Ein Kultobjekt wird 125 
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Ein Kultobjekt wird 125 

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Erfunden hat den Strandkorb 1882 der mecklenburgische Korbmacher Wilhelm Bartelmann. Laut Überlieferung kam damals eine vornehme ältere Dame zu dem Rostocker Handwerksmeister und bat ihn um eine Sitzgelegenheit für den Strand als Schutz gegen Wind und Wetter. Der Grund für den ungewöhnlichen Wunsch: Wegen eines Rheumaleidens habe ihr der Arzt zwar von einem Urlaub am Meer abgeraten, doch sie wolle einfach nicht darauf verzichten. Das Gestell, das ihr der Korbmacher anfertigte, erregte natürlich die Aufmerksamkeit der anderen Badegäste. Und schon bald stieg die Nachfrage nach solchen „Strandkörben“. Bereits ein Jahr später eröffnete Wilhelm Bartelmanns Frau Elisabeth in Warnemünde den ersten Strandkorbverleih an der Ostsee. Seitdem gehört er zu den Ost- und Nordseestränden wie der Wind und das Wasser.

Vom Rheumaschutz zum Kultobjekt

Erfunden hat den Strandkorb 1882 der mecklenburgische Korbmacher Wilhelm Bartelmann. Laut Überlieferung kam damals eine vornehme ältere Dame zu dem Rostocker Handwerksmeister und bat ihn um eine Sitzgelegenheit für den Strand als Schutz gegen Wind und Wetter. Der Grund für den ungewöhnlichen Wunsch: Wegen eines Rheumaleidens habe ihr der Arzt zwar von einem Urlaub am Meer abgeraten, doch sie wolle einfach nicht darauf verzichten. Das Gestell, das ihr der Korbmacher anfertigte, erregte natürlich die Aufmerksamkeit der anderen Badegäste. Und schon bald stieg die Nachfrage nach solchen „Strandkörben“. Bereits ein Jahr später eröffnete Wilhelm Bartelmanns Frau Elisabeth in Warnemünde den ersten Strandkorbverleih an der Ostsee. Seitdem gehört er zu den Ost- und Nordseestränden wie der Wind und das Wasser.

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Sylter Strandkörbe

Zu den Besten auf dem Markt gehören die „Sylt-Strandkörbe“. Als einziges Unternehmen in der Branche ist es „Hoflieferant“ des Londoner Nobelkaufhauses „Harrod’s“. In der Manufaktur in Rantum im Süden von Sylt werden Strandkörbe seit 1947 gefertigt. Heute arbeitet das Familienunternehmen in der dritten Generation. Inhaber und Geschäftsführer ist Willy Trautmann. Der gelernte Tischler ist seit 1972 im Betrieb tätig. 1985 hat er ihn übernommen. Seitdem gilt er in der Branche als Trendsetter. Nicht zuletzt wegen seiner Ideen und seines Engagements, ist sein Sylter-Strandkorb mittlerweile zum Kultobjekt geworden. Sogar Modezar Karl Lagerfeld und Talkmaster Johannes B. Kerner entspannt gelegentlich in einem der Sylter Körbe.

Trotz oder gerade wegen der Billiganbieter aus Fernost und der zahlreichen Kopien seiner Originale setzt Trautmann weiterhin konsequent auf Qualität, Modellvielfalt und Innovationen. Und seine Tochter Svenja, 24, hilft ihm bereits dabei, diese Tradition fortzuführen.

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Qualität mit 144 Leisten

„Wir haben drei Grundmodelle“, erklärt Willy Trautmann: den „Original Westküstenkorb“ mit einem Neigungswinkel von 45 Grad, den „Sylter Horizontalkorb“, der ein entspanntes Liegen ermöglicht, und den neuen „Softlifter“ mit einer echten Innovation in diesem Segment. Bei diesem Horizontalstrandkorb ist hinten eine hydraulische Pumpe angebracht, die jede Bewegung unterstützt. Das Ergebnis: zum Kippen oder Aufrichten reicht ein sanfter Druck mit der Fingerspitze. Auf einer Branchenmesse in New York hat er dafür sogar einen Preis eingeheimst. Zurzeit bereitet Trautmanns seinen jüngsten Coup vor: den fernbedienbaren Strandkorb. Auch diesen hat er zum Patent angemeldet

Insgesamt gibt es bei den Sylt-Strandkörben 64 Modellvarianten. Je nach Größe, Machart und Ausstattung ist ein Korb zwischen 75 bis 100 Kilo schwer. Eines der Außergewöhnlichsten ist sicher der Strandkorb für Hunde. In ihn sind Hundekorb und Fressnapf eingebaut. Oder ein anderer mit versteckten Lautsprechern: Setzt man sich in diesen sich hinein, erklingt Meeresrauschen und Möwengeschrei.

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Acht Stunden flechten

An der Herstellung eines Sylt-Strandkorbs sind Korbmacher, Tischlermeister, Polsterer und Lackierer beteiligt. „Unser Strandkorb besteht aus 144 verschiedenen Leisten“, erläutert der 55-Jährige bei der Führung durch die Manufaktur. „Für die Unterkonstruktionen verwenden wir nur ausgesuchte Hölzer wie Meranti, eine schnell wachsende Mahagoni-Art.“ Die Sichthölzer werden in Rantum offenporig imprägniert und sind dadurch pflegeleichter und langlebiger.

Das mit Abstand Aufwändigste an der Strandkorbherstellung ist das Flechten. „Sechs bis acht Stunden benötigen wir für einen Strandkorb“, sagt Trautmann. Dabei verwenden er und seine Mitarbeiter vor allem widerstandsfähiges Kunststoff-Geflecht, das allerdings so gefärbt werden kann, dass es dem Naturrohr zum Verwechseln ähnlich wird. Zum Qualitätsstandard gehört selbstverständlich auch, dass die Lackierer für den Farbanstrich nur Acryllacke ohne Lösungsmittel verwenden.

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Eine gute Polsterung hält eine Generation

Im ersten Stock der Manufaktur werden die Markisen-Stoffe zugeschnitten. „Die sind nicht nur farb- und wetterfest, sondern auch beständig gegen Fäulnis, Verrottung und Pilzbefall“, erläutert Trautmann. 200 Stoffbezüge stehen für die Kunden zur Auswahl. Auch hier setzt er auf modische Trends. Und Trautmann ist ständig auf der Suche nach neuen Farben und Mustern.

Im Erdgeschoss geht es dann ans Eingemachte: an die Polsterung. Die Polsterer achten dabei besonders auf sorgfältige Verarbeitung. Denn nur so ist gewährleistet, dass der Schaumkern der Polsterung nicht der Witterung ausgesetzt wird. „Bei guter Pflege lässt sich die Polsterung auch nach 20 Jahren noch problemlos ersetzen“, sagt Willy Trautmann.

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Billigware aus Fernost

Trautmann verhehlt nicht, dass die Geschäfte schon einmal – besonders in den Achtzigern – besser liefen: „Zu Hochzeiten haben wir an die 3.000 Stück im Jahr produziert“. Heute stellen die zwölf Mitarbeiter der Manufaktur jährlich gut 1.000 Strandkörbe her. Jeden nach individuellen Vorgaben. Die meisten davon gehen an Privatkunden, ein erheblicher Teil auch an Hotels.

Vergangenes Jahr war Trautmann in Shanghai, um sich die Produktion eines Billiganbieters anzusehen. Allein dort werden jedes Jahr rund 12.000 Stück gefertigt, die auf dem Markt schon für 300 Euro angeboten werden. Einen Sylt-Strandkorb gibt es ab 910 Euro. Ein Dreisitzer mit Sonderausstattung und Zubehör wie Mahagoni-Tisch oder Lektüretasche kostet mehr als 2.000 Euro. Lieferzeit: zwischen drei und vier Wochen. Doch Qualität und Maßarbeit haben eben ihren Preis. Sie versprechen aber auch eine Lebensdauer von meist über 20 Jahren.

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Begehrte Sammlerstücke

Derzeit sind Trautmann und sein Team dabei, rund 1.900 von seinen auf Sylt an Kommunen und Hotels vermieteten Strandkörbe ins Winterlager zu holen. Hier werden die Körbe gereinigt und kleine Schäden ausgebessert. Nach 18 bis 20 Jahren werden die meisten ausgemustert. Zum „alten Eisen“ gehören sie dann aber noch immer nicht. „Wir haben genug Interessenten, die für solche Körbe noch 450 Euro und mehr zahlen.“ Auch das ist ein Beleg für die Qualität der Sylt-Strandkörbe. Willy Trautmann: „Und wenn der alte Korb einen neuen Himmel bekommen soll, dann ist auch das bei uns überhaupt kein Problem.“

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