Geologie
Leben & Lifestyle

Geologie

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Disziplinen der Geowissenschaften unter der Lupe

Geologie - an was denkt man bei diesem Begriff? Klar, an Erde, Steine, Steine kloppen, Mineralien, Vulkane oder Erdbeben! Hört sich alles spannend an und ist es auch. Und die Wissenschaftler, die sich mit der Geologie befassen, sind die Geologen. Das Wort wurde übrigens aus den griechischen Wörtern „ge“ für Erde und „logos“ für Wissenschaft zusammengesetzt. Geologie ist also genau übersetzt die Wissenschaft von der Erde.

Ein Geologe oder eine Geologin interessiert sich für die Gesteine, ihr Alter, ihre Lagerung, ihre chemische Zusammensetzung und für ihre Abfolge und Verbreitung in der Landschaft. Zudem schauen sich Geologen und Geologinnen die Gesteine ganz genau an um zu überprüfen, ob sie beispielsweise durch Bewegungen der Erdkruste verändert wurden. Man denke z. B. an Falten im Gestein. Sie sagen dem Geologen, dass einst ein hoher Druck auf die Gesteine gewirkt haben muss, um sie wie ein Tischtuch zusammen zuschieben und zu falten. Und sie sagen ihm, dass die Erdkruste in Bewegung ist. Durch den Vergleich der Gesteine auf den verschiedenen Kontinenten können die Geologen feststellen, welche Gesteine zusammengehören und von wo nach wo sie sich bewegt haben. Somit versucht die Geologie, ein Bild von der Geschichte der Erde zu entwerfen.

Die Geschichte unserer Erde ist aber auch zugleich die Geschichte des Lebens, denn viele Gesteine bestehen aus ehemaligen Lebewesen. Vor Millionen von Jahren bauten Korallen einst riesige Korallenriffe auf, die heute als steile Felswände in den Alpen aufragen und große Wälder wurden im Laufe von Millionen Jahren zu Kohle. Viele Gesteine enthalten Fossilien. Aus den Eigenschaften der Gesteine in denen sie vorkommen können Geologen vieles über die Lebensbedingungen der versteinerten Tiere und Pflanzen erfahren.

Geologen sind richtige Detektive. Sie müssen oft mit kriminalistischem Scharfsinn an die Arbeit gehen, denn die einzigen Zeugen für die wechselvolle Geschichte der Erde sind die Gesteine. Moderne Geologen untersuchen natürlich nicht nur die Steine an der Erdoberfläche, sondern auch die unzugänglichen Teile der Erde. Erdbebenwellen, die den ganzen Globus „wackeln“ lassen, helfen ihnen beispielsweise dabei, den Aufbau des Erdinnern zu ergründen.

Eine kleine Geschichte der Geologie

Geologen sind nicht nur wahre Detektive, sondern oft auch Abenteurer. Ein ganz berühmter dieser Sorte ist schon 203 Jahre tot: der Schweizer Horace Bénédict de Saussure. Er war nicht nur Geologe und Naturforscher, sondern auch einer der ersten Bezwinger des 4807 Meter hohen Montblanc. Abgesehen davon hat er im Jahr 1779 als erster den Begriff „Geologie“ als feststehende Bezeichnung in die Wissenschaft eingeführt.

Doch Geologen gab es schon viel früher. Vor zwei Millionen Jahren gab es Geologen, die nicht wussten, dass sie Geologen waren. Die Menschen benutzten damals Steine, um daraus Waffen und Werkzeuge zu machen. Aber nur ganz bestimmte Steine taugten dazu. Also mussten die Menschen wissen, wo sie diese ganz bestimmten Steine in der Landschaft finden können. Später, so ab 4000 vor Christus machte man Alltagsgegenstände aus dem Metall Kupfer (Kupferzeit) und ab 2000 vor Christus aus Bronze, einem Metall aus Kupfer und Zinn (Bronzezeit). Auch zum Bauen eigneten sich nur ganz bestimmte Steine. Über all die Jahrtausende fragten sich die Menschen: Wo findet man die besten Bausteine, Mühlsteine und Metalle? Warum nur dort? Gibt es in der Landschaft Orte, die ähnlich aussehen wie die bereits bekannten Fundorte von Rohstoffen? Gibt es dort daher die gleichen Steine und Erze? Das sind natürlich Fragen, deren Beantwortung früher mehr oder weniger lebenswichtig war. Und: es sind geologische Fragen! Die Menschen erkundeten die Erde unter geologischen Gesichtspunkten ohne zu wissen, dass sie damit Geologen waren. Viel später wird man dies „Bergbau“, der Ursprung der modernen Geologie, nennen. Aus heutiger Sicht kann man also sagen, Geologie gibt es aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Aber auch rein wissenschaftliche Fragen wie „woher kommen eigentlich die Gesteine?“ wurden schon von den alten Griechen und Römern gestellt. Mit dem aufkommenden Christentum wurden scheinbar alle geologischen Fragen beantwortet. Das Alte Testament schilderte die Entstehung der Erde und des Lebens. Doch im 17. und 18. Jahrhundert begannen immer mehr Gelehrte aus den Erfahrungen des Bergbaus ihre Schlüsse auf das Innere der Erde und ihre Entstehung zu ziehen. Zahlreiche Theorien entstanden, die jedoch noch weit entfernt von den heutigen Erkenntnissen waren. Ein wesentlicher Vorreiter der modernen Geologie war der berühmte Alexander von Humboldt. Auch er kam ursprünglich vom Bergbau. Vor allem seine Reisen durch Amerika (1799-1804), auf der er viele geologische Aufzeichnungen machte, regten die Geologie mächtig an. Im 19. Jahrhundert wuchsen geologische Gesellschaften, Behörden und Hochschulinstitute wie Pilze aus dem Boden.

Die Bedeutung der Geologie

Was ist für alle Menschen eigentlich wichtig? Energie, Umwelt, sauberes Wasser, Baustoffe, sichere Verkehrswege und Siedlungen! Um all diese Dinge kümmern sich Geologen. Ohne Geologen könnte man kaum sichere Tunnel oder Hochhäuser bauen. Sie untersuchen den Untergrund für den Hausbau, den Fels für den Tunnel und untersuchen im Gebirge, wie groß beispielsweise die Gefahr eines Fels- oder Bergsturzes ist. Geologen beobachten und überwachen gefährliche Vulkane, um die Menschen rechtzeitig vor einem Ausbruch warnen zu können. Sie versuchen aus dem gleichen Grund Erdbeben vorherzusagen. Manche Geologen suchen nach sauberem Trinkwasser, andere nach fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle. Auch die Umwelt käme ohne Geologie zu kurz, denn Altlasten und ihre Erkundung gehören heute auch zum Aufgabengebiet des Faches. In vielen Regionen der Erde suchen sie zudem nach alternativen Energiequellen. Stichwort: Erdwärme.

Wie wird man Geologe?

Die wichtigsten Voraussetzungen: Interesse an der Natur und Abitur oder Matura. Danach geht es ans Studium. Geologie bieten viele Universitäten als Studienfach an. Aber Geologie bedeutet nicht nur in der Landschaft herumlaufen und forschen. Man benötigt auch handfeste Kenntnisse in Physik und Chemie. Gegen Ende des Studiums spezialisiert man sich auf einen bestimmten Zweig der Geologie. Und die hat viele Zweige. Wer sich beispielsweise nur mit Gesteinen befasst, ist ein Petrograph (von griechisch petra = Fels). Manche Geologen befassen sich mit dem Grundwasser. Man nennt sie Hydrogeologen (von griechisch hydor = Wasser). Andere Geologen wiederum untersuchen die Vulkane und man nennt sie deshalb Vulkanologen (von Vulkanus, dem römischen Feuergott). Am Ende des Studiums steht die Diplomarbeit. Hier muss der angehende Geologe zeigen, dass er wissenschaftlich arbeiten kann. Hat er das getan, so ist er ein frischgebackener Diplom-Geologe.

Dr. Alexander Stahr/Lesestein.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite