Touren durch Dublin: Makaber, verrockt oder wässrig unterwegs
Literary Pub Crawl
Der „Literary Pub Crawl“, vor einigen Jahren von jungen Schauspielern erfunden, machte in den Reiseteilen der Magazine weltweit Schlagzeilen. Die Akteure pilgern mit ihren Gästen zu einigen Pubs mit literarischen Verbindungen und deklamieren unterwegs an geeigneten Stellen Textpassagen aus den Werken irischer Poeten. Die literarische Kneipentour fand auf dem Kontinent zahlreiche Nachahmer und in Dublin regte sie eine Reihe weiterer neuartiger Stadttouren an.
Zozismus Ghostly Experience
Eine dieser neuen Touren ist die „Zozismus Ghostly Experience“, bei der es unter Führung des blinden alten Mystikers und Geschichtenerzählers Zozismus zu Fuß durch das mittelalterliche Dublin geht. Stätten mythischer Ereignisse und kruder Mordtaten stehen auf der Route. Hin und wieder tauchen ungewöhnliche Charaktere aus Dublins Vergangenheit auf.
Walk Macabre
Auch beim „Walk Macabre“ geht es um einige dunkle Seiten der Stadt, gerade bei einigen ihrer renommiertesten Quartiere am Merrion Square und am Stephens Green. Dazu deklamieren die begleitenden Schauspieler unter anderem Oscar Wilde und Bram Stoker, den irischen Erfinder des „Dracula“.
Dublin Rock’n Roll Tour
Weniger spirituell geht es naturgemäß zu bei der „Dublin Rock n Roll Tour“. Die Teilnehmer lernen die Clubs kennen, in denen U2 oder die Cranberries ihre ersten Gigs hatten, wo Sinead OConnor als Kellnerin arbeitete und wo Bob Geldof einen seiner größten Hits schrieb.
1916 Historical Walking Tour
Für geschichtlich interessierte Dublin-Besucher gibt es die „1916 Historical Walking Tour“, die an die Stätten des tragischen Osteraufstands gegen die britischen Besatzungstruppen führt. Die beiden Führer der Tour haben ein viel beachtetes Buch über die Rebellion geschrieben.
Viking Splash Tour
Ganz anderer Art ist die „Viking Splash Tour“, bei der die Teilnehmer in einem umgebauten Amphibienwagen Platz nehmen, der einst für das Militär gebaut worden war. Nachdem das Vehikel einige der Sehenswürdigkeiten auf Rädern passiert hat, rollt es im Grand Canal Basin in die Fluten. Der zweite Teil der Besichtigungen findet dann vom Wasser aus statt.
Auf eigene Faust
Wer Dublin lieber auf eigene Faust erkunden will, findet unter www.visitdublin.com mehrere ausführlich beschriebene Rundgänge. Sie sind unterteilt in die Rubriken Cultural Heritage, Georgian Heritage und Old City Heritage.
Dublin für Kenner: Abseits der großen Attraktionen
Eine Wind- und Wassermühle, eine Modelleisenbahn, die letzte Rose des Sommers in zierlicher viktorianischer Architektur und ein Wappenmuseum - all das ist Dublin und nur wenigen Besuchern bekannt. Die vier Sehenswürdigkeiten sind zwar in dem Büchlein „Dublins Top Visitor Attractions“ verzeichnet, aber sie stehen im Schatten von St. Patricks Cathedral, Guinness Storehouse & Co.
Skerries Watermill and Windmills
Die Skerries Watermill and Windmills sind Zeugnisse der Industriegeschichte in Irland. Die restaurierte Anlage mit mehreren funktionstüchtigen Wind- und Wassermühlen verarbeitete noch in den 1930er Jahren Getreide zu Mehl und die zugehörige Bäckerei arbeitete noch bis in die 1980er Jahre. Die Arbeitsstätte geht zurück bis in das 16. Jahrhundert, als Mönche die Mühlen bauten und sie dann betrieben. Erst anno 1840 kam die Bäckerei hinzu.
Fry Model Railway
Die Fry Model Railway ist benannt nach ihrem Erbauer Cyril Fry. Der Eisenbahn-Ingenieur hat in den 1920er und 30er Jahren den größten Teil der Modelle von Hand gebaut, mit penibler Detailtreue. Die Anlage im Park von Malahide Castle ist der irischen Eisenbahngeschichte gewidmet.
Last Rose of Summer
Die durch eine Ballade berühmt gewordene „Last Rose of Summer“ gedeiht im Glashaus der National Botanical Gardens. Aber nicht nur die seltenen Pflanzen, sondern auch die filigrane Architektur der 1843-69 entstandenen Gewächshäuser wäre einen Besuch wert.
Heraldic Museum
Dass die traditionsbewussten Inselbewohner mit ihren Steuergeldern einen Chief Herald of Ireland finanzieren, ist nicht ungewöhnlich. Aber dass der oberste Wappenbeamte der Republik ein Heraldic Museum unterhält, wissen vermutlich nicht einmal alle Einheimischen.
Dabei heißt es in der Broschüre mit den Top Attractions, dieses Wappenmuseum, wenn auch klein und fast versteckt, sei weltweit das einzige seiner Art. Die gut ausgestattete Broschüre ist bei den Filialen von Dublin Tourism erhältlich. Sie kostet zwei Euro.
James Joyce’s Dublin: Unterwegs mit dem irischen Odysseus
Dublin zelebriert zwei Tage, zu denen Besucher von weither anreisen: den St. Patricks Day am 17.März und den Bloomsday am 16. Juni. Letzterer ist zwar kein offizieller Feiertag, wird aber von den James Joyce-Lesern geradezu enthusiastisch begangen.
Benannt ist der Tag nach Leopold Bloom, einer der drei Hauptfiguren des Romans „Ulysses“. Sie sind in dem Buch am 16. Juni 1904 in Dublin unterwegs. Daraus bezieht der Roman, der im traditionellen Sinn keine Handlung hat, seine Szenen, Assoziationen und Gedanken. Für viele Literaturkenner ist diese Umsetzung der Odysseus-Sage eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das bedeutendste Werk der zeitgenössischen Literatur.
Joyceans, wie sich die Joyce-Anhänger nennen, feiern das Ereignis alljährlich eine Woche lang mit Lesungen und anderen literarischen Ereignissen. Der Höhepunkt ist der 16. Juni, zu dem sich viele Ulysses-Fans kleiden, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts Mode war. Sie pilgern zu den Stätten, an denen „Ulysses“ spielt und überall gibt es mehr oder minder romanhafte Veranstaltungen. Ein Epizentrum der Bloomsday-Feiern ist der Martello-Tower in Dun Laoghaire. Dort spielte nicht nur ein Kapitel des „Ulysses“, im Turm befindet sich heute auch ein Joyce-Museum. Da der Bloomsday keine offizielle Angelegenheit (aber längst offiziösen Charakter gewonnen hat), gibt es auch kein Organisationskomitee. Überall in der Stadt vermischen sich professionell arrangierte Ereignisse mit privaten Auftritten aller Art - daraus bezieht der Bloomsday einen Gutteil seines Charmes. Immerhin, auf der Website www.visitdublin.com wird ein Großteil der Bloomsday-Festivitäten angekündigt.



