Klassiker der afrikanischen Literatur
Achebe, 1930 im Osten Nigerias als Sohn eines Katechisten und Lehrers der Church Missionary Society geboren, gehört dem Volk der christlichen Ibo an, der drittstärksten Bevölkerungsgruppe des Landes. Es herrschen inzwischen in Nigeria nach blutigen Bürgerkriegen die muslimischen Haussa. Chinua Achebe studierte Anglistik, Geschichte und Theologie, arbeitete beim Rundfunk, bis er 1958, als Nigeria noch unabhängig war, den “Klassiker der afrikanischen Gegenwartsliteratur” schrieb: Sein Roman Things Fall Apart, der in Deutschland bei Suhrkamp unter dem Titel Okonkwo oder Das Alte stürzt erschien, ist eine einzige Anklage gegen den Kolonialismus.
Sonderbotschafter der Republik Biafra
In mehr als 50 Sprachen übersetzt, in über 10 Millionen Exemplaren weltweit verkauft, machte das Buch über eine Dorfgemeinschaft nach der Ankunft britischer Kolonialbeamter und christlicher Missionare den Autor unabhängig. Achebe wurde im Biafra-Krieg Sonderbotschafter der Republik Biafra in Europa und den USA, blieb aber nach der Niederlage in Nigeria durch seine Berühmtheit in ganz Afrika vor den Militärdiktaturen geschützt. Er schrieb weitere Romane (Heimkehr in ein fremdes Land, Der Pfeil Gottes und Termitenhügel in der Savanne) und auch Kinderbücher und gab daneben eine Literaturzeitschrift heraus. Seit 1990 ist Achebe nach einem Verkehrsunfall an den Rollstuhl gefesselt. Er lebt heute in den USA.
Wie wird man Preisträger?
Der Friedenspreis wird in jedem Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Zusammenschluss der deutschen Verlage und Buchhandlungen, ausgelobt und von einer Stiftung verliehen. In deren Satzung heißt es: “Die Stiftung dient dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker.”
Preiskandidaten kann jedermann vorschlagen. Ein Stiftungsrat ermittelt die Preisträger. Bedeutende Persönlichkeiten der internationalen Geisteswelt wurden bisher ausgezeichnet, darunter Theodor Heuss, Hermann Hesse, Ernst Bloch, Max Frisch, Yehudi Menuhin, Siegfried Lenz, Vaclav Havel, Marion Gräfin Dönhoff, Astrid Lindgren und Annemarie Schimmel.
Geschichte des Friedenspreises
Alles begann recht unspektakulär in einem Hamburger Privathaus. Hier traf sich 1950 eine erlesene Runde von Literaturkennern und begründete den Friedenspreis. Erster Preisträger wurde der im norwegischen Exil lebende deutsche Autor und Lektor Max Tau. Der Anfang war gemacht. Fortan nahm der Börsenverein die Auszeichnung unter seine Fittiche. Damit verlagerte sich das Geschehen von Hamburg nach Frankfurt am Main. Im Folgejahr wurde Albert Schweitzer die Ehrung zuteil. Seither gilt der Friedenspreis als Zeichen der Hoffnung und Unterstützung für das wieder entstehende kulturelle Selbstbewusstsein Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebendigkeit bewahrt sich die Auszeichnung bis heute vor allem durch die oft strittigen Botschaften der Preisträger. Leidenschaftliche Diskussionen provozierten zuletzt Günter Grass mit seiner Laudatio auf Yasar Kemal (1997) und Martin Walser mit seiner umstrittenen Preisrede (1999).



