Farben riechen, Musik sehen ...
Leben & Lifestyle

Farben riechen, Musik sehen ...

Bild: Foto: Abraham Pisarek, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Nicht für alle Menschen sieht die Welt gleich aus. Wenn Susanne Pauli Mozart hört, sieht sie weisse, beige und hellblaue Linien und Kreise, die sich wellenförmig zur Musik bewegen.

Mozart ist ein beige und hellblau

Nicht für alle Menschen sieht die Welt gleich aus. Wenn Susanne Pauli Mozart hört, sieht sie weisse, beige und hellblaue Linien und Kreise, die sich wellenförmig zur Musik bewegen.

Wenn sie bestimmte Männerparfums riecht, sieht sie ein silbernes Gitter. Für die Studentin aus Zürich ist die eine Wahrnehmung ohne die andere nicht möglich - und das schon seit sie sich erinnern kann.

Vor einigen Jahren machte sie eine Freundin auf einen Artikel zum Thema Synästhestie aufmerksam. "Beim Durchlesen wurde mir klar: Genau so erlebe ich es auch", erzählt Susanne Pauli.

Farben hören, Formen schmecken

Das Wort Synästhesie leitet sich aus dem griechischen syn, das bedeutet zusammen, und aisthesis, Empfindung, ab.

Synästhetiker erfahren also mehrere Sinneswanehmungen gleichzeitig: Sie sehen Farben und Formen wenn sie Musik hören oder einen Duft riechen. Zahlen erscheinen vor ihrem “geistigen Auge“ in einer bestimmten Farbe.

Die Vermischung mit visuellen Wahrnehmungen ist zwar am häufigsten - theoretisch sind jedoch alle Kombinationen der fünf Sinne denkbar, also auch Töne riechen, Gerüche spüren oder Gesehenes schmecken.

Das Phänomen der Doppelempfindungen ist schon seit mehreren Jahrhunderten bekannt, aber immer noch ein Rätsel. Fest steht, dass ein Reiz bei einem Synästhetiker zur selben Zeit mehrere Sinne anspricht. Das beweisen Tests, die zeigen, dass gleichzeitig zwei Hirnregionen aktiv sind. Wie diese Gleichzeitigkeit genau zustande kommt, ist noch ungeklärt.

Man schätzt, dass jeder zweitausendste Mensch diese neuropsychologische Besonderheit hat. Synästhesie ist bei Frauen und Linkshändern überdurchschnittlich häufig. Ausserdem lässt eine gewisse Häufung in Familien eine genetische Anlage vermuten.

Bunte Zahlenwelt

Für Susanne Pauli ist die Zahl sieben hellblau, die drei grün, die fünf braun. Das ist nicht für alle Synästhetiker so, denn grundsätzlich verfügt jeder über einen eigenen Zahlen-Farb-Code. Es lassen sich jedoch Tendenzen feststellen: "Die Null ist bei den meisten durchsichtig, höhere Zahlen werden meist dunkler wahrgenommen", so Sandra Stöckenius, die derzeit am Universitätsspital Zürich das Phänomen erforscht. Die individuelle Farbenzuordnung bleibt aber konstant. Das bedeutet, Susanne Pauli nimmt die Fünf immer braun wahr.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite