Fußballgeschichte: Schon die alten Ritter kickten den Ball
Leben & Lifestyle

Fußballgeschichte: Schon die alten Ritter kickten den Ball

Bild: Foto: Morn, CC0, via Wikimedia Commons

Wer glaubt, heute ginge es auf dem Spielfeld grob zu, der würde sich über den mittelalterlichen Fußball wundern: Das Spiel stand den damals allseits beliebten Steinschlachten und Faustkämpfen in nichts nach. Es kam ohne Spielfeld aus, Stadttore dienten als Tor. Fußball wird seit Jahrhunderten gespielt, das beweisen alte Quellen. In England und Italien war dieser Sport spätestens seit dem zwölften Jahrhundert weit verbreitet. In der Renaissance erhoben ihn die Medici-Fürsten zum Nationalspiel. Der Kulturhistoriker Wolfgang Behringer von der Universität des Saarlandes hat die Geschichte des Fußballs vom ersten Auftauchen in den Quellen bis heute erforscht.

Wer glaubt, heute ginge es auf dem Spielfeld grob zu, der würde sich über den mittelalterlichen Fußball wundern: Das Spiel stand den damals allseits beliebten Steinschlachten und Faustkämpfen in nichts nach. Es kam ohne Spielfeld aus, Stadttore dienten als Tor. Fußball wird seit Jahrhunderten gespielt, das beweisen alte Quellen. In England und Italien war dieser Sport spätestens seit dem zwölften Jahrhundert weit verbreitet. In der Renaissance erhoben ihn die Medici-Fürsten zum Nationalspiel. Der Kulturhistoriker Wolfgang Behringer von der Universität des Saarlandes hat die Geschichte des Fußballs vom ersten Auftauchen in den Quellen bis heute erforscht.

Rätselhafte Fenstergitter

Warum sind an manch altem Gemäuer in englischen oder italienischen Altstädten die Fenster auch der oberen Stockwerke vergittert? Warum betrieb man in schwindelnder Höhe solch teuren Aufwand? Der Kulturhistoriker Wolfgang Behringer von der Universität des Saarlandes hat darauf eine einfache Antwort: "Fußball!" Die Bewohner der Häuser wollten damals ihre teuren Fenstergläser vor den harten Bällen schützen.

Denn Fußball ist weit älter, als man vielleicht vermuten würde. Zwar ist er keine antike olympische Disziplin. Aber in Chroniken, Briefwechseln, Tagebüchern, Memoiren finden sich Nachweise, die bis ins Mittelalter reichen. "Ballspiele waren damals generell sehr beliebt. Etwa das dem Volleyball ähnliche Pallone, das in Deutschland und Italien die populärste Sportart war", erklärt Behringer. "Der vielleicht älteste handfeste Nachweis für Fußball stammt aus dem Jahr 1137: Es handelt sich um einen Bericht vom Tod eines Jungen, der beim Fußballspiel in England starb."

Mit vollem Körpereinsatz

Ab dem Spätmittelalter waren England, Italien und Frankreich die Fußball-Hochburgen – gar nicht so anders als heute. Wer damals mitspielen wollte, musste allerdings einiges an Ausdauer mitbringen. Denn ein Spiel dauerte oft den ganzen Tag, von morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Gespielt wurde in den Straßen des Orts oder vor der Stadtmauer, die Stadttore dienten dann als Tor. Das Spielfeld war dabei manchmal kilometerlang.

Und große Fußballturniere gab es auch bereits – sie fanden oft an Feiertagen statt, Faschingsdienstag und Aschermittwoch waren beispielsweise beleibte Termine. Die Zahl der Spieler war bei diesen Massenturnieren nicht begrenzt und man ging auch nicht zimperlich miteinander um.

„Mord und Totschlag waren verboten, sonst war der Körpereinsatz nicht groß beschränkt", erklärt der Historiker. "Massenraufereien, Unfälle, sogar Tote waren nicht selten – auch Blutrache nach solchen Vorfällen ist bekannt." Kein Wunder, dass der Fußball häufiger sogar komplett verboten wurde, zwischen 1314 und 1667 war das insgesamt 30 Mal der Fall.

Italien: Nationalsport schon im 15. Jahrhundert

Im Italien der Renaissance traten ganze Dörfer und Stadtviertel im Fußball gegeneinander an. "Die Medici erhoben das Spiel in Zeiten der Renaissance zu ihrem Markenzeichen, machten ihn in Florenz zum Nationalsport", erklärt Behringer. Gleichzeitig zivilisierten sie das Calcio genannte wilde Spiel ein wenig. Zwar immer noch recht grob, aber bereits mit genauen Regeln, versuchten die 27 Spieler einer Mannschaft das gegnerische Zelt-Tor zu treffen. Der Ball, so eine Quelle aus dem Jahr 1625, war bereits aus weißem Leder und mit Luft gefüllt.

"Ein Anlass, ein großes Turnier zu veranstalten, wurde bei jeder Gelegenheit wahrgenommen, etwa bei Staatsbesuchen, Hochzeiten oder an Festtagen", sagt Behringer. Im Winter wurde das Spiel kurzerhand aufs Eis verlegt – so geschehen 1491, als in Florenz der Arno zufror. "Ebene, nicht zugebaute Flächen ohne Wälder waren selten, da wurde die freie Eisfläche sofort zum Fußballplatz erklärt", erläutert er.

Deutschland: Eher Volleyball als Fußball

Und in Deutschland? "Deutschlands Fußballtradition ist eher jung", erklärt Behringer. Hier waren im Mittelalter und in der Renaissance zunächst andere Ballspielarten beliebter, wie das dem Volleyball ähnliche Pallone. Aber auch dabei kam bisweilen der Fuß zum Einsatz, etwa wenn die Spieler verhindern mussten, dass der Ball auf den Boden fiel.

Sieht man Pallone als Fußball-Vorläufer, dann könnte Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg im 16. Jahrhundert als einer der ersten verifizierten Fußballer in Deutschland gelten. Denn der Herzog war sehr sportlich: "In seinen Tagebüchern findet sich fast täglich der Eintrag 'Nachmittags Pallone'", sagt Behringer.

Regeln, Vereine und die Olympiade

Der Fußball in seiner heutigen Erscheinungsform entstand 1863, als Fußball in England offiziell zum Schulsport erklärt wurde. "Im Zuge dessen legte man die Spielerzahl auf elf fest und formulierte Spielregeln. So wurden etwa grobe Fouls und die Zuhilfenahme der Hände untersagt", erläutert der Historiker. Der traditionelle, kampforientierte Football wurde dagegen in Rugby umbenannt.

Die Gründung der meisten deutschen Fußballvereine erfolgte in den 1890er Jahren, wenig später wurde der Fußball auch olympisch. "1908 kam es in London erstmals zu einem richtigen Turnier zwischen Nationalmannschaften – das englische Team gewann im Viertelfinale gegen Schweden 12:1 und das sogar ohne Trainer. Im Finale siegte Großbritannien gegen Dänemark", sagt Behringer.

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite