Der Name Geomorphologie (von griechisch ge = Erde, morphe = Form und logos = Wissenschaft) bezeichnet die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Formen der festen Erdoberfläche. Die Geomorphologie untersucht Fragen zur Entwicklung der Landschaft und zur Dynamik der reliefwirksamen Prozesse. Landschaftsformen sind nicht einfach da. Wasser und Eis, Schwerkraft und Wind haben sie geschaffen und verändern sie ständig. Die Veränderung erfolgt kontinuierlich in langsamen, nur über Generationen wahrnehmbaren Prozessen oder sprunghaft als spektakuläres, bedrohliches Ereignis, als Naturkatastrophe.
Formen und Prozesse in der Landschaft sind wesentliche Elemente unseres Lebensraumes. Wir bewundern sie als Teil der Landschaft, wir nutzen sie als Ressource, wir gestalten sie täglich um. Ein nachhaltiger Umgang mit unseren Lebensgrundlagen erfordert daher das Wissen um die Entstehung von Formen auf der Erdoberfläche und die Kenntnis der Prozesse, welche diese Formen gestalteten. Die Geomorphologie ist somit nicht nur eine Geowissenschaft, sondern auch eine Umweltwissenschaft. Geomorphologen brauchen für ihre Arbeit fundierte Kenntnisse in den Disziplinen Geologie, Bodenkunde, Chemie, Mineralogie, Klimatologie und Hydrologie.
Die Bedeutung der Geomorphologie
Die Erosion formte diesen Steinbogen in Utah/USA; aisa, Barcelona Vor allem die Angewandte Geomorphologie hat in vielen Bereichen wichtige Aufgaben. Diese reichen von der Erosionsforschung über die Erkundung von Lagerstätten bis hin zum Thema Altlasten. Im Grunde genommen sind Geomorphologen überall dort gefragt, wo die Lösung eines Problems über die Landschaftsgeschichte, die Landschaftsformen und die Prozesse, die zu ihnen führten gefunden werden kann. In jüngster Zeit erlangte die Geomorphologie auch im Zuge der heißen Klimadiskussion immer mehr an Bedeutung. Denn die Erforschung von Landschaftsformen liefert in der Regel auch Erkenntnisse über die klimatischen Ursachen ihrer Entstehung. Altersdatierungen und Formengenese liefern zudem Einsichten in die Variabilität des Klimas über Jahrtausende oder gar Jahrmillionen.
Wie wird man Geomorphologe?
Einen Diplom-Studiengang für diese Disziplin gibt es nicht. Für gewöhnlich sind Geomorphologen Diplom-Geografen oder Diplom-Geologen. Als Berufsfelder für Geomorphologen ist an alle privaten, halbstaatlichen, staatlichen und internationalen Organisationen zu denken, die sich mit Umwelt- und Naturschutz, Regionalplanung sowie Landesentwicklung befassen bzw. damit in Zusammenhang stehende Probleme der Nutzung, Veränderung oder Erhaltung von Landschaften lösen müssen.
Dies können Behörden, Untersuchungsanstalten, Forschungsinstitute, Industriebetriebe, Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit oder auch Planungs- und Beratungsbüros sein, die zunehmend auch Umweltgutachten (zur Raumbewertung, Flächennutzung, Ressourcenplanung) zu erstellen haben.
Häufig werden von Arbeitgebern die im Studium erworbenen praxisnahen und instrumentellen Fähigkeiten höher bewertet als konkrete geomorphologische Inhalte. Dies gilt natürlich mehr oder weniger auch für alle anderen geowissenschaftlichen Berufe. Nicht selten geben zum Beispiel die Fähigkeit zum Ziehen von Bodenproben, die Sicherheit in der Anwendung gängiger Labormethoden, Erfahrungen in der Luftbildauswertung sowie breite Kenntnisse in der Statistik und von Geoinformationssystemen bei der Einstellung den Ausschlag.
Dr. Alexander Stahr/Lesestein.de



