Drei Faktoren machen einen guten Rasen aus, sagen die Experten. Da ist zunächst einmal die Scherfestigkeit. Um es salopp auszudrücken: es dürfen nicht die Fetzen fliegen, wenn die Protagonisten der kickenden Zunft mit ihren Stollenschuhen nicht gerade zimperlich mit dem Gewächs umgehen. Auch spielt natürlich der Farbaspekt eine Rolle. Ein sattes Grün erwartet der Zuschauer. Und zwar an jeder Stelle des Spielfeldes. Braune Flächen im Strafraum, wie wir es von den guten alten Bolzplätzen kennen, sind selbstverständlich tabu. Zudem muss unbedingt die gute Wasserdurchlässigkeit gewährleistet sein, damit bei Regen nicht das Spielfeld überflutet ist. Mit Grauen denken die Leute vom Rasenkompetenzteam noch an das Polen-Spiel der WM 1974 in Frankfurt zurück. Der reinste Wassersport – und vom schönen grünen Rasen war nicht mehr viel übrig als brauner Schlamm. Aber so etwas, sagen sie, würde heutzutage nicht mehr passieren.
Die Verantwortung der Greenkeeper
Die Platzwarte nennen sich inzwischen Greenkeeper und in Stuttgart-Hohenheim gibt es eine Rasenfachstelle an der Universität. Auch die deutsche Rasengesellschaft kümmert sich intensiv um die Qualität der Sportwiesen. Und alle waren sich einig: für die WM muss ein neuer Rasen her, für all die Stadien, in denen der Ball in diesen entscheidenden Wochen rollen wird. Auch um sicher zu gehen, dass überall die gleichen Bedingungen herrschen. Es sollte ein Rasen werden, wie es ihn in dieser Präzision noch nicht gegeben hat, „Charakterrasen“ eben. Fest, dicht und kurzgeschnitten. Und da das richtige Mischungsverhältnis zwischen den verschiedenen Grassorten hinzubekommen ist eine große Kunst. Rotschwingel, Wiesenrispen und Weidelgras werden meist für den sporttauglichen Rasen hergenommen. Die Experten des Kompetenzteams haben zusammen mit der Deutschen Rasengesellschaft und dem Bundessortenamt lange vor dem Anpfiff 400 verschiedene Rasenmischungen in die engere Wahl gezogen. Schwierig ist es für die Rasenmacher in den vergangenen Jahren vor allem dadurch geworden, weil die Stadien immer mehr zugebaut werden, die größer werdenden Dächer viel weniger Licht durchlassen als die Bauweisen alter Arenen. So hält sich auch die Feuchtigkeit länger im Stadion und der Rasen beginnt leichter zu faulen.
Die Mischung macht`s
Das Rennen machte schließlich eine Kombination aus 75 Prozent Wiesenrispe (Poa pratensis) und 25 Prozent Weidelgras (Lolium perenne). Diese Mischung soll einen guten Lauf des Balles garantieren, sehr strapazierfähig sein und für eine grüne satte Farbe sorgen. Die Wiesenrispe ist eine Grassorte, die sich horizontal stark ausbreitet und dadurch dem Rasen Stabilität verleiht. Weidelgras hingegen wächst eher in die Höhe und sorgt so für die grüne Optik. Während die Wiesenrispe als sehr belastbar gilt, ist das Weidelgras äußerst regenerationsfreudig, es wächst schnell wieder nach.
Zwei Firmen, eine an der hessischen Bergstraße und eine beim großen Fußballkonkurrenten Holland beheimatet, bekamen den ehrenvollen Auftrag, das WM-Grün zu züchten. Bereits im Frühjahr 2005 war mit der Aussaat begonnen worden. 240.000 Quadratmeter haben sie von diesem wertvollen Pflanzenteppich wachsen lassen, etwa doppelt so viel, wie in den Stadien benötigt wird. Denn sicher ist sicher: Es könnte ja Ersatz gebraucht werden. Nach dem Ende der Bundesligasaison im Mai dieses Jahres wurde der Rasen dann in aufgerollter Form in die WM-Stadien transportiert und dort verlegt. Auf einer ganz speziellen Schichtung: Zu unterst findet sich Sand und Kies, dort liegen in 25 Zentimetern Tiefe die Heizungsleitungen. Darüber befindet sich eine Schicht Sand und darauf die Rasentragschicht aus Oberbodenschicht, dann noch einmal Sand und schließlich der grüne Rollrasen. 150.000 Euro pro Rasen mussten die Betreiber der Stadien für das WM-Grün zahlen.
Mähen nach Handbuch
Wie zukünftig mit dem neuen Geläuf umgegangen werden muss, können die Platzwarte – Verzeihung: Greenkeeper- in einem 24 Seiten starken Handbuch nachlesen. Gemäht werden darf zum Beispiel nur nach zwei Schnittmustern: parallele Längs- oder Querstreifen. Die meisten allerdings entscheiden sich für die Querstreifen, da hiermit den Schiedsrichtern die Arbeit vor allem bei Abseitsentscheidungen- erleichtert wird.
WM-Rasen im eigenen Garten
Wem der eigene Rasen zu Hause nun zu gewöhnlich geworden ist, der kann sich beim Versandhaus Quelle ein Stück WM-Rasen bestellen. Und zwar vom Finalspiel am 9. Juli in Berlin. Das dann historisch wertvolle Gras wird fachmännisch abgetragen und zu je 75 Euro das 30 mal 20 Zentimeter große Stück verkauft.



