschungen des Iraks.
Etwas genauer sah sich der unabhängige englische TV-Sender Channel 4 das Dossier an und berichtete, dass weite Teile wortwörtlich aus öffentlich zugänglichen Quellen, unter anderem aus der Arbeit eines Studenten abgeschrieben seien - samt Tippfehlern. Vor Ort, im Irak, durch Agenten zusammengetragene Informationen konnte das Papier nicht liefern.




