Erster WM-Titel geht an Uruguay
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Erster WM-Titel geht an Uruguay

Bild: Foto: Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

"Nie zuvor habe ich solche Beispiele von emotionaler Leidenschaft, Enthusiasmus und Begeisterung erlebt, wie sie dieser Sieg freisetzte. Als die Fahne Uruguays am Siegesmast hochstieg, die Spieler des Weltmeisters weinend dem Fahnentuch nachschauten, schien sich das ganze Volk des Weltmeisters im Stolz auf diesen Erfolg zu verbinden...". So beschrieb der Franzose Jules Rimet, FIFA-Präsident und Motor der Weltmeisterschafts-Idee, die Siegerehrung nach dem Finale. Das südamerikanische Gastgeberland Uruguay hatte in einem spannungsgeladenen Spiel den Nachbarn und Rivalen Argentinien mit 4:2 in die Schranken gewiesen und den ersten WM-Titel der Fußballgeschichte errungen.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

"Nie zuvor habe ich solche Beispiele von emotionaler Leidenschaft, Enthusiasmus und Begeisterung erlebt, wie sie dieser Sieg freisetzte. Als die Fahne Uruguays am Siegesmast hochstieg, die Spieler des Weltmeisters weinend dem Fahnentuch nachschauten, schien sich das ganze Volk des Weltmeisters im Stolz auf diesen Erfolg zu verbinden...". So beschrieb der Franzose Jules Rimet, FIFA-Präsident und Motor der Weltmeisterschafts-Idee, die Siegerehrung nach dem Finale. Das südamerikanische Gastgeberland Uruguay hatte in einem spannungsgeladenen Spiel den Nachbarn und Rivalen Argentinien mit 4:2 in die Schranken gewiesen und den ersten WM-Titel der Fußballgeschichte errungen.

Vor 70 000 Zuschauern – aus Sicherheitsgründen wurden nicht mehr Zuschauer eingelassen – entwickelte sich von der ersten Minute an ein ausgewogenes Spiel. Zur Pause führten die Argentinier überraschend mit 2:1. Der Ausgleichstreffer, den Cea in der 60. Minute schoss, kündigte jedoch die Wende zugunsten der "Himmelblauen" an. Angetrieben vom frenetischen Beifall der heimischen Schlachtenbummler brachte Iriarte seine Mannschaft eine Viertelstunde später in Führung, ehe Castro drei Minuten vor Schluss den Sieg perfekt machte. Das Endspiel war für die Veranstalter und ganz Südamerika das Traumfinale. In Argentinien und Uruguay, diesseits und jenseits des Rio de la Plata, kam es zu bitterbösen Pressekampagnen, die alles bisher da Gewesenes in den Schatten stellten. Von Buenos Aires aus stachen ganze Dampferflottillen mit Schlachtenbummlern in See. Einige Schiffe verirrten sich im Nebel oder liefen auf Grund.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Stadion waren außerordentlich scharf. Wegen der aufgeheizten Atmosphäre bestand der belgische Schiedsrichter John Langenus darauf, dass alle Zuschauer auf Waffen hin untersucht wurden. Außerdem bat er sich hinter jedem Tor eine Leibwache für seinen persönlichen Schutz aus. Bereits vor dem Anpfiff stand der Unparteiische, der in den 40er Jahren eine politische Karriere als Gouverneurs-Kabinettschef der Provinz Antwerpen einschlug, vor einer schwierigen Situation. Sowohl die Argentinier als auch die Gastgeber brachten einen eigenen Ball mit – und nur mit dem wollten sie spielen. Langenus setzte einen Losentscheid durch und schritt endlich zum Anpfiff.

Pleiten, Pech und Pannen

Bis es zur Austragung der WM kommen konnte, waren unzählige Hindernisse zu überwinden und haarsträubende Pannen zu beklagen. Bereits bei der Festsetzung des Termins (13. bis 30. Juli) war übersehen oder ignoriert worden, dass während des europäischen Sommers auf der Südhalbkugel Winterzeit ist. Das barg in jedem Fall die Gefahr der Beeinträchtigung durch Witterungseinflüsse. Und tatsächlich konnte das Eröffnungsspiel wegen einer 13-wöchigen Regenperiode nicht in dem noch im Bau befindlichen Stadion "Centenario" stattfinden. Der Regen hatte alle Terminpläne über den Haufen geworfen. Obwohl über 1000 Arbeiter Tag und Nacht an der Fertigstellung arbeiteten, wurde das bis dahin größte Fußballstadion der Welt erst am sechsten Spieltag fertig.

Das folgenreichste Handicap aber war: In Europa befanden sich Wirtschaftskrise und Finanznot auf dem Höhepunkt. Da nicht klar war, wer die Fahrtkosten nach Uruguay bezahlen und wer für den Arbeitsausfall aufkommen würde, hagelte es Absagen aus Europa. Vor diesem Hintergrund diskutierten Kritiker den sportlichen Stellenwert der WM bereits vor dem ersten Spiel. Selbst eine verzweifelt anmutende Bitt-Tour von Jules Rimet konnte die wichtigsten europäischen Verbände nicht umstimmen. Am Ende waren nur vier europäische Teams am Río de la Plata vertreten: Frankreich, Belgien, Rumänien und Jugoslawien. Die Rumänen traten die vierwöchige Schiffsreise sogar auf ausdrücklichen Wunsch ihres fußballbegeisterten Königs Carol an. Vor Ort nahm der Monarch auf der Trainerbank Platz, wo er Zeuge rumänischer Achtungserfolge wurde. "Sein" Team wurde nach einem 3:1-Sieg gegen Peru und einer 0:4-Niederlage gegen Uruguay Gruppenzweiter, verpasste aber den Einzug ins Halbfinale.

Beginn der WM-Historie

Star der uruguayischen Auswahl, der unbestritten besten Fußballmannschaft der 20er und beginnenden 30er Jahre, war ihr einziger dunkelhäutiger Spieler, der Außenläufer José Leandro Andrade. Die erste "schwarze Perle" des Fußballsports – Pelé wurde erst zehn Jahre später geboren – führte im Mittelfeld glänzend Regie. Bereits 1924 und 1928 hatte der elegante und kraftvolle Spieler zum Olympiasieg seines Landes maßgeblich beigetragen. Doch Andrades sportlicher Lorbeer verwelkte nach Abschluss seiner Karriere schnell: Als Sänger, Tänzer und Klavierstimmer vom Glück verlassen, starb er am 3. Oktober 1957 obdachlos in einem Armenhaus in Montevideo.

Als erster Torschützenkönig ging mit acht Treffern der argentinische Mittelstürmer Guillermo Stabile in die Fußball-Historie ein. Ihm gelangen auch als erstem Spieler drei Tore in einem Weltmeisterschaftsspiel – beim 6:3-Sieg Argentiniens gegen Mexiko am 19. Juli. Allerdings gibt es auch Fußball-Historiker, die dem US-Amerikaner Bertram Patenaude diese Pioniertat zuschreiben: Er soll bereits am 17. Juli beim 3:0-Erfolg der USA gegen Paraguay dreimal erfolgreich gewesen sein. Mit endgültiger Sicherheit wird sich diese Streitfrage allerdings nicht mehr aufklären lassen, denn damals gab es noch keine Rückennummern – und Augenzeugen werden rar.

Das erste WM-Tor der Fußballgeschichte erzielte der Franzose Lucien Laurent in der 19. Minute des Spiels Frankreich gegen Mexiko (Endstand 4:1) am 13. Juli. Nach Zuspiel von Linksaußen Marcel Langiller drosch der Innenstürmer den Ball mit dem rechten Fuß volley in die Maschen.

Das Stadion "Centenario" im Zentrum von Montevideo war mit seinem Fassungsvermögen von 80 000 Zuschauern damals das erste wirklich große Stadion auf dem Halbkontinent. Es wurde nach den Plänen des Architekten Juan Scasso in der Rekordzeit von weniger als sechs Monaten aus dem Boden gestampft. Der gigantische Bau kostete 1,5 Millionen uruguayische Goldstücke. Seinen Namen, "das Hundertjährige", trägt es, weil die Fußball-Weltmeisterschaft zu Ehren der 100jährigen staatlichen Unabhängigkeit von Uruguay ausgetragen wurde.

Für den urugayischen Fußball begann nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft eine schwere Zeit. 1931 führte Nachbar Argentinien den Profi-Fußball ein, das Geld lockte die besten Nationalspieler auf die andere Seite des Rio de la Plata.

Die Teilnehmer

  • Gruppe 1:Argentinien, Chile, Frankreich, Mexiko
  • Gruppe 2:Brasilien, Bolivien, Jugoslawien
  • Gruppe 3:Peru, Rumänien, Uruguay
  • Gruppe 4:Belgien, Paraguay, USA

Weltmeisterschaft 1930

  • Halbfinale
  • 26.7. Argentinien – USA 6:1 (1:0)
  • 27.7. Uruguay – Jugoslawien 6:1 (3:1)
  • Endspiel
  • 30.7. Uruguay – Argentinien 4:2 (1:2)
  • Uruguay:Ballesteros, Nasazzi, Mascheroni, Andrade, Fernandez, Gestido, Dorado, Scarone, Castro, Cea, Iriarte
  • Argentinien:Botasso, Della Torre, Paternoster, J. Evaristo, Monti, Suarez, Peucelle, Varallo, Stabile, Ferreyra, M. Evaristo
  • Tore: 1:0 Dorado (10.), 1:1 Stabile (12.), 1:2 Stabile (24.), 2:2 Cea (60.), 3:2 Iriarte (75.), 4:2 Castro (87.)

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