Ein Land aus der Krise holen
Die Herausforderung bei diesem von Frederic Vester entwickelten Computerspiel besteht darin, ein Land aus einer wirtschaftlichen, sozialen sowie politisch prekären Situation zu befreien und dauerhaft in einen Zustand des Wohlstands, der Zufriedenheit und Aufgeklärtheit zu überführen. Am leichtesten ist diese Aufgabe noch im Industrieland "Kybernetien" zu bewältigen, Profis wagen sich auch an das Schwellenland "Kybinnien" oder gar ans Entwicklungsland "Kyborien". Zwölf Runden (die zwölf Jahren entsprechen) hat der ecopolicy-Stratege die Chance, einen funktionierenden Staat aufzubauen. Das ist jedoch auch ausreichend Zeit, um von einem wütenden Volk gestürzt zu werden, wie Katharina Mau aus München berichtet. "Erst als ich mich mit einer Freundin zusammengetan habe und wir gemeinsam jeden Schritt überlegt haben, sind wir beide besser geworden", erzählt die 16-Jährige, die mit ihrem Team bei der Ecopolicyade 2010 immerhin den fünften Platz belegt hat. Und bei der Ecopolicyade 2011 wieder gute Chancen hat, so weit zu kommen, wenn sie nach wie vor auf Teamarbeit setzt.
Teamarbeit und vernetztes Denken
Denn Teamarbeit gehört zu den wichtigsten Punkten, die die Teilnehmer der Ecopolicyade im Laufe des Wettbewerbs verinnerlichen müssen, um erfolgreich zu sein. Nur, indem die verschiedenen Sichtweisen aller Teammitglieder diskutiert und bewertet werden, könnten im Spiel und im Wettbewerb die besten Ergebnisse erzielt werden, sind sich die Bestplatzierten der Ecopolicyade von 2010 einig. Mindestens ebenso wichtig aber wie die Kooperation ist bei dem Strategiespiel sowie dem Wettbewerb das vernetzte Denken - und zwar in dem Sinne, wie es der Systemdenker Frederic Vester verstanden wissen wollte. Der Kybernetiker war der festen Auffassung, dass das vernetzte Denken so schnell wie möglich das vorherrschende lineare Denken ablösen müsse, damit die Menschheit in der Lage sei, die wachsenden Herausforderungen im Bereich der Wirtschaft, Politik und vor allem im Bereich der Umweltproblematik meistern zu können. Vester vertrat die Ansicht, dass das bislang praktizierte "Draufloswirtschaften" viele der bestehenden Probleme noch verschärft habe. Der Umweltforscher propagierte stattdessen das systemische Denken, das alle in einem System vorhandenen Variablen erst indentifiziert und dann die Wechselwirkungen dieser Komponenten berücksichtigt, bevor ein Problemlösungsversuch gestartet wird. Als Vorbild eines solchen Vorgehens diente dem Biochemiker Vester die Natur - ein ebenfalls hochkomplexes auf Wechselwirkungen basierendes System.
Regieren ist gar nicht so einfach
Im vernetzten Denken konnten sich die Gewinner der Ecopolicyade 2010 auch bei ihrem Besuch beim Malik Management in Sankt Gallen üben. Die Unternehmensberatung sponsort den Schülerwettbewerb und ist Lizenzinhaber des Computersimulationsspiels "ecopolicy". In Sankt Gallen verließen die Schüler das Fantasieland "Kybernetien", um sich mit dem Sensitivitätsmodell Probleme der realen Welt zu widmen. Auf diesem ebenfalls von Frederic Vester entwickelten Sensitivitätsmodell basiert das Spiel "ecopolicy". Bei Malik widmeten sich die Nachwuchs-Systemdenker Fragen wie "Was macht den Erfolg eines Sportvereins aus?" oder "Wie beeinflussen G8 und G9 die Perspektiven von Schülern?" und stellten die einander bedingenden Faktoren miteinander in Beziehung - ganz im Sinne Frederic Vesters. Der Schüler Stefan Ziehe aus Niedersachsen stellt fest: "Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr sich die einzelnen Bestandteile einer Sache beeinflussen. Regieren ist gar nicht so einfach", zeigt der 17-Jährige Verständnis für die Probleme, denen sich Berufspolitiker ausgesetzt sehen mögen. Bei der Ecopolicyade 2011 ist Stefan sicher wieder mit dabei, um in seinem "Kybernetien" Wohlstand, Lebensqualität und Zufriedenheit herrschen zu lassen.



