Dreißigjähriger Krieg - Es begann mit einem Fenstersturz
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Dreißigjähriger Krieg - Es begann mit einem Fenstersturz

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Szene ist komisch-grotesk: Am 23. Mai 1618 dringen aufgebrachte Adlige in den Sitzungssaal der Prager Burg ein und ergreifen zwei Statthalter des böhmischen Königs Ferdinand II. Sie packen sie an Händen und Füßen und werfen sie aus dem Fenster. Wenig später schicken sie den Sekretär in gleicher Manier hinterher.

Jürgen Regel, Marian / CC BY 3.0

Die Szene ist komisch-grotesk: Am 23. Mai 1618 dringen aufgebrachte Adlige in den Sitzungssaal der Prager Burg ein und ergreifen zwei Statthalter des böhmischen Königs Ferdinand II. Sie packen sie an Händen und Füßen und werfen sie aus dem Fenster. Wenig später schicken sie den Sekretär in gleicher Manier hinterher.

Der Vorfall hat weitreichende Folgen. Zwar kommen die Beamten des Königs dank eines Müllhaufens unter dem Fenster glimpflich davon. Für Europa wird dieser Prager Fenstersturz jedoch eine der größten Katastrophen der Geschichte einläuten. Wie aber ist es überhaupt zu der Situation gekommen?

Protestanten wehren sich

Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass das Europa des 17. Jahrhunderts von religiösen Gegensätzen geprägt ist – Gegensätze, die auch im Königreich Böhmen aufeinandertreffen. So ist ein Großteil der böhmischen Bevölkerung protestantisch. Doch oberster Herrscher ist seit einigen Jahren ein Katholik: der römisch-katholische Kaiser.

Obwohl der sogenannte "Majestätsbrief" von 1609 den Böhmen Religionsfreiheit gewährt, kommt es immer wieder zu Übergriffen und Zwangsmaßnahmen gegen die Protestanten – zum Beispiel zur Schließung protestantischer Kirchen. Auch König Ferdinand setzt sich stark für gegenreformatorische Maßnahmen ein. Gegen diese Missstände protestieren die Vertreter des böhmischen Adels. Ihr Widerstand eskaliert schließlich in dem Aufstand im Hradschin.

Historisch

Nach dem Prager Fenstersturz wählen die böhmischen Stände einen neuen König: Friedrich V. von der Pfalz. Doch seine Regentschaft ist nur von kurzer Dauer. Denn Ferdinand II. kann die demütigende Niederlage nicht einfach auf sich sitzen lassen – zu wichtig ist Böhmen für seine Machtposition. Der Grund: Ferdinand II. soll nach dem Tod seines Vorgängers Matthias die Kaiserkrone beerben.

Der Kaiser wird traditionell von den sieben Kurfürsten gewählt. Doch diese sind seit der Reformation konfessionell gespalten. Mit Brandenburg, Sachsen und Rheinpfalz gehören drei Fürsten zur protestantischen Partei. Auf katholischer Seite stehen die Erzbischöfe von Köln, Trier und Mainz sowie das bisher von der katholischen Partei regierte Böhmen. Böhmen stellt somit das Zünglein an der Waage für die Kaiserwahl dar. Würde es protestantisch, wäre die nächste Wahl verloren.

Sieg am Weißen Berg

Ferdinand bleibt demnach nichts anderes übrig als zu handeln. Doch alleine fehlen ihm die finanziellen Mittel, um den Aufstand in Böhmen niederzuschlagen. Er sichert sich zunächst die Unterstützung vom Bayernherzog Maximilian und von den Spaniern. Das spanische Königreich ist gerade damit beschäftigt, die Provinz Niederlande zurückzuerobern und benötigt dazu einen Nachschubweg im Westen des Heiligen Römischen Reiches. Genau den will es nun im Gegenzug für die Unterstützung einfordern.

Bei der Schlacht am Weißen Berg im November 1620 können der inzwischen zum Kaiser gewählte Ferdinand und seine Unterstützer einen bedeutenden Erfolg verzeichnen: Sie vertreiben Ferdinand V. und erobern Böhmen endgültig zurück. Doch damit ist der Krieg längst nicht vorbei. Da sowohl der katholische Kaiser als auch die protestantische Seite auf die Hilfe von anderen Machthabern mit jeweils eigenen Interessen angewiesen sind, weiten sich die Auseinandersetzungen schließlich auf ganz Europa aus.

Es geht um mehr als Religion

Nach Spanien treten unter anderem Dänemark, Schweden und Frankreich in den Krieg ein. Dabei geht es nicht nur um den "rechten Glauben", den jede Seite für sich beansprucht, sondern auch um die Vormachtstellung in Deutschland und Europa – und zwar insgesamt dreißig lange Jahre lang.

Die wechselvollen Kämpfe sind für die deutsche Bevölkerung ein Drama: Große Teile ihrer Heimat werden verwüstet, die landwirtschaftliche Produktion kommt zum Erliegen und sie werden von den Armeen zur Kasse gebeten. Als Folge machen sich Armut, Hunger und Krankheiten breit. Mehrere Millionen Menschen sterben.

Jan-Kristof.B  (CC0)

Endlich Frieden

Im Jahr 1648 ist die Bevölkerung im Heiligen Römischen Reich auf einen Bruchteil des Vorkriegsniveaus gesunken. Zu diesem Zeitpunkt wird in Münster und Osnabrück bereits seit fünf Jahren über einen möglichen Frieden verhandelt. An einen Erfolg glaubt eigentlich niemand mehr. Doch dann passiert es: Am 24. Oktober schließen die kriegsführenden Länder endlich den berühmten Westfälischen Frieden.

Heute, 400 Jahre später, steht die Frage im Raum: Kann uns der Blick auf den längsten Krieg in unseren Landen helfen, heutige militärische Auseinandersetzungen besser zu verstehen? Experten sehen zum Beispiel etliche Parallelen zum Nahost-Konflikt. Sowohl die heutigen Kämpfe in der islamisch-arabischen Welt als auch der Dreißigjährige Krieg sind von konfessionellen Konflikten geprägt. Doch gleichzeitig geht es um viel mehr als das: Politische Herrschaftsinteressen, strategische Bündnisse und persönliche Ambitionen.

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