Graf von Zeppelin - der unerschütterliche Visionär
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Graf von Zeppelin - der unerschütterliche Visionär

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Heute kennt fast jedes Kind die länglichen Luftschiffe, die manchmal als Reklameträger über unsere Städte schweben. Der Erfinder der Zeppeline, Graf von Zeppelin, starb heute vor genau 100 Jahren. Die hart erkämpfte Erfolgsgeschichte dieses "dümmsten aller Süddeutschen" ist gespickt von verlustreichen Fehlschlägen, einer überraschend profitablen Katastrophe und etwas militärischem Größenwahn.

Es ist der 08. Juli 1838, als Amélie Françoise Pauline in Konstanz am Bodensee ihr zweites von drei Kindern zur Welt bringt. Der Kleine erhält die Namen Ferdinand Adolf August Heinrich, uns wohl besser bekannt als Graf von Zeppelin. In den 79 Jahren seines Lebens mausert er sich vom württembergischen Offizier zum selbständigen Großunternehmer - und wird mit seinem Patent auf ein Luftschiff mit starrem Skelett zur Legende.

Inspiration im US-Bürgerkrieg

Die erste Idee zu seinem Luftschiff könnte Zeppelin im Jahr 1863 bekommen haben: Während er als Beobachter und aktiver Kämpfer am US-Bürgerkrieg teilnimmt, steigt er zum ersten Mal mit einem Heißluftballon auf. Einige Jahre später erwähnt er erstmals in seinem Tagebuch die Idee, ein neuartiges Luftschiff zu konstruieren.

Nachdem er 1890 beim preußischen Militär in Ungnade gefallen ist, hat Ferdinand von Zeppelin endlich Zeit, sich seinem privaten Traumprojekt zu widmen: dem Bau eines lenkbaren, starren Luftschiffes. Dabei ist das Luftschiff keineswegs eine Erfindung von Graf Zeppelin selbst. Denn ein erstes Gefährt dieser Art wurde bereits 1852 vom Franzosen Henri Giffard gebaut. Er hatte dafür einen von einer Dampfmaschine getriebenen Propeller über Schnüre an einem länglichen, mit Wasserstoff gefüllten Ballon befestigt.

Aluminium, Wasserstoff und Propeller

Unabhängig vom französischen Pionier-Modell erfindet Graf Zeppelin das Luftschiff in den 1890-er Jahren jedoch neu. Im Unterschied zu seinem französischen Vorreiter setzt er dabei auf eine skelettartige Konstruktion aus Aluminium-Streben, die die hintereinander aufgereihten Gasbehälter des Fluggerätes in Form halten. Im Gegensatz zu Ballons, die sich erst durch die heiße Luft oder das Gas in ihrem Inneren aufblähen, gibt beim Starrluftschiff damit die feste Tragkonstruktion die Form des Gefährts vor. Der Wasserstoff im Inneren dient nur dazu, dem Gefährt den nötigen Auftrieb zu liefern.

Und noch weitere Neuerungen gibt es bei Zeppelins Konstruktionen: Die Gondel für die Passagiere ist fest mit dem Traggestell des Luftschiffs verbunden, statt nur an Schnüren zu baumeln. Außerdem sitzen die Propeller für den Antrieb des Gefährts nicht unten an der Gondel, sondern etwa in der Mitte der gasgefüllten "Zigarre" – dies sorgt für eine günstigere Aerodynamik.

Eine kurze Jungfernfahrt

Sein Vorhaben wird zunächst als Spinnerei belächelt. Kaiser Wilhelm II. soll ihn gar als "dümmsten aller Süddeutschen" betitelt haben. Doch Zeppelin treibt sein Vorhaben trotz offener Zweifel von Sachverständigen weiter voran. Am 02.Juli 1900 ist es dann tatsächlich soweit: Der erste "echte" Zeppelin "LZ1" tritt seine Jungfernfahrt über den Bodensee an. Doch nur 18 Minuten später findet sie aufgrund eines technischen Defekts ein jähes Ende in einer Notwasserung.

Für den Visionär ist dies kein Grund aufzugeben. Als das Nachfolgermodell "LZ2" bei einem Orkan über dem Landeplatz im Allgäu vollständig zerstört wird, finanziert der Graf den Bau seines mittlerweile dritten Zeppelins "Z1" aus eigener Tasche und verkauft sein Fluggerät bald darauf ans Militär. Um die weitere Finanzierung zu sichern, wirbt von Zeppelin beharrlich für den Einsatz seiner Luftschiffe als fliegende Militärstreitmacht.

Die Katastrophe von Echterdingen

Unter der Voraussetzung einer erfolgreichen 24-stündigen Zielfahrt ist man 1908 in der Reichsregierung schließlich bereit, diesem Anliegen nachzugeben. Als die geforderte Testfahrt mit dem "LZ4" am frühen Morgen des fünften Augusts kurz vor ihrem erfolgreichen Abschluss steht, zwingen jedoch einmal mehr technische Schwierigkeiten das ehrgeizige Unternehmen zum Abbruch.

Nach einem Motorenschaden muss das Luftschiff in der kleinen Stadt Echterdingen notlanden. Der zu Boden gezwungene Gigant zieht tausende Schaulustige aus der Umgebung an, die schließlich Zeuge werden, wie das schwebende Technikwunder vom Wind aus seiner Verankerung gerissen wird und wenige Kilometer entfernt in einem gewaltigen Feuerball in Flammen aufgeht.

Die Katastrophe von Echterdingen entpuppt sich jedoch unerwartet als Glücksfall für den niedergeschlagenen Luftfahrer: Die dramatische Geschichte entfesselt eine Welle nationaler Solidarität, die in einem Spendenaufgebot von über sechs Millionen Reichsmark gipfelt. Das Geld bildet den Grundstein für die "Luftschiffbau Zeppelin GmbH", mit der Graf Zeppelin seinem Luftschiffbau zu neuem Auftrieb verhilft. Bis zum Jahr 1914 werden über 30.000 Personen sicher mit Luftschiffen durch die Region befördert.

Die Kriegsfantasien des Grafen

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs tritt Zeppelins militaristische Seite noch deutlicher hervor. Seine Vorstellungen von einem Einsatz von Luftschiffen als Waffe formuliert er klar und deutlich: "Jedes Mittel zur Abkürzung eines blutigen Kriegs muss angewandt werden." In diesem Sinne fordert er sogar, seine Luftschiffe für den Abwurf einer Ein-Tonnen-Bombe über London einzusetzen. Solche radikalen Aussagen bringen ihm 1916 ein öffentliches Redeverbot ein. Trotz des Krieges sind dem damaligen Reichskanzler Theobald Bethmann Hollweg die Äußerungen des Luftschiff-Pioniers zu radikal.

Der von Zeppelin herbeigesehnte militärische Nutzen erweist sich im Verlauf des Krieges jedoch ohnehin schnell als Wunschgedanke des Grafen. Denn gegen die neuentwickelten schnellen und wendigen Flugzeuge haben seine schwerfälligen, wasserstoffgefüllten Gefährte im Luftkampf keine Chance. Dies muss auch Zeppelin einsehen, der kurz vor seinem Tod noch auf die Entwicklung von Großflugzeugen zum Abwurf tonnenschwerer Bomben umschwenkt. Heute vor 100 Jahren, am 8. März 1917, stirbt Ferdinand von Zeppelin in schließlich Berlin.

Bleibendes Erbe

Was ist nun geblieben von dem ehrgeizigen Unternehmer aus Konstanz? Die Blütezeit der Luftschiffe ist längst vorbei, daran besteht kein Zweifel. Nur vereinzelt werden noch moderne Vertreter zu Werbezwecken oder Touristenrundflügen eingesetzt. Nichtsdestotrotz hat Graf Zeppelin einen bleibenden Eindruck in der Luftfahrtgeschichte hinterlassen.

Dabei scheinen die sanft dahinschwebenden Giganten trotz des stark militärisch geprägten Hintergrundes ihres Erbauers im kollektiven Bewusstsein eher ein positives, erhabenes Gefühl hervorzurufen statt Kriegsassoziationen. In jedem Fall hat sich der Graf mit seinen Luftschiffen ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt, das noch lange seinen Namen durch den Himmel tragen wird: Zeppelin.

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