Zum Inhalt springen
wissen.de - Das große Wissensportal
  • Wissenstests
  • Lernen & Familie
  • Gesundheit
  • Reisen
  • Natur & Umwelt
  • Technik & Mobilität
  • Leben & Lifestyle
  • Digital
wissen.de - Das große Wissensportal
  • Wissenstests
  • Lernen & Familie
  • Gesundheit
  • Reisen
  • Natur & Umwelt
  • Technik & Mobilität
  • Lexika
  • Leben & Lifestyle
  • Digital
wissen.de-Newsletter
Spannende Fakten und Wissenstests direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Shop

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

wissen.deErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

E-Mail: wissenschaft@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppewissenschaft.denatur.de
© 2026 wissen.de
Startseite/Leben & Lifestyle/Artikel
Leben & Lifestyle

Ferdinand Sauerbruch: Zwischen Lungen-OPs, Armprothesen und dem NS-Regime

Ernst Ferdinand Sauerbruch kommt am 3. Juli 1875 im heutigen Wuppertal-Barmen zur Welt. Sein Vater, Leiter einer kleinen Tuchweberei, stirbt schon zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes an Tuberkulose. Der kleine Ferdinand und seine Mutter ziehen daraufhin bei dem Großvater ein. Die Schule schließt Sauerbruch erst…
Veröffentlicht
03. Juli 2025
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Symbolbild Ferdinand Sauerbruch, freigestelltes Prortät von Max Liebermann Der Chirurg (1932)

© Hintergrund: Bundesarchiv, Bild 183-40602-0005 / CC-BY-SA 3.0

Ernst Ferdinand Sauerbruch kommt am 3. Juli 1875 im heutigen Wuppertal-Barmen zur Welt. Sein Vater, Leiter einer kleinen Tuchweberei, stirbt schon zwei Jahre nach der Geburt seines Sohnes an Tuberkulose. Der kleine Ferdinand und seine Mutter ziehen daraufhin bei dem Großvater ein. Die Schule schließt Sauerbruch erst 1895 mit 20 Jahren ab – durch den Tod seines Großvaters musste er eine Klasse wiederholen.

Ein schwieriger Start

Nach seinem Schulabschluss studiert Sauerbruch zunächst Naturwissenschaften an der Universität Marburg. Denn um Medizin studieren zu können. fehlt ihm noch ein Altgriechisch-Examen. Allerdings holt er diese Prüfung schon bald nach und beginnt ab 1896 mit dem Medizinstudium an der Universität Leipzig.

1901 legt Sauerbruch sein medizinisches Staatsexamen ab und promoviert ein Jahr später. Seine Dissertation lässt allerdings noch wenig von seinem späteren Erfolg als Chirurg erahnen: Am Ende seiner Doktorarbeit zu kindlicher Knochenerweichung hält der junge Arzt fest: „Wir fanden bei unserer Arbeit nichts Neues.“ Seit dem Tod des Großvaters ist Sauerbruchs finanzielle Situation angespannt, daher  kann er nicht – wie damals üblich – ein unbezahltes, mehrjähriges Volontariat absolvieren. Stattdessen arbeitet er in mehreren Krankenhäusern als Assistenzarzt.

Unterdruckkammer Ferdinand Sauerbruchs

© Gemeinfrei

Lunge unter Druck

Ende 1903 wird Sauerbruch Assistenzarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik im damals zum Deutschen Kaiserreich gehörenden Breslau. Schon bald arbeitet er dort auch als Oberarzt und erhält vom Klinikchef Johannes von Mikulicz die Aufgabe, eine Möglichkeit zu finden, Patienten bei offenem Brustkorb zu operieren.

Das Problem: In der Lunge herrscht Unterdruck, damit sie sich beim Einatmen ausdehnen kann. Öffnen Chirurgen den Brustkorb, gleicht sich dieser Unterdruck jedoch mit dem äußeren Luftdruck aus – die Lunge fällt in sich zusammen und der Patient kann nicht mehr selbstständig atmen. Operationen am Brustkorb waren deswegen bislang nicht möglich. Um das Problem zu lösen, entwickelt Sauerbruch eine Unterdruckkammer: In ihr befinden sich der Operationstisch, Apparaturen für die Erzeugung des Unterdrucks und genügend Platz für Chirurg und Operationsassistenten. Lediglich der Kopf des Patienten ragt aus ihr heraus.

Zum ersten Mal können Chirurgen damit am offenen Brustkorb operieren, ohne befürchten zu müssen, dass die Lunge des Patienten zusammenfällt. Solche Eingriffe konnten beispielsweise für an Tuberkulose Erkrankte überlebenswichtig sein – jene Krankheit, an der Sauerbruchs Vater verstarb. Später ersetzte eine Beatmung mit Überdruck die von Sauerbruch entwickelte Unterdruckkammer.

Sauerbrucharm mit Hüfnerhand

© Bartenstein / CC BY-SA 4.0

Neue Arme für versehrte Soldaten

Ferdinand Sauerbruch arbeitet nach seiner Habilitation im Jahr 1905 erneut in verschiedenen Krankenhäusern und ist auch als Professor an der Hochschule Zürich tätig. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sich Sauerbruch beurlauben – er meldet sich als Kriegsfreiwilliger und wird Chirurg in der Armee. Bei seiner Arbeit in einem Lazarett muss er vielen Soldaten Arme amputieren. Es bedrückt ihn, damit die Lebensqualität der versehrten Männer einschränken zu müssen.

Der Chirurg entwickelt daraufhin die erste aktive Armprothese – eine Prothese, die von ihrem Träger aktiv bewegt und gesteuert werden kann. Dazu operierte Sauerbruch eine Art Hautkanal zwischen die Muskulatur im verbleibenden Armstumpf. Elfenbeinstifte werden in den Kanal geschoben, um die Mechanik der Prothesen an ihnen einzuhängen. Der Träger kann dann die künstliche Hand mit kontrollierten Muskelbewegungen öffnen und schließen.

Generalarzt Sauerbruch in Brüssel, 1943

© gemeinfrei

Sauerbruch und das NS-Regime

1927 folgt Sauerbruch einem Ruf an die Berliner Charité. Hier bleibt er bis zu seiner Emeritierung. Vor und während des Zweiten Weltkriegs ist Sauerbruchs Haltung gegenüber dem NS-Regime jedoch umstritten und nicht eindeutig. Er tritt zwar der NSDAP nie bei, zeigt sich in der Öffentlichkeit zunächst jedoch als Unterstützer des Regimes. 1933 unterzeichnet der Chirurg das „Bekenntnis der Professoren zu Adolf Hitler“. In einer Rundfunkrede betont er, das „ganze Volk“ stehe „eisenstark“ hinter der Regierung. Auf einem Reichsparteitag der NSDAP erhält Sauerbruch den von Hitler gestifteten Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft.

Ab 1937 ist der Chirurg Fachspartenleiter im Reichsforschungsrat und genehmigt auch Forschungsanträge, die später mit Menschenversuchen in Konzentrationslagern in Verbindung stehen. Es ist umstritten, ob Sauerbruch zum Zeitpunkt der Unterzeichnung den tatsächlichen Umfang der Anträge kannte. Erst 1943 erfährt er bei einem Vortrag auf einer Tagung von den Menschenversuchen zweier SS-Ärzte, die er unter dem Vorwand der Kriegsnotwendigkeit jedoch kritiklos hinnimmt.

Ein heimlicher Gegner?

Tagebuchaufzeichnungen des französischen Arztes Adolphe Jung zeichnen jedoch auch noch ein anderes Bild von Sauerbruch: Der Chirurg unterstützt jüdische Ärzte und Patienten und scheint sogar Teil eines antinazistischen Netzwerks an der Charité zu sein. In seinem Umfeld bewegen sich Spione, Widerstandskämpfer und Mitverschwörer des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944, darunter sein eigener Sohn Peter. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird Sauerbruch verhört, aber nicht belangt. Bis zur Kapitulation 1945 operiert der Chirurg Verletzte.

An seinem Lebensabend erkrankt Sauerbruch an Demenz. Dennoch ist er bis zu seinem Tod als beratender – und behandelnder – Chirurg in einer Privatklinik tätig. Am 2. Juli 1951, nur einen Tag vor seinem 76. Geburtstag, stirbt Ferdinand Sauerbruch in einem Berliner Krankenhaus infolge eines Schlaganfalls.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Footer Menu Main

Footer Menu Legal

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
DIY-Autopilot: Hobbyisten rüsten Privatfahrzeuge mit selbstfahrenden Systemen nach
Leben & Lifestyle

DIY-Autopilot: Hobbyisten rüsten Privatfahrzeuge mit selbstfahrenden Systemen nach

30. September 2026

Eine wachsende Untergrund-Bewegung baut Open-Source-Fahrassistenzsysteme in normale Autos ein. Die Praxis wirft drängende Fragen zu Verkehrssicherheit, Haftung und der Zukunft autonomer Technologie auf.

Reaktionssport Tischtennis: Wie schnelle Bewegungen Körper und Gehirn fordern
Leben & Lifestyle

Reaktionssport Tischtennis: Wie schnelle Bewegungen Körper und Gehirn fordern

1. April 2026

Tischtennis gilt oft als Freizeitspiel, das in Kellern, Schulhöfen oder Parks stattfindet. Gleichzeitig zählt es zu den schnellsten Rückschlagsportarten überhaupt. Der Ball kann Geschwindigkeiten von über 100 km/h…

CO₂-Bilanz beim Hausbau: Wie viel Klimaschutz steckt wirklich im Neubau?
Leben & Lifestyle

CO₂-Bilanz beim Hausbau: Wie viel Klimaschutz steckt wirklich im Neubau?

31. März 2026

Der Hausbau in Deutschland wird seit einigen Jahren von zunehmend strengen energetischen Auflagen begleitet. Seit dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) am 1. November 2020 gelten für Neubauten einheitliche…

Anatomie trifft Biomechanik: Warum frauenspezifische Laufschuhe vor Verletzungen schützen
Leben & Lifestyle

Anatomie trifft Biomechanik: Warum frauenspezifische Laufschuhe vor Verletzungen schützen

25. März 2026

Laufen gehört zu den beliebtesten Ausdauersportarten, um das Herz-Kreislauf-System zu stärken und den Kopf nach einem langen Arbeitstag freizubekommen. Doch bei jedem Schritt wirken Kräfte auf den Körper ein, die das…

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite