Einspruch: aber bitte!
All diejenigen, die jetzt über die Medien oder das Web 2.0 Einspruch erheben, sollen das tun. Es ist ihr gutes Recht! Doch sollten sie nicht viel weiter gehen? Warum nutzt derjenige, der etwas gegen die Praktiken von Google hat, weiterhin den Suchmaschinen-Monopolisten? Es gibt doch alternative Suchmaschinen wie Bing, Yahoo oder ask.com. Soll er oder sie doch durch ein verändertes Nutzerverhalten seinen Protest deutlich machen. Wenn das millionenfach bewusst geschieht: Würde Google dann noch seinen umstrittenen Rundgang durch die Städte anbieten?
Was ist noch privat?
Und dann die Sache mit der Privatsphäre: 49 Millionen Deutsche über 14 Jahren nutzen das Internet. Und jeder Fünfte davon treibt sich zum Beispiel mehr oder weniger regelmäßig auf den Seiten von Facebook herum, veröffentlicht persönliche Daten und Fotos, nennt Freunde und macht sich auch immer wieder über andere lustig. Tendenz: steigend. Schön und gut, werden da andere einwenden, aber einen Facebook-Account legt man doch bewusst an. Richtig! Aber wenn Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder etwas über mich veröffentlichen – dann ist das in virtuellen Stein gemeißelt. Und ich kann – zumindest kurzfristig – nichts dagegen tun.
Wieso Susanne Böllert zu Street View "nein, danke" sagt
Street View: Blick ins Schlafzimmer?
Was ich an der Debatte um Street View, die unbedingt geführt werden soll und muss, verlogen finde, ist schlicht und einfach die Heftigkeit der veröffentlichten Empörung. Zum einen: Ist es nicht wesentlich bedenklicher, wenn eine Suchmaschine sämtlicher meiner Anfragen bis zu 18 Monate lang speichert? Wird dagegen bei Street View wirklich so viel von der Privatsphäre gezeigt? Wer einmal Street View genutzt hat, wird erkennen können: So viele Details erkennt man in der Regel gar nicht – und die Nummernschilder sind ebenfalls nicht zu lesen. Wer ein auffälliges Auto fährt, wird das natürlich auch bei Street View wieder finden. Doch ist dieses Auffälligkeit (“Abi 2006“) nicht ohnehin ein öffentliches Statement?
Lebt besser!
Sicher: Dass viele Plätze der Welt rund um die Uhr mit Kameras gefilmt werden, verursacht auch mir ein mulmiges Gefühl. Und George Orwells „1984“ mit seiner total überwachten Welt, ist nichts, was ich unserer realen Welt wünsche. Doch in der Debatte um Street View halte ich die große Klagewelle, die durchs Land rollt, für übertrieben. Anders gesagt: Wer etwas zu verbergen hat, möge es doch bitte verbergen. Und wer an seine Hauswand schreibt. „Ich mag meinen Nachbarn nicht!“, der sollte sich nicht wundern, wenn dieser Nachbar ihm eines Tages an den Karren fährt – auch, wenn dieser von Street View noch nie etwas gehört hat.



