Duell der Giganten: e.on versus RWE
Leben & Lifestyle

Duell der Giganten: e.on versus RWE

Bild: Foto: Hugo Charlemont, Public domain, via Wikimedia Commons

Samstag 15.30 Uhr: Fußball-Deutschland schaut gebannt nach Dortmund, ins Westfalen-Stadion und nach Leverkusen, in die BayArena. 2002 wird die Deutsche Meisterschaft wohl in diesem Fern-Duell entschieden: Auf der einen Seite die filigranen Fußball-Künstler aus dem Rheinland, auf der anderen die geballte Offensivpower aus dem Ruhrpott.

Der Kampf auf dem Fußballrasen

Samstag 15.30 Uhr: Fußball-Deutschland schaut gebannt nach Dortmund, ins Westfalen-Stadion und nach Leverkusen, in die BayArena. 2002 wird die Deutsche Meisterschaft wohl in diesem Fern-Duell entschieden: Auf der einen Seite die filigranen Fußball-Künstler aus dem Rheinland, auf der anderen die geballte Offensivpower aus dem Ruhrpott.

Was das mit der Energiebranche zu tun hat? Auf dem grünen Rasen geht es nicht nur um den Titel in der Fußball-Bundesliga: Der Zweikampf um die Deutsche Fußballmeisterschaft hat sich dieses Jahr einer Hollywood-Inszenierung ähnlich gleichzeitig zum sportlich ausgetragenen Engergiemarkt-Duell entwickelt. So kämpfen RWE und e.on stellvertretend als Hauptsponsoren von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund um die Vorherrschaft im deutschen Energie-Sektor.

Doch der Fußballplatz ist nicht die Freie Wirtschaft: So knapp die Fußball-Bundesliga in der Saison 2001/2002 zwischen den beiden Kontrahenten RWE (Leverkusen) und e.on (Borussia Dortmund) verlaufen ist, geht es am Aktienmarkt nicht zu: Der Düsseldorfer Energie-Multi e.on ist derzeit fast doppelt so hoch wie der Konkurrent RWE aus Essen bewertet.

e.on

Die aus der Fusion zwischen Veba und Viag entstandene e.on AG zählt mit einer Marktkapitalisierung von knapp 40 Milliarden Euro zu den größten Energiewerten der Welt zumindest in Europa bringt es kein Energiekonzern auf eine derart hohe Bewertung. Mit der Übernahme der britischen Powergen hat e.on seine globalen Ambitionen unterstrichen. Wie auch die europäischen Konkurrenten RWE und Electricité de France (EdF) ist e.on ein Multi-Utility-Konzern, der im Kerngeschäft die drei wichtigsten Energiemärkte Strom, Gas und, mit weniger Elan, Wasser abdeckt.

Über Beteiligungen und Tochterunternehmen versorgt e.on nach eigenen Angaben 25 Millionen Kunden in Europa mit Strom, fast zehn Millionen Einwohner mit Trinkwasser und rund fünf Millionen Kunden mit Erdgas. Allerdings sind die Gewichte in den Segmenten gegenüber dem Konkurrenten RWE unterschiedlich verteilt: e.on hinkt nicht nur im Wasser-Geschäft, sondern auch beim Stromabsatz in Deutschland deutlich hinter RWE her, obschon der Konzern europaweit dominiert. Unangefochten ist dagegen die Position im Gas-Segment: Hier erreicht e.on mehr als 8 Millionen Haushalte, sollte der geplante Griff nach Ruhrgas gelingen.

Die Gas- und Ölaktivitäten hat e.on indes seit Anfang des Jahres neu geordnet: So trat e.on im Februar 2002 die VEBA Oel AG, zu der auch die Nr. 1 im deutschen Tankstellenmarkt, Aral, gehört, an BP ab, um im Tausch die BP-Tochter Gelsenberg zu erwerben. Der Tausch hat strategische Gründe: Über Gelsenberg ist e.on bereits zu 25,5 Prozent an Ruhrgas beteiligt, das e.on ohnehin komplett übernehmen möchte.

Im Zuge der Neustrukturierung der Gesellschaft hat sich e.on auch von seiner 45-prozentigen Beteiligung an der Telekommunikationsgesellschaft VIAG Interkom getrennt - und das zu einem Zeitpunkt, als Telekomwerte noch deutlich höher bewertet waren als derzeit: e.on strich so beim Verkauf von VIAG Interkom über 11 Milliarden Euro ein. Insgesamt verfügt e.on über beachtliche Cash-Reserven in Höhe von 45 Milliarden Euro, die die Expansion mit finanzieren sollen.

Das nach der Fusion veröffentlichte erste Jahresergebnis des Konzerns fiel sehr solide aus: So könnte der neue Energieriese im Geschäftsjahr 2001 bei einem Umsatz von 79,7 Milliarden Euro einen operativen Gewinn von 3,55 Milliarden Euro erzielen eine Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zum kombinierten Vorjahresergebnis der beiden alten Konzerne. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 60 Euro: Das vom Vorstandschef Ulrich Hartmann geführte Unternehmen wäre damit mit einem KGV von knapp 16 für das abgelaufene Geschäftsjahr bewertet. Das Jahrestief liegt bei 48 Euro, das Jahreshoch bei 64.

RWE

Die Zeiten des freundlichen Beobachtens aus der Monopol-Ära sind auch für RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt seit mehr als vier Jahren Geschichte. Mit der Liberalisierung des Energiemarktes sind die Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke zum erbitterten Rivalen auf nationalem und derzeit noch europäischem Terrain geworden. Dabei kommt der mit 22 Milliarden Euro halb so hoch bewerteten RWE nur die Rolle des Herausforderers zu doch das Unternehmen ist gut positioniert.

Maßgeblichen Anteil an der heutigen Größe hat die Übernahme der VEW AG, die in der zweiten Jahreshälfte 2000 vollzogen wurde. Die neu entstandene Konzernstruktur stützt sich auf die drei klassischen Kerngeschäftsfelder eines Multi-Utility-Konzerns Strom, Gas und Wasser sowie auf Umweltdienstleistungen. Klarer Marktführer in Deutschland ist RWE im traditionellen Wassergeschäft mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro bei 13 Millionen Haushalten.

Der Schwerpunkt des Kerngeschäfts liegt indes in der Stromversorgung, bei der RWE in Deutschland die beherrschende Rolle spielt und e.on in Europa dicht auf den Fersen ist. Im Gas-Sektor hinkt RWE e.on deutlich hinterher, hat sich jedoch mit dem Kauf von der tschechischen Transgas eine exzellente Ausgangsposition für den zukunftsträchtigen osteuropäischen Markt gesichert.

Überhaupt ist RWE expansionsfreudig: Nachdem sich Konkurrent e.on mit dem Kauf von Powergen eine exponierte Stellung im britischen Energiemarkt sicherte, will RWE mit der Übernahme des Gasversorgers Innogy nachziehen. Auch der amerikanische Markt wird bereits angegriffen: Im September letzten Jahres hat RWE die Übernahme des US-Wasserunternehmens American Water Works bekannt gegeben. Mit über 15 Millionen Kunden in 29 Bundesstaaten sowie drei kanadischen Provinzen sind die American Water Works der größte börsengelistete Wasserversorger der USA. Nach dem Kauf der britischen Thames Water würde RWE mit der American Water Works-Übernahme zum drittgrößten Wasserversorger der Welt hinter Suez und Vivendi.

Die positive Geschäftsentwicklung liefert ein solides Fundament für weitere Expansionsbestrebungen: Bei einem Jahresumsatz von 60 Milliarden Euro konnte RWE im Geschäftsjahr 2001 einen operativen Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro erzielen. Das Unternehmen verfügt zudem über einen Cash-Bestand von über 30 Milliarden Euro. Die RWE-Aktie notiert aktuell bei 42,50 Euro in einer Tradingrange zwischen 40 und 45 Euro. Das Allzeithoch bei 57 Euro liegt allerdings bereits über 4 Jahre zurück; das Jahrestief liegt bei 36 Euro. Auf Basis des abgelaufenen Geschäftsjahres notiert die Aktie bei einem KGV von knapp 18 ist also teurer bewertet als e.on.

Nils Jacobsen

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite