Europa ist stolz auf sein Kulturerbe. Dies wird nicht nur an der alljährlichen Kür der europäischen Kulturhauptstädte deutlich - auf lokaler Ebene zeigt sich dieser Stolz europaweit an den European Heritage Days, den Tagen des offenen Denkmals. Während die europäischen Kulturhauptstädte durch ausgeklügelte Werbekampagnen Massen von Kulturtouristen anlocken sollen, ist das Ziel bei den European Heritage Days anders definiert.
Seit 1991 öffnen in vielen europäischen Staaten im September die Pforten vieler Tausend Denkmäler. Dabei geht es nicht um Profit - der Eintritt ist in der Regel kostenlos. Vielmehr soll das Interesse der Bürger für die sie umgebende Kultur- und Denkmallandschaft geweckt werden. Einwohner und Touristen sollen “Geschichte zum Anfassen” und damit Kultur und insbesondere Architektur erleben können, die ihnen normalerweise verschlossen bleiben.
Denn das ist das Besondere am Tag des offenen Denkmals - nicht nur die alltäglichen Orte der Kulturbegegnung sind geöffnet, sondern die speziellen, wie Wassertürme, Industrieanlagen, Bunker, Schleusen und auch architektonisch herausragende Privathäuser.
Eine französische Idee
Die Kulturnation Frankreich machte den Anfang. 1984 erklärte der damalige französische Kulturminister Jack Lang zum ersten Mal einen nationalen Tag des offenen Denkmals - eine Idee, die europaweit Freunde gewann. 1991 war schließlich auch der Europarat überzeugt: zum ersten Mal wurden offiziell die European Heritage Days ausgerufen. Damals beteiligten sich elf Länder an dem Kulturevent der besonderen Art; zehn Jahre später waren es bereits 47 Teilnehmer, von Albanien bis zur Schweiz.
Mehr als 20 Millionen Besucher erfreuten sich 2001 an etwa 31.300 für diesen Anlass geöffneten Denkmälern in Europa. Einen genauen, europaweit abgestimmten Termin gibt es allerdings nicht. Es existiert zwar ein europäisches Organisations-Komitee, doch Detailfragen werden auf nationaler Ebene entschieden - dazu zählt auch das jeweilige Motto.
Ein Denkmal steht selten allein
Im Jahr 2002 setzte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, verantwortlich für die bundesweite Koordination des Events, den Schwerpunkt auf das Erkennen einer historischen Gesamtheit: Historische Bauwerke stehen nicht isoliert da, sie sind in eine spezifische Umgebung eingebettet - dies sollte beim deutschen Tag des offenen Denkmals 2002 deutlich werden.
Dabei ging es um Denkmalschutz und das Verhältnis verschiedener Gebäude zueinander, um Straßenzüge, Stadtviertel, Plätze und Ensembles. Interessanterweise spiegelte sich in der Umsetzung des bundesweiten Mottos das Verhältnis zwischen Europa und den Mitgliedsstaaten in der Bundesrepublik wider: Nicht alle Kommunen folgten dem offiziellen Slogan, manche gingen lieber eigene Wege.
In Berlin öffneten fast 260 Denkmäler ihre Pforten - dazu gehörte der Alte Schlachthof in Pankow mit seiner 15.000 qm großen Rinderauktionshalle genauso wie der AEG-Tunnel in Wedding, Berlins erster U-Bahn-Tunnel, oder ein Wohngebäude in einer ehemaligen Schokoladenfabrik in Friedrichshain.



