Der Friedenspreis ist in der Obhut einer Stiftung. Die Preisträger ermittelt ein Stiftungsrat, der seine Entscheidung unabhängig und in vertraulichen Beratungen trifft. Im Statut des Friedenspreises heißt es: »Die Stiftung dient dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker. Dies geschieht durch die Verleihung des Friedenspreises an eine Persönlichkeit, die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Der Preisträger wird ohne Unterschied der Nation, der Rasse und des Bekenntnisses gewählt. Der Preis wird in der Regel jährlich verliehen, er kann auch posthum vergeben werden.«
Bewegende Geschichte
Im Frühjahr 1950 wurde der im norwegischen Exil lebende Lektor und Autor Max Tau als erster mit dem Friedenspreis geehrt – in einem Privathaus in Alsterdorf bei Hamburg. Auf Vermittlung des späteren Börsenvereins-Vorstehers, Friedrich Wittig, wurde aus der privaten Stiftung eine Sache des ganzen Buchhandels. Der Börsenverein nahm den Preis in seine Obhut. Am 16. September 1951 erhielt Albert Schweitzer den Preis – erstmals in der Frankfurter Paulskirche. Der Friedenspreis war für das isolierte, durch seine eigene Geschichte gedemütigte Deutschland ein Zeichen der Hoffnung und Unterstützung für ein in kritischer Reflexion wieder entstehendes Selbstbewusstsein. Der Friedenspreis lebt von der Botschaft der Preisträger-Persönlichkeiten. Ihre Namen stehen für die wichtigsten Strömungen der Kultur- und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Große Debatten
Nicht zum ersten Mal hat mit der Rede von Martin Walser im Jahr 1998 die Verleihung des Friedenspreises zu einer großen Debatte in der deutschen Gesellschaft geführt. Auch weil der Friedenspreis immer wieder auch zu solchen grundsätzlichen Kontroversen Anlass gab, wurde er wohl zum bedeutendsten Preis in Deutschland. Erinnert sei beispielsweise an die Auseinandersetzungen um Karl Jaspers (1958), Ernst Bloch (1967), Léopold Sédar Senghor (1968), THE CLUB OF ROME (1973), Ernesto Cardenal (1980) und Annemarie Schimmel (1995) – oder auch an die leidenschaftliche Diskussion um die Laudatio von Günter Grass auf Yasar Kemal (1997).



