Jobhopper im Kommen
Sichere Arbeitsverhältnisse mit Kündigungsschutz und anderem mehr werden in Zukunft eher Ausnahmen sein. Stattdessen werden die meisten Berufstätigen als "Jobhopper" eine ganze Palette von verschiedenen Arbeiten ausführen müssen, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Versteifen Sie sich bei Ihrer Karriereplanung also nicht darauf, eine Festanstellung zu bekommen, die Sie bis zum Rentenalter nährt. Solche Arbeitsverhältnisse wird es vermutlich bald nur noch im öffentlichen Dienst geben. Stellen Sie sich lieber auf befristete Arbeitsverträge ein, möglicherweise sogar als Freiberufler.
Die künftige Arbeitswelt ist von folgenden Trends geprägt:
- Informationsgesellschaft
- Tertialisierung des Arbeitsmarktes
- Globalisierung
- Technisierung und Automatisierung
- Virtualisierung
Informationsgesellschaft
Um Informationen zu einem bestimmten Thema zu finden, musste man früher mühselig in den unterschiedlichsten Zeitungen, Zeitschriften und Büchern recherchieren. Heute erhält man sozusagen auf Knopfdruck all diese Informationen im Internet. Immer schneller, immer dichter und immer zahlreicher werden Informationen in unserer heutigen Gesellschaft für immer mehr Menschen verfügbar. Waren früher Kapital, Boden und Arbeit die grundlegenden Produktionsfaktoren, so steht nun die Information, gekoppelt mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit, an erster Stelle. Doch nicht jeder ist in der Lage, diese gigantische Informationsflut sinnvoll zu nutzen, geschweige denn, sie professionell zu sichten, zu analysieren, zu bewerten und für die jeweiligen Zwecke in Interpretationsmodelle, Handlungsvorschläge oder Vereinbarungen umzusetzen. Der Bedarf an Fachkräften wird hier in Zukunft also bestehen bleiben.
Tertialisierung des Arbeitsmarktes
Der wirtschaftliche Strukturwandel, der seit einigen Jahren zu beobachten ist, führt immer mehr zu einer so genannten Tertialisierung des Arbeitsmarktes. Dienstleistungen nehmen also fortlaufend an Bedeutung zu.
Die Tertialisierung gliedert sich in drei Punkte:
- Dienstleistungsintensität der Produktionsprozesse
Gerade im Produzierenden Gewerbe führen eine wachsende Kundenorientierung, die Hinwendung zu prozessorientierten Abläufen und der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik zu einer Durchdringung mit Dienstleistungsaufgaben.
Einfach gesagt: Um Erfolg zu haben, müssen die Anbieter ihre Angebote strikt nach den Kundenbedürfnissen ausrichten. Das erfordert eine gut durchdachte strategische Unternehmensführung. Fachkräfte sind hier gefragt. Eine solche Komplettlösung, wie sie zunehmend von Kunden gefordert wird, könnte beispielsweise Facility Management sein. Darunter versteht man die komplette Verwaltung gewerblicher Produktions- und Verwaltungsstätten während der ganzen Zeit einer Gebäudenutzung. Das Management der Schnittstellen bei Einzelleistungen (etwa Instandhaltung, Reinigung) entfällt dadurch. - Outsourcing von Dienstleistungsfunktionen
Als weitere Triebfeder der Tertialisierung gilt die zunehmende Auslagerung von Dienstleistungen, damit sich die Unternehmen mehr auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können. Man spricht hier vom Outsourcing. Wichtige Dinge, die auch außerhalb oder von Fremdfirmen erledigt werden können, werden nach draußen gegeben. Ein Beispiel: Ein großer Metzgereifachbetrieb mietet die Arbeitskleidung und ist somit von der regelmäßigen Wäschepflege befreit. - Dienstleistungsintensität der Produktionsergebnisse
Unter servo-industriellen Produkten versteht man eine vernetzte Güter-Service-Produktion. Ein gutes Beispiel dafür sind Handwerksunternehmen, die ihr Sachgutangebot traditionell mit Dienstleistungen anreichern. Das Faxgerät wird nicht nur verkauft, sondern auch ein Wartungsvertrag sowie Verbrauchsmaterial angeboten. Daher besitzen sie in der Regel eine hohe Kompetenz bei der Lösung von Problemen und können sich mit ihrem Angebot von zum Teil branchenfremden Anbietern abheben.
Um Erfolg zu haben, müssen die Betriebe ihre Angebote noch strikter auf die Bedürfnisse der Kunden zuschneiden. Strategische Unternehmensführung ist gefragt.
Globalisierung
Die Grenzen fallen, die Währungen verschmelzen - spätestens seit Mitte der 90er Jahre hält der Trend zur Globalisierung in Politik und Wirtschaft an. Die Voraussetzungen für diese Zunahme internationaler Wirtschaftsbeziehungen und -verflechtungen sowie für das Zusammenwachsen von Märkten für Güter und Dienstleistungen über die Grenzen einzelner Staaten hinaus wurden durch die Bemühungen von Organisationen wie OECD (Organization for Economic Co-operation and Development / Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), GATT (General Agreement on Tariffs and Trade / Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) und WTO (World Trade Organization/Welthandelsorganisation) geschaffen. Direktinvestitionen von Firmen im Ausland, die Bildung transnationaler Unternehmen und globale Finanztransaktionen waren die Folge.
Fortschreitende Industrialisierung
Weitere wichtige Faktoren waren die steigende Industrialisierung in Ost- und Südostasien sowie Lateinamerika, aber auch die Einbeziehung der GUS und anderer Länder Osteuropas. Eine große Bedeutung für die fortschreitende Globalisierung hat auch der Fortschritt bei Verkehr und Telekommunikation. Sie lassen ein Überschreiten nationaler und kontinentaler Grenzen immer selbstverständlicher werden.
Der Zerfall der Sowjetunion und der Zusammenbruch des kommunistischen Wirtschaftssystems eröffneten westlichen Unternehmen und Konzernen ein völlig neues Betätigungsfeld. Viele Unternehmer verstanden es, diese Situation klug für sich und ihr Unternehmen zu nutzen.
Schwellenländer als neuer Markt
Andere expandierten in so genannte "Schwellenländer" wie Brasilien oder Ungarn, wo sie Produktionsstätten errichteten. Eine Entwicklung, die vorrangig von den großen Multi-Konzernen in Gang gesetzt worden ist, um sich weltweit auszubreiten und neue Märkte zu schaffen.
Projektmitarbeit im Ausland
Wer in einem solchen Konzern die Karriereleiter hinaufklettern möchte, wird um eine Projektmitarbeit im Ausland kaum herumkommen. Um diese perfekt leisten zu können, benötigt er neben der fachlichen Qualifikation nicht nur exquisite Englischkenntnisse, sondern auch eine gute Allgemeinbildung und ein gewisses Maß an Flexibilität.
Flexibilität und Mehrsprachigkeit
Flexibilität und Mehrsprachigkeit werden im Zeitalter der Globalisierung aber auch von all denjenigen gefordert, die sich erfolgreich auf dem europäischen Markt tummeln wollen. Das gilt nicht nur in großen Betrieben, denn mit der Erweiterung der Europäischen Union (EU) und der Einführung der gemeinsamen Währung Euro hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch bei kleineren Firmen an Bedeutung gewonnen.
Besonders gern gesehen sind Leute, die gleich zwei Fremdsprachen so sicher beherrschen, dass sie problemlos überall mitreden können - eine Fertigkeit, die man vor allem durch Sprachkurse oder längere Aufenthalte im Ausland erlernt.
Technisierung und Automatisierung
Die zunehmende Technisierung und Automatisierung betrifft nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch fast alle Bereiche des Privatlebens. Zu den Maschinen, die in den vergangenen Jahren einen Großteil der teilweise niedrig-qualifizierten Arbeiten übernommen haben, gesellen sich seit vergleichsweise kurzer Zeit die neuen Informationstechnologien und Kommunikationsnetze.
Veränderte Tätigkeitsfelder
Die Arbeit wird mehr zu einer geistigen, kontrollierenden Tätigkeit und löst das manuelle Handeln ab. Dadurch sind eine Vielzahl neuer Berufe notwendig geworden, die für die notwendige Logistik sorgen. Alte Arbeitsstellen dagegen sind verloren gegangen, was in vielen Fällen Arbeitslosigkeit bedeutet oder von den Arbeitnehmern eine zunehmende Flexibilität erfordert. Immerhin sind heute bereits 50 Prozent der Beschäftigten mit der Verarbeitung von Wissen und Informationen befasst, 20 Prozent sind im übrigen Dienstleistungsgewerbe beschäftigt, während nur noch 30 Prozent in den so genannten produktionsorientierten Berufen tätig sind.
Berufliche Anforderungen
Die zunehmenden internationalen Verflechtungen tun ein Übriges. Die beruflichen Anforderungen verändern sich bei nahezu allen Arbeitsplätzen mehr und mehr. Fremdsprachenkenntnisse gewinnen an Bedeutung. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit verschwimmen immer mehr.
Um Erfolg zu haben, werden vom Einzelnen spezifische Qualifikationen gefordert. Dazu gehören Eigeninitiative, Selbstständigkeit, aber auch Team- und Kommunikationsfähigkeit.
So erwartet heute ein innovatives Unternehmen von seinen Mitarbeitern auch folgende Eigenschaften:
| Eigene Lösungen entwickeln | statt | Ideen nur zu übernehmen |
| Zugreifen, wenn sich Chancen bieten | statt | über Sachzwänge nachzudenken |
| Neue Erfolgsmuster entwickeln | statt | kritiklos an früheren Strategien hängen |
| Widersprüche und Kritik fördern | statt | Harmonie suchen |
| Ruhig Fehler machen und daraus lernen | statt | (zu) lange nach einer optimalen Lösung suchen |
Virtualisierung
Das virtuelle Unternehmen ist Traum vieler Manager. Keine Menschen mehr im Büro, alle arbeiten von zu Hause aus und sind miteinander vernetzt. Diese Vision lässt wohl noch ein wenig länger auf sich warten, als die IT-Branche gehofft hat. Neben den Einsparungen gehen mit solchen Lösungen allerdings auch eine Reihe wirtschaftlicher, sozialer und technologischer Veränderungen einher.



