Evolutionstheorie: Zwei Kluge, ein Gedanke
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Evolutionstheorie: Zwei Kluge, ein Gedanke

Bild: Foto: George Chernilevsky, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Evolutionstheorie ist die Erfindung von Charles Darwin. Glauben wir. Denn auch Alfred Russel Wallace beanspruche die Evolutionstheorie für sich.

Alfred Russel Wallace - nicht der Fitteste

Wer Charles Darwin war, weiß jedes Kind - spätestens wenn es die ersten Biologiestunden hinter sich gebracht hat. Von Alfred Russel Wallace allerdings wird es höchstens erfahren, wenn es sich in der Universität für Biologie mit Schwerpunkt Evolutionstheorie entscheidet.

Und das ist eigentlich ziemlich ungerecht. Denn auch der 1823 in Usk, Monmouthshire, geborene Zoologe hatte herausgefunden, dass die Arten keineswegs unveränderlich sind, so die bis dato gängige Auffassung, sondern einer strengen Selektion unterliegen müssen: Nur die Arten überleben, die sich auf die jeweiligen Lebensbedingungen opitmal einstellen können. Und damit hat der bescheidene Naturforscher beinahe wortwörtlich die Kernthese der Evolutionstheorie wiederholt, die Charles Darwin für immer unvergessen machen sollte.

Und die große Frage ist, wer hier eigentlich was von wem wiederholt hat. Denn zu der Erkenntnis von der Anpassung der Arten als Voraussetzung für ihr Weiterbestehen war Wallace bereits bei seinen Forschungsreisen im Amazonasgebiet und auf Bormeo in den Jahren 1848 bis 1852 gelangt. Seine Entdeckung teilte der eifrige Zoologe dem von ihm bewunderten Charles Darwin umgehend in ausgedehnten Briefwechseln mit - zur kritischen Würdigung. Dass 1859 Darwins Beststeller "On the Origin of Species" die Evolutionstheorie begründete, kann natürlich als eine solche Würdigung der fremden Thesen verstanden werden.

Nur Darwin erntet Lorbeeren für Evolutionstheorie

Tatsächlich aber ist Alfred Russel für seine Forschungsarbeit im Bereich der Evolutionstheorie nie wirklich gewürdigt worden. Das mag jedoch auch an Wallace' großer Bescheidenheit gelegen haben. Zwar schickte Charles Darwin, der die großen Übereinstimmungen ihrer beiden Theorien sofort erkannt hatte, auch die Manuskripte seines Kollegen Wallace zur Veröffentlichung an diverse Fachzeitschriften, doch nannten diese den jüngeren Wallace im Bestfall als Co-Autoren und betonten vor allem die Bedeutung Darwins für die neue Richtung der Biologie.

So ging nur er als Vater der Evolutionstheorie in die Geschichte ein. Wallace selbst, der den Älteren verehrte, protestierte keinesfalls gegen die fortdauernde Missachtung seiner Person, sondern fühlte sich sogar noch geschmeichelt, wenn er in einem Atemzug mit Charles Darwin genannt wurde. Wallace sollte in der Folge als glühender Verfechter der Darwinschen Theorien auftreten.

Die entscheidende Linie der Evolutionstheorie

Ganz in Vergessenheit geraten ist Alfred Russel Wallace jedoch nicht. Immerhin ist die biologisch-geographische Trennlinie zwischen der Pflanzen- und Tierwelt Australiens und Asiens nach dem britischen Naturforscher benannt worden. Auf diese Grenze, die auf die eiszeitliche Zugehörigkeit der jeweiligen Gebiete zurückgeht, stieß Wallace bei seinen Reisen im Indischen Archipel. Überrascht stellte er fest, dass es auf Borneo, Bali und Java andere Tierarten gab als nur wenige Kilometer weiter östlich auf Lombok und Sulawesi - und hier wiederum gänzlich andere als etwas weiter westwärts.

Und letztendlich haben diese Entdeckungen sowie die Benennung der "Wallace-Linie" den Pionier der Abstammungslehre und Evolutionstheorie davor bewahrt, sich voll und ganz in die Reihe der verkannten Genies einreihen zu müssen.

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