Wer regelmäßig die Wirtschaftspresse studiert, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Trotz Börsenbaisse scheint es in der Fonds-Szene nur Gewinner zu geben. Fast wöchentlich werden in den einschlägigen Branchenblättern neue Fonds-Rankings veröffentlicht, und in beständiger Regelmäßigkeit scheinen die Sieger zu wechseln - je nach Art der gewählten Bewertungsmethode. Dass das natürlich Augenwischerei ist, merkt der Privatanleger spätestens in der Jahresabrechnung. Dennoch gibt es zahlreiche verlässliche Vergleichskriterien, anhand derer sich Anleger über die tatsächliche Qualität der Fonds orientieren können.
Deutschlands Anlegern muss es trotz Bärenmarkt nicht wirklich schlecht gehen - zumindest ist das der Eindruck, den man bekommt, wenn man der Finanz-Werbung Glauben schenken darf. Hier ein Fonds “wie ein Navigationssystem für Ihr Depot“, dort “frischer Wind fürs Portfolio“ - das ist PR, natürlich. Dennoch, das Bedürfnis nach Orientierung bleibt: In einem Überangebot den richtigen Fonds zu finden, kommt mitunter der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich.
Die Macht der Benchmarks
Anleger, die den Überblick behalten wollen, orientieren sich an allgemein anerkannten Indizes - den so genannten Benchmarks. Ein deutscher Aktienfonds, der auf Standardwerte setzt, muss sich etwa mit dem DAX messen lassen. Investiert ein Fonds dagegen global in internationale Bluechips, wird gerne als Vergleichsmaßstab der MSCI World-Index herangezogen - das ist eine Indexfamilie mit 3.000 verschiedenen Indizes für regionale Aktien und Anleihen, die von der Investmentbank Morgan Stanley Capital International (MSCI) ins Leben gerufen wurde. Ironischerweise vermag der Großteil der Fonds die jeweiligen Benchmarks nicht zu schlagen.
Eine noch genauere Methodik zur Qualitätsüberprüfung bietet der direkte Vergleich mit der Fonds-Konkurrenz. Je länger der erfasste Zeitraum, desto aussagekräftiger kann die Performance gemessen werden. Gerade wenn es sich bei der Fondsanlage um ein Langfristinvestment handelt, ist die historische Entwicklung ein wichtiger Qualitätsindikator. Fast alle Großbanken bieten Statistik-Tools zur Messung der Fonds-Entwicklung.
Ein weiteres Kriterium, auf das Anleger bei der Bewertung von Fonds achten sollten, sind Auszeichnung durch Rating-Agenturen wie Standard’s & Poor’s, FERI Trust oder Morning Star. Eine Auszeichnung von Standard’s & Poor’s kommt einem Ritterschlag für den Fondsmanger gleich. Vorsicht walten lassen sollten Anleger indes bei Fondsrankings, die keinen direkt verifizierbaren Kriterien zugrunde liegen. Häufig genug werden Rankings nämlich auch zu PR-Zwecken geschönt.
Der Kostenfaktor
Bei aller Begeisterung für die Fonds-Performance sollte nicht vergessen werden: Bevor die ersten Gewinne eingefahren werden können, muss erst einmal bezahlt werden - ein Faktor, den die meisten Anleger unterschätzen.
Zum ersten Mal konfrontiert mit dieser unangenehmen Realität werden Anleger beim Studium der Fondspreise: Der Unterschied zwischen Ausgabepreis und Rücknahmepreis weist auf die beim Kauf entstehende Kostenlücke hin. So muss der Anleger mit Erwerb der Fondsanteile einen sogenannten Ausgabeaufschlag zahlen - er wird einmalig fällig und deckt die Vertriebsausgaben der Fondsgesellschaft. Der Ausgabeaufschlag ist der größte Kostenfaktor bei der Fondsanlage und beläuft sich im Regelfall auf durchschnittlich fünf Prozent. In Sonderfällen werden aber auch gewisse Rabatte gewährt, etwa bei der Online-Order.
Weitere Kosten von einem halben bis etwa eineinhalb Prozent der Fondsanlage entstehen u.a. durch Management- bzw. Verwaltungsgebühren. Die Kosten fallen jedes Jahr neu an und mindern die Ertragsrechnung. Darüber hinaus sollte der Anleger noch die jährlichen Depotgebühren mitberücksichtigen.
Insgesamt können sich so im Startjahr Anlaufkosten in Höhe von bis zu sieben Prozent des Fondsvermögens summieren, die durch eine gute Performance erst einmal erwirtschaftet werden wollen.



