Ein Plausch mit Jasmin Ramadan
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Ein Plausch mit Jasmin Ramadan

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

wissen.de: Aus dem Shooting Star Fatih Akin ist längst ein international bekannter Regisseur geworden. Als er Sie, eine alte Freundin aus Jugendtagen, bat, seinen Film "literarisch zu ergänzen", was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?

"Fatih hat mir vertraut"

wissen.de: Aus dem Shooting Star Fatih Akin ist längst ein international bekannter Regisseur geworden. Als er Sie, eine alte Freundin aus Jugendtagen, bat, seinen Film "literarisch zu ergänzen", was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?

Jasmin Ramadan: Erst mal hab' ich mich gefreut, dass Fatih mich überhaupt gefragt und mir so vertraut hat. Er kannte zwar meine beiden Manuskripte, die ich bereits fertig hatte, aber bis dahin hatte ich noch nichts veröffentlicht und war noch ganz unbekannt. Fatih hat ganz andere Bedenken gehabt: Er hat mich gewarnt, dass es mich vielleicht nerven könnte, ständig mit ihm in Verbindung gebracht zu werden. Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen in dem Moment.

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"Ich erzähl alles, was vorher war"

wissen.de: In Ihrem Buch schildern Sie den Werdegang Zinos Katzanzakis' von dem Augenblick an, als ihm seine Eltern zum 18. eine Einzimmerwohnung kaufen, um nach Griechenland zurückkehren zu können, bis zu dem Moment, in dem der erwachsene Zinos beschließt, in seiner Heimatstadt Hamburg das Restaurant "Soul Kitchen" zu eröffnen. Was hat Sie dazu inspiriert?

Jasmin Ramadan: Das Drehbuch! Denn da stecken natürlich eine Menge Sachen von uns, von früher drin. Und ich wusste ja schon, dass Adam Bousdoukos, den ich ja auch schon lange kenne, Zinos spielen würde. Beim Lesen des Drehbuchs hatte ich immer schon Adam im Kopf, wie er spricht, wie er früher war... Und dass das so lebendig war, dass ich mir diese Figur so gut vorstellen konnte, hat sofort meine Lust geweckt, mehr daraus zu machen. Mir war aufgefallen, dass das Drehbuch viel ausspart, viele Fragen unbeantwortet lässt. Ein Film ist ja immer nur eine Momentaufnahme. So bin ich auf die Idee gekommen, ich erzähl alles, was vorher war.

wissen.de: Adam Bousdoukos hat ja tatsächlich lange ein Restaurant geführt, das Sotiris in Hamburg-Ottensen, in dem Sie, Fatih Akin und Ihre Freunde eine gute Zeit hatten. Realität und Fiktion mischen sich. Sie treiben das Spiel noch weiter: Im Buch wird Zinos ständig mit Adam, dem Schauspieler, verwechselt. Und dann schaut er sich auch noch den Film "Kurz und schmerzlos" an, in dem Adam am Ende stirbt. Zinos ist schockiert.

Jasmin Ramadan (lacht): Das lag an meiner eigenen Verwirrung als Schriftstellerin, die ich in dem Text so aufgearbeitet habe. Ich musste schon aufpassen, dass ich beim Schreiben nicht zu viel Adam im Kopf hatte. Aber natürlich ist die Geschichte über Zinos meine eigene Erfindung.

Zwischen Abenteuerroman und Traumwelt

wissen.de: Ihr Roman sprüht vor Erfindungsreichtum. Die Figuren wie Puffmutter Linde Ping oder Kathinka, die drogensüchtige und leider völlig verrückte Tochter aus gutem Hause, beschreiben Sie so lebendig, dass man sie zu kennen meint. Und auch Zinos` (Liebes-)Leben bewegt sich zwischen Abenteuerroman und Traumwelt. Es verschlägt ihn auf eine winzige griechische Insel, ein Traumschiff und eine paradiesische Karibikinsel, die allerdings von Halbtoten und einem HIV-infizierten, möderischen Vamp aus der Pharmabranche bevölkert wird. Dabei hatten Sie nur zehn Monate Zeit für Ihren Roman.

Jasmin Ramadan: Das stimmt. Aber das Gute war, dass der Film nur so wenig vorwegnimmt, die Geschichte hat mir viel Spielraum gelassen. So konnte ich meine Phantasie ungebremst spielen lassen. Während ich geschrieben habe und Fatih gedreht, haben wir uns übrigens so gut wie gar nicht gesehen. Trotzdem passen Film und Buch in Inhalt, Stil und Rhythmus sehr zusammen. Obwohl natürlich beides auch alleine funktioniert. Das war mir für mein Debüt auch sehr wichtig. Hätte es den Flm nicht gegeben, hätte ich meinem Buch aber sicher ein anderes Ende gegeben und den Leser vielleicht ein wenig befriedigter zurückgelassen. Aber so habe ich Fatih das Happy End überlassen.

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"Liebesfrust ist reine Lebenszeitverschwendung"

wissen.de: Sie als Frau schreiben zwar aus männlicher Perspektive, was Ihnen erklärterweise leichter fällt als die Ich-Erzählung aus weiblicher Sicht. Ihr Protagonist ist ein griechischer junger Mann. Dennoch die Frage: Wie viel Autobiographie steckt in "Soul Kitchen"?

Jasmin Ramadan: Also, erstmal gar nichts Konkretes. Beim Schreiben übersetzt man allerdings unbewusst Dinge von sich selbst. Das merke ich oft, wenn ich einen Text von mir mit Abstand lese. Und ein paar Parallelen zu mir gibt es natürlich schon in dem Buch: Ich koche wie Kathinka sehr gerne, bin da ebenfalls Autodidaktin und entwickle auch einen komischen Ehrgeiz, alles mögliche auszuprobieren, auch absurde Sachen.

So wie Zinos hatte ich mich mit 18, 19 Jahren auch eine Krise. Ich habe mich sehr schwer getan, irgendwo anzukommen, zur Ruhe zu kommen. Aber anders als Zinos habe ich die Geborgenheit einer Familie nicht plötzlich verloren, sondern eigentlich nie gehabt. Mein Vater war sehr schnell wieder weg und meine Mutter hatte nie viel Zeit. Und so wie Zinos habe ich auch lange gebraucht, um eine tiefe Liebesbeziehung zu finden. Ich war fünf Jahre Single. Aber nicht frustiert! (lacht) Das wäre in meinen Augen eine reine Lebenszeitverschwendung gewesen!

wissen.de: Fatih Akin ist Türke, Adam Bousdoukos Grieche, Ihr Vater ist Ägypter. Könnte man sagen, die Deutschen mit ausländischen Wurzeln sind gerade die einzig wahren Kreativen in Deutschland?

Jasmin Ramadan: Um Gottes Willen! Das zu behaupten, wäre ja schon rassistisch! Es gibt eben viele Leute wie uns, Einwanderkinder wie Fatih oder Leute wie mich mit einem ausländischen Elternteil. Und die machen eben auch Karriere, sind Künstler, fallen auf. Mehr nicht, ich finde das nichts Besonderes. Aber diese buntgemischte Welt ist natürlich sehr inspirierend und bietet viele Akzente und Möglichkeiten, um sie in der Kunst abzubilden.

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