Garibaldi und sein "Zug der Tausend" landete am 11. Mai 1860 an der Westküste Siziliens. Ziel war es, die Insel von der Herrschaft der Bourbonen zu befreien. Garibaldis Coup ist als Teil des Risorgimento zu verstehen - der Einheitsbewegung Italiens, die auf dem Gedankengut der Französischen Revolution fußte. Der sardinische Ministerpräsident Camillo Graf Benso Di Cavour repräsentierte diese Bewegung auf politischer Ebene und hatte 1847 die liberale Zeitschrift "Il Risorgimento" mitbegründet.
Italien war zu dieser Zeit in Einzelstaaten zersplittert. Die bedeutendsten darunter waren der Kirchenstaat in Mittelitalien, das Königreich beider Sizilien in Süditalien und das Königreich Sardinien mit Sardinien-Piemont in Norditalien. Die Österreicher hatten Venetien und die Provinzen im Nordosten vereinnahmt. Papst Pius IX. führte den Kirchenstaat mit starker Hand, die Bourbonen regierten absolutistisch. Im Königreich Sardinien hingegen hatte sich unter König Viktor Emanuel II. aus dem Hause Savoyen und seinem Ministerpräsidenten Cavour ein liberales Staatswesen und ein parlamentarisches Regierungssystem entwickelt. Seit der 1848er Revolution, die im März 1849 niedergeschlagen wurde, hatte Sardinien im Kampf um die Einheit Italiens Führungsrolle inne. König Viktor Emanuel II. war der einzige italienische Herrscher, der die Verfassung von 1848 bestehen ließ. Militärische Unterstützung erhielt die Regierung von Garibaldi und seinen zahlreichen Anhängern.
Handel mit Frankreich
Im Kampf um die Lombardei gegen Österreich 1858 konnte Cavour zunächst die Unterstützung Napoleons III. gewinnen, indem er geschickt dessen Prestigestreben ausnutzte. Während des im Mai 1859 ausgebrochenen Krieges von Sardinien und Frankreich gegen die Donaumonarchie machte Napoleon III. auf Betreiben der Großmächte jedoch einen Rückzieher. Ohne Wissen der Piemontesen schloss er einen Waffenstillstand mit Österreich: Sardinien erhielt mit der Lombardei nur eine der habsburgischen Provinzen in Nordostitalien. Doch die Einheitsbewegung war nicht mehr aufzuhalten. Im März 1860 sicherte Cavour Napoleon III. in einem Geheimvertrag die Abtretung von Nizza und Savoyen zu. Im Gegenzug duldete der französische Kaiser, dass am 11./12. März in den offiziell noch österreichischen Gebieten per Volksabstimmung der Anschluss an das Königreich Sardinien beschlossen wurde.
Garibaldi setzte nur wenige Monate später die Vertreibung der Bourbonen auf dem Festland fort. Sobald er Sizilien mit seinen Männern erreicht hatte, ernannte er sich selbst zum Diktator. Der Bourbonenkönig Franz II. floh und Garibaldi zog im September siegreich in Neapel, der Hauptstadt beider Sizilien ein. Doch seine Herrschaft war nicht von langer Dauer. Denn um Garibaldi zuvorzukommen, hatte Cavour schon Ende August, nachdem Garibaldi sich zum Diktator ernannt hatte, mit Napoleon III. vereinbart, dass die Marken und Umbrien erobert werden dürften. Einzig der Rest des Kirchenstaats sollte unangetastet bleiben. Das Königreich Sardinien wollte sich also an der Einigung Italiens militärisch beteiligen. Und so rückten Mitte September 1860 piemontesische Truppen in den Marken und Umbrien ein und schlugen die päpstliche Armee. Danach rückten sie, nun unter dem Oberbefehl von König Viktor Emanuel II. selbst, weiter nach Süden vor und erreichten am 7. November schließlich Neapel - den Aufenthaltsort von Garibaldi.
Die Bevölkerung beider Sizilien sprach sich in einer Volksabstimmung mit eindeutiger Mehrheit für den Anschluss an das Königreich Sardinien aus. Garibaldi musste von seinem Herrschaftsanspruch zurücktreten. Am 17. März 1861 wurde das neue Königreich Italien proklamiert. Garibaldis Ziel, den Kirchenstaat in das Königreich Sizilien einzugliedern, war gescheitert. Und doch war Garibaldi durch seinen unermüdlichen Kampf für Italien zu einer der Hauptgestalten des Risorgimento geworden: berühmt und volkstümlich.



