Nicht aus der Rolle fallen
Erinnern Sie sich an Julia Roberts in "Pretty Woman"? Da wurde aus der eher gewöhnlich aussehenden (Perücken-) Blondine dank ihres natürlichen und typgerechten rotbraunen Wuschelkopfs eine Traumfrau.
Eine Beratung beim Friseur beugt den Enttäuschungen vor, die beim Experimentieren zu Hause entstehen könnten. Wenn sich ein südländischer Typ rosa oder platinblond färben will, passt das schlecht zum warmen Teint und zur Gesamterscheinung. Also, allen Trends zum Trotz: ehrlich zu sich selbst sein, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen!
Tönungen
Die Tönungen, die sich mit der Zeit spurlos wieder auswaschen, sind eine wahre Revolution der letzten Jahre. Diese Farben kann auch der Laie nach Anleitung der Packungsbeilage problemlos ins Haar zaubern. Tönungen bestehen aus Fertigfarbstoffen, die mehr oder weniger tief ins Haar eindringen. Die wirksamsten sind Tönungsbalsame. Die enthaltenen Pigmente lagern sich ans Haar an und verleihen ihm dadurch Reflexe bzw. bei dunkleren Tönen auch einen entsprechenden Farbschimmer. Weißes Haar wird nuanciert, nicht wirklich überdeckt. Aufhellen kann eine Tönung nicht.
Ein guter Kompromiss zwischen Tönung und "echter" Farbe sind Soft-Colorationen oder Intensivtönungen, die weniger Oxidationsmittel enthalten.
Colorationen
Typisch hier: Packungen enthalten "etwas zum Mischen". Wichtigster Teil dieser so genannten Zwei-Komponenten-Farben ist ein Oxidationsmittel, dass es den Farbpigmenten ermöglicht, in die Haarstruktur einzudringen und neue chemische Verbindungen aufzubauen. Ammoniak wird eingesetzt, um die Schuppenschicht durchlässiger zu machen, ist aber in vielen Soft-Colorationen nicht mehr enthalten - hauptsächlich wegen des unangenehmen Geruchs. Mit einer Coloration lässt sich Grau abdecken oder das Haar etwa zwei bis drei Stufen aufhellen. Das Haar ist dauerhaft gefärbt, so dass sich als größter Nachteil auch ein deutlicher Ansatz beim Nachwachsen zeigt.
Blondieren
So mancher Promikopf beweist es: Mit dem Blondieren kann man es übertreiben. Auch der teuerste Friseur kann dann nicht verhindern, dass das Haar ausdünnt und strohig wird.
Das beruht darauf, dass dem Haar beim Bleichen Farbpigmente entzogen werden und sich die gesamte Struktur verändert - je heller, desto stärker. Da der Oxidationsvorgang hauptsächlich schwarzbraune und weniger rote Pigmente abbaut, ist das individuelle Resultat nur schwer berechenbar. Häufig kommt es zu einem Gelb- oder Orangestich. Dauergewelltes oder vorgetöntes Haar sollte ohnehin nur die Friseuse blondieren. Nur sie kann einschätzen, welche Reaktionen das alkalische Blondiermittel hier auslöst. Damit wirklich der erhoffte Hingucker aus dem Platin- oder Goldköpfchen wird, müssen kaputte Spitzen vorher konsequent abgeschnitten werden. Anschließend ist eine sorgfältige Pflege mit Kuren angesagt.
Strähnchen
Strähnchen sind topmodisch. Sie lockern auf und bringen leuchtende Highlights und Reflexe ins Haar. Im Salon werden sie perfekt, da es einiges Geschick erfordert, sie richtig zu dosieren. Es gibt verschiedene Techniken: Marmorieren, die Haubentechnik, das Auftragen der Farbe auf die Spitzen (Shoe Shine oder Quickshine genannt) oder das "Malen" mit dem Kamm. Kammsträhnen kann man auch selbst setzen, aber Vorsicht, dass es keine "Blockstreifen" werden!
Was passiert beim Dauerwellen?
Bei den klassischen alkalischen Wellpräparaten bricht Thioglykolsäure die Schwefelbrücken im Haar auf, die für seine Stabilität zuständig sind. Das weich und formbar gewordene Haar passt sich dann der jeweiligen Wicklerform an, die die gewünschte Wellung bewirkt. Anschließend wird gründlich gespült und ein Fixiermittel (Wasserstoffperoxid) aufgetragen. Es werden ständig neue Wellpräparate erforscht, die das Haar weniger angreifen sollen, aber wohl nie die Effektivität der alkalischen Welle erreichen. Die verbreiteten "sauren" Wellen halten weniger lang, sind aber schonender zum Haar.
Gefragt sind heute sanfte, elastische Wellen oder die Ansatzwellen, die kürzerem Haar oder herausgewachsenen Dauerwellen mehr Stand und Volumen verleihen. Für kräftiges oder fettendes Haar sind die chemischen Wellen durchaus empfehlenswert. Eine erfahrene Friseuse weiß auch die Gefahr der Überkrausung zu verhindern, die durch zu lange Einwirkzeit oder zu viel Wärme entsteht.
"Hausgemachte" Dauerwellen sind im Prinzip nicht schlechter. Doch jede Welle ist nur so gut wie ihre Wickeltechnik. Zur Dauerwelle gehören also nicht nur ein Stielkamm und jede Menge Geduld, sondern auch ein geschickter Wickel-Partner.
Krebsrisiko Färben?
Gewisse Zurückhaltung ist für die Anwendung von Oxidationsfarben beim Haare färben geraten. Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass ein Dauereinsatz chemischer Farben offenbar das Krebsrisiko erhöht: bei Friseuren und ihren Kunden. Das ständige Hantieren mit Chemikalien führt auch sehr häufig zu Allergien, weshalb Handschuhe für Friseure dringend anzuraten sind. Die Hersteller mühen sich um "harmlose" Inhaltsstoffe, wobei sich Wirksamkeit und Unschädlichkeit prinzipiell ausschließen - um dauerhaft haltbar zu sein, muss die chemische Substanz ins Haar eindringen können. Im schlimmsten Fall können die Farbpartikel über die Kopfhaut in den Organismus eindringen. Öko-Test zählte im Mai 2001 die bedenklichen Stoffe auf, die aufgrund von Grauzonen im Gesetz weiter in Haarfärbemitteln verwendet werden, obwohl sie nachweisliche Krebsrisiken bergen, allen voran Phenylendiamin, 2,5-Toluylendiamin und Resorcin.
Bis hier schlüssige Ergebnisse vorliegen, sollte man sich gut überlegen, ob die Coloration wirklich nötig ist oder es auch eine Tönung tut.
Selbst bei den viel gelobten Pflanzenhaarfarben wird neuerdings Kritik laut. Denn das (nicht nur im Rot) enthaltene Henna soll ebenfalls Krebs auslösen. Was also tun? Da wir täglich mit vermutlich einer ganze Menge krebserzeugender Stoffe konfrontiert werden, muss jeder das Risiko für sich abwägen.



