Mit Befürchtungen oder Skepsis in die Zukunft blicken derzeit rund 43 Prozent der Deutschen. Dass sich die viel diskutierte Mehrwertsteuererhöhung erheblich auf den Konsum auswirken wird, halten viele Experten für falsch. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) muss eine Geringverdiener-Familie mit zwei Kindern aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung mit monatlichen Mehrausgaben von 19,78 Euro rechnen.
Mehrwertsteuer: Zwei Sätze und einer ohne
Für Waren und Dienstleistungen gibt es in Deutschland zwei Steuersätze: einen allgemeinen, der am 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erhöht wird, und den reduzierten von 7 Prozent, der sich nicht verändert. Mit 19 Prozent besteuert werden der größte Teil der Waren und Dienstleistungen. Dazu gehören Kleidung, Produkte zur Körperpflege, elektronische Geräte, Haushaltswaren, Mineralwasser und andere Getränke, Friseur, Autoreparaturen, Gaststätten, Hotelübernachtungen und Mietnebenkosten. 7 Prozent Mehrwertsteuer gelten für Bücher, Zeitungen und Magazine, Blumen, Tierfutter, Kulturveranstaltungen, Taxifahrten und den öffentlichen Personennahverkehr. Darüber hinaus für Lebensmittel (außer Getränke), Milch und Milchprodukte. Keine Mehrwertsteuer werden erhoben auf Arzthonorare, Krankengymnastik, Porto, Rundfunkgebühren und Auslandsflüge.
Preise bleiben nahezu konstant – Kosten steigen
Die Anhebung der Mehrwertsteuer wird nach Aussagen vieler Ökonomen die Preise ab Januar allenfalls geringfügig klettern lassen. Auswirken wird sich allerdings die Summe an steigenden Steuern und Sozialabgaben, der Abbau von Steuervergünstigungen und die stark erhöhten Energiekosten. Mit zusätzlichen Belastungen für die Verbraucher in Höhe von insgesamt 24 Milliarden Euro rechnet der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Für jeden Einwohner bedeuteten das Mehrausgaben in Höhe von 290 Euro jährlich.
Aufwärtstrend bei Unternehmen
Nach der aktuellen Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln erwartet jedes zweite der rund 2.000 befragten Unternehmen für 2007 eine höhere Produktionsleistung als im laufenden Jahr – nur jedes neunte rechnet mit sinkenden Zahlen. Gut ein Drittel der Unternehmen wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr mehr investieren, lediglich ein Sechstel hat vor, die entsprechenden Budgets zu kürzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass all das zur Belebung am Arbeitsmarkt beiträgt. Von den vom IW Köln befragten Betrieben wollen 29 Prozent ihre Belegschaft 2007 vergrößern, nur 18 Prozent halten Stellenstreichungen für erforderlich. Allerdings ist vor allem im Osten die Spanne groß. Während in der dortigen Investitionsgüterindustrie 43 Prozent einen Jobzuwachs und lediglich 10 Prozent Kürzungen planen, überwiegt im Bau- sowie im Konsumgütergewerbe noch der Beschäftigungsabbau.



