Google Street View - nein Danke!
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Google Street View - nein Danke!

Bild: Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Google Streetview warum nicht? Was die wissen.de-Redakteurin Susanne Böllert zu dem Dienst meint.

Vielleicht wäre mein Widerstand gegen Googles neuestes Wunderwerk deutlich schwächer, wenn ich zuvor gefragt worden wäre, ob ich mitmachen möchte. Denn hier liegt bereits der Fehler im System. Natürlich verraten all die Blogger und Forenschreiber, all die Facebooker und Lokalisten häufig viel mehr, als man von ihnen wissen wollte - oder sollte. Doch Fakt ist: Sie haben zu irgendeinem Zeitpunkt aktiv die Entscheidung getroffen, ins Netz zu gehen, dort Kontakte zu knüpfen, Bilder zu veröffentlichen und Berufliches sowie Privates preiszugeben. Wie bewusst diese Entscheidung in Einzelfall getroffen wurde, als wie mündig sich der Otto-Normal-User im noch immer jungen Medium Internet bereits erweist - das sei einmal dahingestellt.

Viel entscheidender ist, dass der Internetmogul Google bei der Einführung seines neuen "Dienstes" diesen wichtigen Schritt, bei dem der User selbst über seine Teilnahme in der World Wide Parallelwelt entscheidet, kaltschnäuzig übersprungen hat. Google hat ins Gegenteil verkehrt, was bislang noch immer Usus war im Netz: Jetzt muss, wer bei Street View nicht mitspielen will, aktiv nein sagen, statt ja. Und das ist in höchstem Maße unhöflich, um nicht zu sagen, eine Zumutung. Übertragen auf die reale Welt hieße das, Sie müssten Besuch aktiv ausladen, wenn Sie keinen haben wollen. Sie müssten Ihren Briefträger zwingen, eine eidesstattliche Versicherung zu unterschreiben, dass er Ihre Briefe auch wirklich nicht lesen wird.

Wieso Michael Fischer Street View gar nicht so schlimm findet

Woher wissen wir, was wir verbergen sollten?

Auch das Argument, wer etwas zu verbergen habe, der solle es eben verbergen und Einspruch einlegen bei Google, kann ich nicht gelten lassen. Dabei möchte ich mich weder auf die unzureichende Verpixelung von Nummernschildern und Gesichtern berufen noch darauf verweisen, dass Google mit wirklich unerhöhter Dreistigkeit selbst den Antrag auf Unkenntlichmachung nutzt, um höchst detaillierte Informationen von Objekt und Bewohner einzufordern. Ich möchte Ihnen stattdessen die Frage stellen: Woher sollen wir wissen, ob wir etwas zu verbergen haben? Kann es uns gefährlich werden, wenn ein potenzieller Chef Rückschlüsse über meine Arbeitsmoral zieht, weil an meiner Hausfassade der Putz bröckelt? Wird uns unsere Ehefrau der Untreue bezichtigen, nur weil sie unseren Wagen vor dem Haus einer anderen Frau parken sah? Wer sollte all diese Eventualitäten voraussehen?

Eine Mahnung

Deshalb wage ich eine Mahnung an die Macher: Übernehmt - bei allem Profitstreben - Verantwortung für Eure Kunden. Stellt Euch selbst die Frage nach dem Nutzen. Selbstredend ist hier ein Nutzen gemeint, der weit über den monetären hinausgeht. Einen, der die soziale und politische Dimension miteinbezieht. Dann erst wird die Frage nach Sinn und Unsinn dort gestellt, wo sie gestellt werden muss - nicht erst im Parlament, nicht in Foren, sondern gleich in der Brutstätte unserer herrlichen neuen technischen Möglichkeiten, dem Sitz der Verantwortlichen.

Eine Bitte

Und ganz zum Schluss eine Bitte an all diejenigen, die mit mir darin übereinstimmen, Google habe seinen Usern mit seinem neuesten Streich statt eines Dienstes vielmehr einen Bärendienst erwiesen: Verkneifen Sie sich die allzu menschliche Neugierde, machen Sie sich frei von Voyeurismus - verzichten Sie ganz einfach auf die Nutzung von Street View. Und rufen Sie doch einfach im Hotel an, wenn Sie wissen wollen, wie dort so die Lage ist.

Andernfalls verkehren Sie Ihren Widerspruch in sein Gegenteil.

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