Wer mit den Donald Duck und den Bewohner Entenhausens aufgewachsen ist, der kennt dies: Wenn es heiß hergeht im Comic-Universum, dann signalisieren die typisch verkürzten und lautmalerischen Ausdrücke, was gerade passiert. Ob "klatsch!" bei einer Ohrfeige oder "seufz", wenn der ewiger Verlierer Donald mal wieder den Kürzeren gezogen hat.
Der Erikativ: Von "platsch" bis "sichwegduck"
Springt sein reicher Onkel Dagobert dagegen in seinen Vorrat an Talern, dann liest man passend dazu "klimper" oder "platsch". Heute kommen uns solche Verbformen ganz normal vor. Denn vor allem im Internet sind sie längst Standard. Gerade beim Chatten oder in SMS nutzen wir solche umschreibenden Wörter sogar sehr häufig, ohne näher darüber nachzudenken. Beispiele sind "nerv", "abhäng", "sichwegduck", "in die Tischkante beiß".
Was aber viele nicht wissen: Diese Wörter sind im Deutschen eine grammatikalische Besonderheit, die erst Erika Fuchs, die Übersetzerin der Disney-Comics, in den 1960er Jahren schuf. Sie nahm dafür einfach die Grundform eines passenden Verbs – beispielsweise "Gähnen" – und ließ kurzerhand die Endung weg. Fertig war das comictypische "Gähn". Ihr zu Ehren wird diese spezielle Verbform sogar manchmal als "Erikativ" bezeichnet.
Zitate: "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör!"
Aber es gibt noch mehr, das längst in den Sprachgebrauch übergegangen ist, aber ursprünglich von Erika Fuchs stammt. Wer kennt beispielsweise nicht den Ausspruch "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör!"? Typisch für die Übersetzerin war zudem, dass sie ihren Figuren immer wieder literarisch Zitate in den Mund legte – mal original, mal mehr oder weniger verballhornt.
Ein Beispiel ist der Schwur der drei Brüder Tick, Trick und Track: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!", in dem der Schweizer Rütlischwur auf die Schippe genommen wird. Oder dieser Ausspruch Dagobert Ducks: "Leichtfertig ist die Jugend mit dem Wort und bar jeden Sinnes für geschäftliche Dinge", dass Erika Fuchs nach einem Zitat aus Friedrich Schillers Wallenstein abwandelte. Auch Zitate von Shakespeare, Goethe und Wilhelm Busch verstecken sich in den Heften.
Das Museum: Ein begehbares Entenhausen
Alles rund um die Sprache von Comics und die Sprachkunst der Erika Fuchs können Besucher nun auf spielerische Weise selbst erkunden. Denn am 1. August 2015 hat in der Heimatstadt der Übersetzerin, Schwarzenbach, nun das Erika Fuchs Haus eröffnet – ein Museum für Comic und Sprachkunst. Neben einem Riesencomic zu Leben und Werk von Erika Fusch gibt das Museum eine Einführung in die Geschichte des Comics.
Eine besondere Attraktion ist ein begehbares Entenhausen: Schauen Sie Daniel Düsentrieb in seiner Erfinderwerkstatt über die Schulter, machen Sie Urlaub auf Oma Ducks Bauernhof oder nehmen Sie ein Talerbad im Geldspeicher. Ein interaktiver Stadtplan weist auf interessante Gebäude hin und zeigt Parallelen zwischen Entenhausen und der realen Umgebung von Schwarzenbach. In Interviewfilmen geben Donaldisten Einblicke in die wissenschaftliche Erforschung von Entenhausen.
Im größten Raum des Museums steht die Sprache im Mittelpunkt. Hier kann jeder selbst an interaktiven Stationen ausprobieren, wie sich Geräusche oder Handlungen am besten beschreiben lassen. Füllen Sie selbst Sprechblasen und spüren Sie die versteckten Zitate auf! Führungen für Schulklassen und Sonderausstellungen runden das Programm ab. Für Donaldisten und Entenhausen-Fans könnte sich dieses Museum zu einem "must-see" entwickeln.
Mehr Informationen zum Museum finden Sie auf der Website des Erika Fuchs Hauses.



