Gerhard Schröder
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Gerhard Schröder

Bild: Foto: Abraham Pisarek, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Wer ist Gerhard Schröder? Woher kommt der Mann, den alle zu kennen glauben, weil kein deutscher Politiker vor ihm eine solche Medienwirkung entfaltet hat? Schröder selbst hat gesagt, dass er aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Geboren wurde er am 7. April 1944 als Sohn eines Hilfsarbeiters. Seinen Vater Fritz hat er nie gesehen, der starb im Zweiten Weltkrieg in Rumänien, als sein Sohn sechs Monate alt war.

Wer ist Gerhard Schröder? Woher kommt der Mann, den alle zu kennen glauben, weil kein deutscher Politiker vor ihm eine solche Medienwirkung entfaltet hat? Schröder selbst hat gesagt, dass er aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Geboren wurde er am 7. April 1944 als Sohn eines Hilfsarbeiters. Seinen Vater Fritz hat er nie gesehen, der starb im Zweiten Weltkrieg in Rumänien, als sein Sohn sechs Monate alt war.

Der junge Gerhard wuchs bei seiner Mutter Erika auf, die 1947 den Hilfsarbeiter Paul Vosseler heiratet. Aus dieser Ehe stammen drei weitere Kinder. Eine Erzieherrolle konnte der Tuberkulose-kranke Stiefvater kaum ausüben. Schröder soll als Kind sehr unter der Armut gelitten haben. Seine Familie sei so ausgegrenzt gewesen, dass er nie zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurde. Schon mit 14 Jahren arbeitete er als Verkäufer in einem Eisenwarengeschäft - zu klein, um über den Tresen zu reichen. Schröder hat früher solche Anekdoten bereitwillig kolportiert und damit den Mythos vom sozialdemokratischen Aufsteiger mitbegründet.

Der zweite Bildungsweg

Tatsächlich hat Schröder – wie sein Gegenspieler Edmund Stoiber – immer ein wenig länger gebraucht, um seine Ziele zu erreichen. Das lag auch an seiner sozialen Herkunft: "Meine Mutter, die Kriegerwitwe, konnte mich nicht aufs Gymnasium schicken, weil schon das Fahrgeld in die nächste Kreisstadt nicht aufzubringen war." Der Halbwaise musste sich durch harte Arbeit, oft auch durch Ellenbogeneinsatz, nach oben kämpfen. Nach der Volksschule absolvierte er 1961 eine kaufmännische Lehre. Dann arbeitete er als Angestellter und holte in Göttingen die mittlere Reife nach. Zwei Jahre später schaffte er im Abendkolleg das Abitur. Wie Stoiber entschied sich auch der drei Jahre jüngere Schröder für das Jurastudium. Von 1966 bis 1971 studierte er an der Universität Göttingen; die beiden Staatsexamen legte er 1971 und 1976 ab.

Aufstieg bei den Jusos

Im Gegensatz zu Edmund Stoiber hat Schröder den Beruf als Rechtsanwalt tatsächlich ausgeübt - von 1978 bis 1990. Für seine Kanzleitätigkeit blieb allerdings wenig Zeit: Schröder machte bald politische Karriere. Nach seinem Eintritt in die SPD 1963 engagierte er sich bei den Jusos. 1971 wurde er Juso-Vorsitzender im Bezirk Hannover, wenig später saß er im Parteivorstand eines SPD-Unterbezirks. Unter normalen Umständen hätte er jetzt eine Ochsentour durch die Parteigremien vor sich gehabt. Doch 1978 bot sich dem diskutierfreudigen Anwalt die Chance zum Karrieresprung. Als Kompromisskandidat zwischen zwei verfeindeten Lagern wählten ihn die Jusos zum Bundesvorsitzenden. Ein Amt, das er zwei Jahre erfolgreich ausübte - und sich für höhere Aufgaben empfahl. "Ihr habt mich gewählt. Ihr seid selber Schuld," so begann der bereits 34-Jährige seine Antrittsrede. Typisch Schröder; er liebt Anspielungen und Provokationen. Das hat ihm nicht selten Ärger eingebracht, etwa als er einmal die Lehrer in Niedersachsen öffentlich als "faule Säcke" bezeichnete.

Taktische Finesse

Schröder brauchte nur wenige Jahre, um sich die Macht in der niedersächsischen SPD zu sichern. 1980 zog er in den Bundestag ein. Im Juli 1984 wurde er Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl in Niedersachsen. Seinen Aufstieg verdankte er vor allem seiner Durchsetzungskraft. Während Edmund Stoiber vor allem auf seine enge Verbindung zum politischen Übervater Franz Josef Strauß vertraute, glaubte Schröder immer nur an einen: an sich selbst. "Was immer Gerhard Schröder erreicht hat im Leben, hat er sich selbst gegriffen," hat eine Journalistin geschrieben. Den charismatischen Parteivorsitzenden Willy Brandt bewunderte er, sein Vorbild aber war der staatsmännische Kanzler Helmut Schmidt. Das hinderte Schröder aber nicht, gegen den Nato-Doppelbeschluss zu Felde zu ziehen und seinen Kanzler zu düpieren.

Ministerpräsident in Niedersachsen

Schröder galt vielen Genossen als unverbesserlicher Egomane - aber als einer, der nie aufgibt. Die Niederlage bei der niedersächsischen Landtagswahl 1986 gegen Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) steckte er schnell weg. Bei der Landtagswahl am 13. Mai 1990 holte er dann für die SPD 44,2 Prozent der Stimmen und wurde Ministerpräsident einer rot-grünen Landesregierung. Doch Schröder beschränkte sich keinesfalls auf Landespolitik - etwa die Konsolidierung des Haushalts, die Vorbereitung der Weltausstellung Expo in Hannover oder die Energiekonsensgespräche mit der Wirtschaft. Häufig mischte er sich in die Bundespolitik ein. 1992 geriet er als Befürworter eines Asylkompromisses mit der Bundesregierung unter starken Druck. Den Parteivorsitzenden Björn Engholm kritisierte er ebenso offen wie später dessen Nachfolger Rudolf Scharping. Als "Genosse der Bosse" wurde er den Linken in der SPD suspekt; sein gutes Verhältnis zur deutschen Autowirtschaft, besonders zur Volkswagen AG, in dessen Aufsichtsrat er sitzt, leugnete er nie.

Der Weg nach Berlin

Bei der Landtagswahl 1994 erzielte Schröder die absolute Mehrheit. Die SPD regierte fortan allein in Niedersachsen. Er zählte nun gemeinsam mit Scharping und dem saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine zur Führungstroika der SPD. Lafontaine übernahm im November 1995 nach einer Kampfabstimmung auf dem Parteitag von Mannheim den Parteivorsitz. Für Schröder bot sich nun die Chance seines Lebens, sofern Lafontaine nicht selbst Anspruch auf die Kanzlerkandidatur erhob. Schröder vertraute wieder einmal ganz auf die Wähler: Nur wenn die SPD bei der Landtagswahl in Niedersachsen mehr als zwei Prozent zulegen würde, sei er zur Kandidatur bereit. Schröder, der Politzocker. Er spielte alles oder nichts - und gewann: Die SPD errang mit 47,9 Prozent einen glänzenden Wahlsieg in Niedersachsen. An Schröder führte kein Weg mehr vorbei.

Nach 16 Jahren in der Opposition und fünf gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten war den Parteistrategen klar: Lafontaine und Schröder mussten als Team auftreten, um die Union zu schlagen. Zum ersten Mal führten die Sozialdemokraten einen perfekt organisierten, an amerikanische Vorbilder erinnernden Wahlkampf. Schröder versprach, im Vergleich zu Helmut Kohl "vieles besser, aber nicht alles anders zu machen". Die "Neue Mitte" wurde zur entscheidenden Wählerschicht erklärt. Am Ende gelang der Machtwechsel: Bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 wurde die SPD mit 40,9 Prozent stärkste Partei.

Kanzler Schröder

Gemeinsam mit den Bündnisgrünen (6,7 Prozent) bildete Schröder eine Regierungskoalition. Am 27. Oktober 1998 wählten ihn 351 von 666 Abgeordneten zum siebten Bundeskanzler der Bundesrepublik. Schnell erwies sich das Zweckbündnis mit seinem Parteirivalen Oskar Lafontaine als äußerst brüchig. Wegen des "schlechten Teamspiels" trat Lafontaine im März 1999 als Parteivorsitzender und Bundesfinanzminister zurück und überließ Schröder die Führungsrolle. Nach Anfangsschwierigkeiten der Regierung bot sich Schröder somit eine "zweite Chance," wie der Spiegel titelte. Hans Eichel wurde Finanzminister. Mit seinem strikten Sparkurs stiegen zeitweise die Umfragewerte für die rot-grüne Bundesregierung.

Schröder konnte sich auch als Außenpolitiker profilieren: Die Bundeswehr beteiligte sich an der Nato-Luftoffensive im Kosovo-Krieg. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärte Schröder seine "uneingeschränkte Solidarität" mit den USA. Diese Position verknüpfte er mit der Vertrauensfrage, die er am 16. September 2001 im Bundestag knapp für sich entscheiden konnte.

Das zeitweise Stimmungshoch für Schröder hielt nicht lange an. Schon im zweiten Halbjahr 2000 verringerte sich das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft zusehends. Schröder machte die weltweite Konjunkturschwäche für diese negative Entwicklung verantwortlich, die die ohnehin prekäre Lage am Arbeitsmarkt noch verschärfte. Konjunkturprogramme oder ein Vorziehen der Steuerreform lehnte er zunächst ab und proklamierte stattdessent eine "Politik der ruhigen Hand." Als jedoch Anfang 2002 die Arbeitslosenzahl die 4-Millionen-Marke überschritten hatte, es zu prominenten Firmenpleiten kam und die Umfragewerte der SPD immer weiter in den Keller rutschten, sah sich Schröder zum Handeln gezwungen. Er rief Gremien wie die Hartz- und die Rürup-Kommission ins Leben, die den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme reformieren sollten.

Die zweite Amtszeit

Bei der Bundestagswahl 22. September 2002 gelang es SPD und Grünen, wieder eine knappe Mehrheit auf sich zu vereinen – Schröder konnte eine zweite Amtszeit regieren. Entscheidend für den Wahlausgang war nach Ansicht von Beobachtern zweierlei: zum einen die Flutkatastrophe in Ostdeutschland, bei der sich Schröder als Krisenbewältiger präsentieren konnte; zum anderen seine kategorisch ablehnende Haltung zum von den USA geplanten Irak-Krieg, mit der er zwar die Stimmung im Lande traf, aber außenpolitisch für erhebliche Verstimmung sorgte.

Innenpolitisch begann die zweite Amtsperiode für Schröder noch schwieriger als die erste. Die Konjunkturkrise, die sich inzwischen zu einer handfesten Rezession ausgewachsen hatte, bestimmte jetzt ganz das politische Tagesgeschehen. Konfrontiert mit Milliardenlöchern in den öffentlichen Haushalten, beunruhigenden wirtschaftlichen Prognosen, hohen Steuerausfällen und einem Strafverfahren der EU wegen Überschreitung der erlaubten Defizitquote von 3 %, stellte die Regierung Schröder hektisch Gesetzesentwürfe zusammen, die jedoch nach massiven Protesten von vielen Seiten zum Teil wieder auf Eis gelegt wurden.

Mit der Verkündung der "Agenda 2010" am 14. März 2003 startete Schröder einen neuen Anlauf zur Überwindung der Wirtschaftskrise. Dieses Programm, das neben Steuererleichterungen auch Kürzungen beim Arbeitslosengeld und bei Leistungen der Kranken- und Rentenversicherung sowie eine Lockerung des Kündigungsschutz- und Handwerksrechts enthält, stieß jedoch vor allem beim linken Flügel der SPD sowie den Gewerkschaften auf harsche Kritik. Auch Schröders Umfragewerte stürzten in der Folge noch weiter ab: Im März 2004 gaben nur noch 26 Prozent der Befragten an, der SPD ihre Stimme geben zu wollen.

C. Mayer/L. Scheitzach

Buch-Tipps

Online bestellen:

Bela Anda, Rolf Kleine: Gerhard Schröder.Eine Biografie, Siedler Verlag 2002

Jürgen Hogrefe: Gerhard Schröder. Ein Portrait, Siedler Verlag 2002

Gerhard Schröder: Was kommt. Was bleibt, Lardon Media AG 2002

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