Edmund Stoiber
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Edmund Stoiber

Bild: Foto: Theodor Paul, Public domain, via Wikimedia Commons

Edmund Stoiber wurde am 28. September 1941 in Oberaudorf, einem Wintersportort in den oberbayerischen Alpen, geboren. Sein Vater stammt aus der Oberpfalz, die Mutter war Rheinländerin - die Eltern galten in der kleinen Gemeinde daher als “Zugezogene“ und fühlten sich immer ein wenig fremd. Die Münchner CSU-Stadträtin Ursula Sabathil schildert in ihrem Buch “Edmund Stoiber privat“, wie sich der Kaufmannssohn durch die Schule quälen musste. Er war ein eher mittelmäßiger Gymnasiast. Die siebte Klasse musste er wegen schlechter Lateinnoten wiederholen. Jeden Tag fuhr er mit dem Zug von Oberaudorf nach Rosenheim ins Gymnasium; erst auf dem Weg zur Schule erledigte er zusammen mit seinem Jugendfreund Bubi Widmesser die Hausaufgaben.

Edmund Stoiber wurde am 28. September 1941 in Oberaudorf, einem Wintersportort in den oberbayerischen Alpen, geboren. Sein Vater stammt aus der Oberpfalz, die Mutter war Rheinländerin - die Eltern galten in der kleinen Gemeinde daher als “Zugezogene“ und fühlten sich immer ein wenig fremd. Die Münchner CSU-Stadträtin Ursula Sabathil schildert in ihrem Buch “Edmund Stoiber privat“, wie sich der Kaufmannssohn durch die Schule quälen musste. Er war ein eher mittelmäßiger Gymnasiast. Die siebte Klasse musste er wegen schlechter Lateinnoten wiederholen. Jeden Tag fuhr er mit dem Zug von Oberaudorf nach Rosenheim ins Gymnasium; erst auf dem Weg zur Schule erledigte er zusammen mit seinem Jugendfreund Bubi Widmesser die Hausaufgaben.

Zu seinen Hobbys zählten Skifahren, Tischfußball und Schafkopfen - ein typisch bayerisches Kartenspiel, bei dem Frauen damals ausgeschlossen waren. Als zurückhaltenden Schüler beschreibt ihn sein alter Mathematiklehrer Ernst Hauser. Ein Streber sei Stoiber entgegen anders lautenden Vorurteilen nie gewesen. Dagegen beeindruckte er, wie in der Abiturzeitung stand, durch seine “kernig bayuwarischen Sitten und Geräusche“. Damit war Stoibers Fähigkeit gemeint, künstliche Rülpser abzusondern.

Fleißiger Jurastudent

Erst als Student begann Stoiber durch Eigenschaften aufzufallen, die ihn heute noch auszeichnen: extreme Disziplin, Fleiß, Beharrlichkeit und die Lust, sich in Aktenberge einzugraben. Wie sein Widersacher Gerhard Schröder studierte er Rechtswissenschaften - an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. In seinem zweiten Semester traf Stoiber beim Jobben in einer Bank in Geretsried bei München auf eine junge Frau: Karin Rudolf, die damals bereits ihre Banklehre beendet hatte. 1968 heirateten die beiden und bekamen zwei Töchter - Constanze und Veronica - sowie einen Sohn, Dominic.

Spätzünder auf Überholkurs

Das zweite juristische Staatsexamen schaffte Stoiber mit Prädikat. Ein Einser-Jurist, wie immer wieder behauptet wird, ist er allerdings nicht. Seine Promotionsarbeit handelt vom “Hausfriedensbruch im Lichte aktueller Probleme“.

Politisch war Stoiber ein Spätzünder. Erst mit 30 trat er in die CSU ein - auch das eine Parallele zu Gerhard Schröder, der erst mit 33 Juso-Vorsitzender wurde. Unbeeindruckt von der Studentenrevolte und den Ideen der 68-Generation, kletterte Stoiber Stufe um Stufe auf der Karriereleiter nach oben: 1972 wurde er persönlicher Referent des damaligen bayerischen Umweltministers Max Streibl. 1974 zog er in den bayerischen Landtag ein, auf seinem Auto klebte ein Aufkleber “Mir stinken die Linken“.

In dieser Zeit entdeckte der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß den talentierten Nachwuchsmann. In der Jungen Union zählte er gemeinsam mit Gerold Tandler, Theo Waigel und Otto Wiesheu bald zur engen Gefolgschaft des CSU-Granden. Als Strauß 1978 bayerischer Ministerpräsident wurde, machte er den Abgeordneten aus Wolfratshausen zu seinem Generalsekretär. Stoiber organisierte den Bundestagswahlkampf 1980, bei dem Strauß Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) herausforderte und eine deutliche Wahlschlappe erlitt.

Scharfe Polemik, schwindende Zustimmung

In seiner Zeit als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei (1982-1988) machte Stoiber durch rechte Polemik auf sich aufmerksam. Friedensdemonstranten beschimpfte er im Oktober 1981 als “nützliche Idioten im Sinne der Sowjetunion“. Sozialdemokraten waren ihm grundsätzlich als “Sozialisten“ verdächtig.

Auch nach dem Regierungsantritt Helmut Kohls blieb Stoiber ein scharfzüngiger Kritiker der Bundesregierung, wie sein Biograf Peter Köpf schreibt. Der FDP warf er im April 1985 vor, eine “gnadenlose“ und unsoziale Wirtschaftspartei zu sein. Selbst in seiner eigenen Partei war er damals stark umstritten: Als Strauß einen Milliardenkredit für die DDR einfädelte, machte das Parteivolk Stoiber dafür verantwortlich. Bei den CSU-Vorstandswahlen 1983 straften ihn die Delegierten mit einem katastrophalen Ergebnis ab - Stoibers Karriere schien am Ende.

Aufstieg an die Spitze der CSU

Doch Stoiber, die Kämpfernatur, gab nicht auf. Durch harte Arbeit, unter anderem in der Programmkommission der CSU, gewann er die Sympathie seiner Partei zurück. Nach dem Tod seines Vorbilds Franz Josef Strauß am 3. Oktober 1988 wurde Stoiber Innenminister. Er profilierte sich als Verfechter einer strikten Sicherheitspolitik, ließ die Planstellen der bayerischen Polizei erhöhen, forderte bessere Fahndungsmöglichkeiten, schärfere Grenzkontrollen und eine Beschränkung des Asylrechts.

Das Blatt wendete sich: Im November 1989 wurde er stellvertretender Parteivorsitzender und erzielte im November 1991 das beste Ergebnis im Vorstand. Kaum einer zweifelte mehr an seiner Rolle als Kronprinz von Ministerpräsident Max Streibl, der wegen seiner Luxusreisen in Bedrängnis geriet. Nach dem Rücktritt Streibls wegen der “Amigo-Affäre“ führte tatsächlich kein Weg an Stoiber vorbei: Am 28. Mai 1993 wählte ihn der Bayerische Landtag zum Ministerpräsidenten.

Der Ministerpräsident als Aufräumer

Stoiber trennte sich von ehemaligen Weggefährten und begann damit, Unternehmensanteile im Staatsbesitz zu privatisieren. Ende 1993 verkaufte der Freistaat etwa seine Anteile an der Deutschen Aerospace AG (DASA). Sogar der “Spiegel“ begann sein Stoiber-Bild zu revidieren und verlieh ihm den Ehrentitel “Ausmister des weiß-blauen Amigo-Stalls“.

Bei der Landtagswahl am 25. September 1994 schaffte die CSU mit der Doppelspitze Waigel/Stoiber erneut die absolute Mehrheit mit 52,8 Prozent der Stimmen. Stoiber nutzte die Gunst der Stunde. Nach der Niederlage von Helmut Kohl bei der Bundestagswahl 1998 verlor auch Bundesfinanzminister Theo Waigel Rückhalt in seiner Partei - und trat zurück. Im Januar 1999 war es soweit: Stoiber stellte sich den Delegierten des CSU-Sonderparteitages, die ihn mit 93,4 Prozent der Stimmen zum Parteichef wählten. Während die CDU im Spendenskandal und im Chaos versank, präsentierte sich Edmund Stoiber als letzter Halt der christlichen Parteien. Kein Wunder, dass er seit Sommer 1999 in den Medien und Parteikreisen als möglicher Kanzlerkandidat ins Spiel gebracht wurde - auch wenn er sich bis zuletzt weigerte, Farbe zu bekennen.

Politik der harten Hand

Dennoch war 1999 kein durchweg gutes Jahr für Stoiber. Schwierigkeiten bereitete ihm vor allem der Skandal um die halbstaatliche Städtebaugesellschaft LWS, die in den neuen Bundesländern Milliardenverluste schrieb. Als die Sache öffentlich wurde, schaffte es Stoiber, seinen Duzfreund und Justizminister Alfred Sauter für die Fehlinvestitionen verantwortlich zu machen.

Wie Schröder beherrscht auch Stoiber die Kunst, sich innerparteiliche Gegner rechtzeitig vom Hals zu schaffen und Ballast abzuwerfen. Einer der besten CSU-Kenner, Michael Stiller von der Süddeutschen Zeitung, urteilt: “Er regierte erfolgreich und mit harter Hand. Im Landtag gibt es heute einen ganzen Flur mit Zimmern von Stoiber-Opfern, die dessen Kabinett verlassen mussten. Justizminister Hermann Leeb war ihm zuwenig dynamisch (er war für drei Stunden Bahnfahrt nicht am Handy erreichbar). Peter Gauweiler hatte die Mandate seiner Anwaltskanzlei verpachtet und wurde zum Rücktritt gezwungen. (...) Anfang 2001 wurde Gesundheitsministerin Barbara Stamm als BSE-Notopfer politisch gekeult, obwohl die Grundlagen des Versagens in Stoibers Kabinett gelegt worden waren.“

Stoibers Bilanz

Trotzdem blicken Bewohner anderer Bundesländer neidisch in den Südosten, wo die CSU seit Jahrzehnten regiert. Bayern ist das Land mit der zweitniedrigsten Arbeitslosenquote, der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldung und der höchsten Investitionsquote. Die Kriminalitätsquote ist niedriger als im Rest der Republik.

War der Freistaat nach dem Krieg noch ein armes Agrarland, so ist Bayern heute ein Zentrum für High-Tech-Unternehmen und Biotechnologie. Stoiber weiß, wie man daraus politisches Kapital schlägt. Die Verbindung von Laptop und Lederhose ist sprichwörtlich geworden und prägt das Bild der erfolgreichen Bayern in den Medien. Profitiert hat Stoiber auch von Privatisierungserlösen, die im Freistaat geschickt investiert wurden. Seit 1994 flossen fast 4,5 Milliarden Euro in zahlreiche Projekte - besonders in die Region rund um München, die zu den Top-Beschäftigungsregionen in Deutschland zählt. Weniger gut geht es anderen Regionen wie etwa Franken, wo die Arbeitslosigkeit weit höher liegt.

Stoibers Ernsthaftigkeit

Volkstümlichkeit und Charme sind nicht gerade Eigenschaften, die auf Edmund Stoiber zutreffen. Dass er im Juli 1999 den Aachener Karnevalsorden “Wider den tierischen Ernst“ erhielt, sorgte für allgemeine Heiterkeit. Stoiber gilt als ernsthafter Politiker und leidenschaftlicher Redner, der fast immer vom Manuskript abweicht. Wenn er sich in Rage redet, sind seine Anhänger begeistert - so wie beim Politischen Aschermittwoch, der jedes Jahr in Passau stattfindet. Ein barocker Volkstribun wie sein Lehrmeister Franz Josef Strauß ist er aber nicht. Das sagt er selbst. Als Stoiber einst auf einer Geburtstagsfeier zu einem seiner gefürchteten Monologe ansetzen wollte, stauchte ihn Strauß zusammen: “Jetzt hör doch mit der Politik amoi auf.“ Fakten liegen ihm eben eher als Smalltalk.

Private Affären oder Eheprobleme sind bei den Stoibers nie bekannt geworden - anders als bei Schröder oder Außenminister Joschka Fischer, die zusammen insgesamt acht Mal verheiratet waren. Karin Stoiber sagt über ihren Mann: “Wir haben immer die wenige Zeit, die wir hatten, anders eingeteilt, intensiver genutzt als andere Paare.“

Ehrenleutnant der Gebirgsschützen

Stoiber ist kein ausgebuffter Medienprofi wie Schröder, der mit Journalisten locker scherzt und damit gelegentlich von wichtigen Themen ablenkt. Immerhin pflegt der Ministerpräsident einige typisch bayerische Eigenarten: Er liebt nach eigenen Angaben “Schweinsbraten à la Karin Stoiber“, sitzt bei wichtigen Spielen seines Lieblingsvereins FC Bayern München auf der Tribüne neben Präsident Franz Beckenbauer und präsentiert sich als treu sorgender Ehemann, Familienpatriarch und gläubiger Katholik. Auch den Gebirgsschützen ist er seit seiner Bundeswehrzeit treu geblieben. Heute amtiert er als Ehrenleutnant seiner Kompanie in Wolfratshausen. Dass er in voller Montur, mit Säbel und Filzhut, immer ein wenig ungelenk wirkt, darüber sehen viele seiner Landsleute wohlwollend hinweg.

Lieber eine dicke Akte als eine schlanke Nackte

Von Roswin Finkenzeller (Frankfurter Allgemeine Zeitung) stammt das Bonmot, Stoiber wirke im Trachtenanzug wie ein Preuße, der sich in Bayern angekleidet hat. Der Ministerpräsident nehme "lieber eine dicke Akte als eine schlanke Nackte" mit ins Bett, hat sein Innenminister Günther Beckstein einmal gedichtet und auf einem CSU-Parteitag die Lacher auf seiner Seite gehabt. Aber gerade diese preußische Disziplin ist es, die Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl das Fürchten lehrte.

Christian Mayer

Buch-Tipps

Online bestellen:

Ursula Sabathil: Edmund Stoiber privat, Verlag Langen Müller 2001

Peter Köpf: Stoiber. Die Biografie, Europa-Verlag 2001

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