Flucht in letzter Minute
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Flucht in letzter Minute

Bild: Foto: Pearson Scott Foresman, Public domain, via Wikimedia Commons

“In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag (Nacht vom 12. zum 13. 8.1961) kam ich nachts vom Dienst. Ich legte mich schlafen. Überraschend wurde ich um ca. 8.30 Uhr von meiner Frau geweckt. Sie hatte das Radiogerät angestellt und durch den Rundfunk die Nachricht über die Absperrungsmaßnahmen vernommen. Eiligst stand ich auf und kleidete mich an. Wir nahmen unseren Hund mit und wollten uns zur Sektorengrenze begeben, um uns über die Tatsachen persönlich zu informieren ... Als wir kurz nach 10 Uhr an der Sektorengrenze ankamen, bemerkten wir eine aufgeregte Menschenansammlung von ca. 200 bis 300 Menschen. An Stacheldrahtrollen, die den Gehsteig und die Fahrbahn zwischen Ost und West absperrten, patrouillierten mit Gewehren und Bajonetten Ostarmisten. Sie patrouillierten unmittelbar am Stacheldraht, und die Menschenmenge stand nur rund einen Meter vom Stacheldraht entfernt. Im Westen standen die Bürger sogar unmittelbar an der Absperrung. Wir orientierten uns über die Verhältnisse und bemerkten eine schmale Passierstelle, die durch einige Soldaten und einen Offizier besetzt war.

Vom Radio aufgeschreckt

“In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag (Nacht vom 12. zum 13. 8.1961) kam ich nachts vom Dienst. Ich legte mich schlafen. Überraschend wurde ich um ca. 8.30 Uhr von meiner Frau geweckt. Sie hatte das Radiogerät angestellt und durch den Rundfunk die Nachricht über die Absperrungsmaßnahmen vernommen. Eiligst stand ich auf und kleidete mich an. Wir nahmen unseren Hund mit und wollten uns zur Sektorengrenze begeben, um uns über die Tatsachen persönlich zu informieren ... Als wir kurz nach 10 Uhr an der Sektorengrenze ankamen, bemerkten wir eine aufgeregte Menschenansammlung von ca. 200 bis 300 Menschen. An Stacheldrahtrollen, die den Gehsteig und die Fahrbahn zwischen Ost und West absperrten, patrouillierten mit Gewehren und Bajonetten Ostarmisten. Sie patrouillierten unmittelbar am Stacheldraht, und die Menschenmenge stand nur rund einen Meter vom Stacheldraht entfernt. Im Westen standen die Bürger sogar unmittelbar an der Absperrung. Wir orientierten uns über die Verhältnisse und bemerkten eine schmale Passierstelle, die durch einige Soldaten und einen Offizier besetzt war.

Alles zurücklassen

Erregt trat ich an den Offizier heran und fragte, ob wir passieren dürfen. Ich hätte meine Eltern in Westberlin und wir wären auf dem Weg zu ihnen, sagte ich. Wir wurden abgewiesen. Man sagte uns, wir sollten uns die Anschläge, die überall sichtbar angebracht wären, durchlesen, dann wären wir informiert. Wir ersparten uns diese Arbeit, denn wir waren informiert! Meine Frau konnte sich über den Stacheldraht mit einem Bürger aus dem Westen in Verbindung setzen, der es bereitwillig übernahm, der Tante meiner Frau telefonisch mitzuteilen, sie möchte bitte zur betreffenden Absperrstelle kommen. Wir bekamen Bescheid, sie würde in einer halben Stunde da sein. Es war unsere Absicht, Zeiten zu verabreden, an denen wir uns zu späteren Zeiten an der Grenze treffen könnten, um kurze Mitteilungen austauschen zu können. Ferner sollte die Tante meine Eltern benachrichtigen ... Es reifte in uns der Entschluss, den schwerwiegenden Schritt zu versuchen, alles im Osten zurückzulassen und zu versuchen, die andere Seite zu erreichen ... Sie sah sich außerstande, den Stacheldraht zu überspringen, da ihr Kostümrock zu eng war. Nach schweren Erwägungen war ich entschlossen.

Mit einem Satz über den Draht

Wir trennten uns, damit nicht zu erkennen war, dass wir zusammengehören. Ich nahm den Hund. Von nun an galt meine Aufmerksamkeit nur dem Stacheldraht und den Posten der Ostarmee. Es war auf rund drei Meter ein Posten aufgestellt, der die Menge beobachtete oder zurückwies. Plötzlich ging eine Unruhe durch die Menschenmenge. Es war ca. 10.30 Uhr. Der Bürgermeister vom Bezirk Kreuzberg, Willi Kreßmann, erschien im Westen und begab sich unmittelbar an die Absperrung. Klatschen, Beifallsrufe auf beiden Seiten. Die Menge strömte zusammen, um einer evtl. Ansprache des Bürgermeisters besser lauschen zu können ... Dies war mein Moment, das war mir klar! Ich bückte mich, um den Hund von der Leine zu lösen und im nächsten Augenblick setzte ich mit einem Satz über den Draht (die Stacheldrahtrollen). Am linken Mantelärmel spürte ich einen Griff. Er war zu knapp und konnte mich im Sprung nicht hindern. Westberliner liefen zu mir und riefen begeisterte Ausrufe. Ich wendete mich um und bemerkte, wie zwei Armisten versuchten, den Hund einzufangen, der sich nicht über den Stacheldraht traute ... Da gelang es dem Hund, eine Lücke zu finden, und er kroch durch... Nun versuchte ich, meine Frau aus einiger Entfernung in der Menge auf der anderen Seite ausfindig zu machen. Ich konnte sie entdecken. ... Westler erklärten sich bereit, den Draht etwas niederzutreten. In einem Moment, in dem ich meine Frau nicht ganz im Auge behalten hatte, gelang ihr der Sprung...«

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