Die Urahnen der Superhelden
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Die Urahnen der Superhelden

Bild: Foto: Markus Trienke, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Er ist ein Held mit übermenschlichen Kräften, der seine Stadt gegen irdische und überirdische Gefahren schützt. Doch die Stadt heißt nicht Metropolis, seine Arbeitskleidung kommt ohne Umhang aus und auf den Bildtafeln seiner Abenteuer finden sich keine Sprechblasen.

Superhelden mit Lendenschurz und Sandalen

Er ist ein Held mit übermenschlichen Kräften, der seine Stadt gegen irdische und überirdische Gefahren schützt. Doch die Stadt heißt nicht Metropolis, seine Arbeitskleidung kommt ohne Umhang aus und auf den Bildtafeln seiner Abenteuer finden sich keine Sprechblasen. Die Rede ist von Gilgamesch, dem mythischen König des alten Baylons. Lange bevor die Comic-Industrie sie als lukrative Verkaufsargumente schätzte, waren Superhelden ein wichtiger Teil der Alltagskultur. Denn sobald ein Volk sein Wanderleben aufgibt und eine sesshafte Gemeinschaft wird, braucht es die überlebensgroßen Sagengestalten, die erfolgreich gegen das archaische Chaos der Jäger und Sammlerkultur kämpfen. Das erstaunliche dabei: Schon bei den frühesten Vorkämpfern für das Gute und die Zivilisation finden sich die charakteristischen Grundelemente der modernen Superhelden.

Erfolgsrezept ’Schwere Jugend’

Eine besondere Kindheit und eine Initiation in der Wildnis gehören für die meisten antiken Superhelden zum guten Ton. Wie Moses ein Waisenkind ist, das als ägyptischer Prinz aufgezogen wird, um seine eigentliche Verbindung zum Überirdischen in der Wildnis zu finden, so sind auch die großen Helden der Germanen, Römer und Griechen in ihrer Kindheit anders als ihre Altergenossen. Herakles erwürgt schon als Baby zwei Schlangen und wird von dem Zentauren Cheiron ausgebildet, der junge Beowulf hat zwar übermenschliche Kräfte, gilt aber in seiner Jugend als geistig minderbemittelt, Perseus wird zusammen mit seiner Mutter auf offener See ausgesetzt und der junge Siegfried ist ein Königssohn mit übermenschlichen Kräften, der bei einem Schmied in der Wildnis in die Lehre geschickt wird. Besonders deutlich wird der Zusammenhang bei Tarzan, dem Superhelden der Pulp-Ära, der als Waisenkind von den Tieren des afrikanischen Dschungels adoptiert wird und dadurch übermenschliche Fähigkeiten erwirbt. Auch das Arsenal der Superwaffen, auf die sich Batman und Co. verlassen, ist den Vorgängern aus der griechischen Antike nicht unbekannt. Bevor Achilles in den trojanischen Krieg zieht, sorgt seine Mutter Thetis für seine Unverwundbarkeit und lässt von Schmiedegott Hephaistos eine Rüstung in überirdischer Qualität schmieden. Perseus kann sich im Kampf gegen die Medusa auf seine geflügelte Sandalen und seinen Mantel der Unsichtbarkeit verlassen. Siegfried ist wie Achilles unverwundbar und kann sich außerdem auf sein magisches Schwert Balmung und seine Tarnkappe verlassen. .

Superwaffen für Sagenhelden

Mit der wachsenden Zahl der Helden war die Erfindung von Superheldenteams die logische Konsequenz. Statt den Abenteuern der Gerechtigkeitsliga verfolgte das antike Griechenland die Abenteuer der Argonauten und auch der Gotenheld Dietrich von Bern zog mit einem festen Team aus unterschiedlichen Helden in die Schlacht. Aber das berühmteste Team schuf die Sagenwelt des Rittertums mit den Tafelrunde König Artus. Unter der Ägide des Überhelden Artus vereint die Tafelrunde die besten und mächtigsten Ritter, die im ganzen Land für Friede und Gerechtigkeit sorgen. Artus erhält seine Macht von seinem magischen Schwert Excalibur, aber auch die anderen Helden der Tafelrunde von Merlin bis Lancelot haben ihre Fähigkeiten und Schwächen, die sie unverwechselbar machen. Ein Landsmann aus dem 13. Jahrhundert ist der erste Superheld, der nicht an der Spitze der Staatsmacht steht. Robin Hood entsteht in den Volkssagen des normannischen Englands und arbeitet als erster Superheld nach einem eigenen Ehrenkodex für die Gerechtigkeit. Es ist auffällig, dass er als Außenseiter auch keine magischen Hilfsmittel nutzen kann, sondern sich auf sein Begabung als Bogenschütze und seine Vertrautheit mit dem Sherwood Forest verlassen muss.

Von Sherwood nach Kalifornien

Die endgültigen Grundlagen für den modernen Superhelden formulierten einige Jahrhunderte später zwei andere Rächer der Enterbten. Im 19. Jahrhundert erschuf Alexandre Dumas mit dem Grafen von Montechristo einen Kämpfer für die Gerechtigkeit, der in einer geheimen Höhle residiert, über ein unerschöpfliches Arsenal an exotischen Waffen und Helfern verfügt und eine Vielzahl von Geheimidentitäten für seinen Kampf gegen die Verbrecher nutzt. 1919 ergänzt der Polizeireporter Johnston McCulley die Formel erstmals um eine Maske und einen Kampfnamen und schickt Zorro ins Rennen. Wie der Graf kämpft auch Zorro im 19. Jahrhundert für die Gerechtigkeit, doch sein ganzer Stil zeigt in die Zukunft. Seine Geheimidentität als verweichlichter Playboy, die geheime Höhle unter dem Landsitz sowie der treue Butler weisen ihn als legitimen älteren Bruder von Batman aus. Aber mit den Helden in Strumpfhosen erleben auch die Vorbilder der Götter- und Sagenwelt eine ungeahnte Renaissance. Bei DC macht Wonder-Woman staunende Teenager mit dem legendären Volk der Amazonen bekannt und erinnert der Rote Blitz mehr als nur ein wenig an den Götterboten Hermes. Marvel widmet sogar eine eigene Heftserie dem nordischen Donnergott Thor. Bewährte Helden kommen eben nie aus der Mode.
Santiago Campillo-Lundbeck

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