Gottfried Wilhelm Leibniz: Der letzte Universalgelehrte
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Gottfried Wilhelm Leibniz: Der letzte Universalgelehrte

Bild: Foto: Markus Trienke, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Von Gottfried Wilhelm Leibniz wird gesagt, er sei der vielleicht letzte Universalgelehrte unserer Zeit gewesen – und das nicht ohne Grund. Der am 1. Juli 1646 in Leipzig geborene Namenspatron des bekannten Butterkekses studiert als junger Mann zunächst Philosophie und Rechtswissenschaften. Doch es sind beileibe nicht nur Themen aus diesen beiden Fachgebieten, die ihn zeitlebens umtreiben. Leibniz interessiert von Anfang an das große Ganze. Er will sich der Welt nicht nur aus einem Blickwinkel nähern, sondern sie aus allen möglichen Perspektiven betrachten.

Von Gottfried Wilhelm Leibniz wird gesagt, er sei der vielleicht letzte Universalgelehrte unserer Zeit gewesen – und das nicht ohne Grund. Der am 1. Juli 1646 in Leipzig geborene Namenspatron des bekannten Butterkekses studiert als junger Mann zunächst Philosophie und Rechtswissenschaften. Doch es sind beileibe nicht nur Themen aus diesen beiden Fachgebieten, die ihn zeitlebens umtreiben. Leibniz interessiert von Anfang an das große Ganze. Er will sich der Welt nicht nur aus einem Blickwinkel nähern, sondern sie aus allen möglichen Perspektiven betrachten.

So scheint es nur logisch, dass Leibniz nach dem Abschluss seines Studiums die ihm angebotene Professur ablehnt und sich stattdessen als fürstlicher Berater in der Weltgeschichte herumtreibt und Korrespondenzen rund um den Erdball unterhält. In diplomatischer Mission bereist er unter anderem London, Amsterdam, Den Haag und Paris. Hier verbringt Leibniz ab 1672 vier prägende Jahre, lernt führende Wissenschaftler und den neuesten Stand der Forschung kennen.

Zahlenspiele mit Eins und Null

Während dieser Zeit widmet er sich vor allem intensiv der Mathematik. Parallel zu Isaac Newton schreibt er Wegweisendes zur Infinitesimalrechnung und erfindet die noch heute gültigen Summenzeichen. Außerdem tüftelt er an einer Rechenmaschine – die erste, mit der man nicht nur addieren und subtrahieren kann, sondern die auch mechanische Vorrichtungen für die Multiplikation und Division hat.

Zudem legt Leibniz bereits im 17. Jahrhundert den Grundstein für die Informationstechnologie, die erst 300 Jahre nach ihm beginnen wird, die Gesellschaft zu prägen: Er entwickelt das binäre Zahlensystem, das die Darstellung aller Zahlen mithilfe der Null und der Eins ermöglicht – die spätere Basis der Computersprache.

Experimente im Bergwerk

Die Ideen gehen dem produktiven Denker nie aus: „Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben“, soll er einmal über sich selbst gesagt haben. Doch nicht nur am Schreibtisch entfaltet Leibniz sein Genie. Er ist auch ein Forscher mit einem gewissen Hang zum Abenteuer. Das beweist er zum Beispiel, nachdem er 1676 zurück nach Deutschland gekehrt und Hofrat und Bibliothekar des Herzogs Johann Friedrich in Hannover geworden ist.

Mit dem Ziel, die für das Herzogtum wichtige Silberförderung zu stabilisieren, kraxelt Leibniz jahrelang durch die Bergwerke des Harzes. Er will Windräder zum Antrieb von Pumpen konstruieren, die die Gruben entwässern sollen. Technische Probleme und der Widerstand der traditionsverhafteten Bergleute verurteilen seine Ingenieurarbeit zwar schließlich zum Scheitern. Trotzdem gilt er vielen als ein Pionier der Windkraft.

Die beste aller möglichen Welten

Auch das friedliche Zusammenleben der Menschen und die Verbesserung der Welt sind Leibniz ein Anliegen – das dies gelingen kann, davon ist er überzeugt. So bemüht er sich unter anderem, die Spaltung der Kirche zu überwinden. Zudem arbeitet er an einer künstlichen Universalsprache, die dabei helfen soll, Missverständnisse zwischen den Völkern zu beenden.

In seinen philosophischen Überlegungen prägt er vor allem den berühmten und kontrovers diskutierten Satz der „besten aller möglichen Welten“. Dabei weist er darauf hin, dass manches Gute in der Welt eben nur zum Preis der Existenz eines Übels zu haben ist. Gleichzeitig hat nach seinem Konzept diese Welt jedoch Entwicklungspotential – und kann folglich ständig verbessert werden, wenngleich sie nie einen utopischen Endpunkt erreichen wird.

Wissenschaft als Einheit

Als Leibniz am 14. November 1716 stirbt, hinterlässt er Unmengen an Papieren, Briefen und Büchern mit seinen Visionen. Sein Nachlass zeigt eindrücklich, dass Wissenschaft für den großen Denker stets eine Einheit war. Grenzen zwischen Disziplinen gibt es für ihn nicht und so entwickelt er seine Vorstellungen – egal ob über Mathematik, Philosophie, Dynamik oder Politik – stets in enger Verbindung miteinander. Das beste Beispiel für seinen universellen Blick auf die Dinge: Die nie vollendete Geschichte der Welfen, die er im Auftrag des Hofes schreibt, beginnt Leibniz mit einer Abhandlung über die Entstehung der Erde.

Leibniz Art zu denken und sein unermüdlicher Ideenreichtum inspirieren Wissenschaftler bis heute. Seit 1923 arbeiten Experten akribisch an der Edition seines Werkes, doch erschlossen ist es noch lange nicht. Bis zum Jahr 2055 wird die systematische Durchsicht von Leibniz Schriften voraussichtlich dauern – und so manch einer glaubt, dass dabei noch viele Überraschungen zutage befördert werden könnten. So sagte der Leiter des Leibniz-Archivs in Hannover kürzlich anlässlich der bevorstehenden Feiern zum 300. Todestages des Denkers: „Leibniz hält Antworten auf Fragen bereit, die wir im Moment noch gar nicht stellen.“

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