Virtuelle Einbrecher
Bereits mittelmäßig talentierte Computer-Programmierer können mit Internet-PC und Cracker- bzw. Viren-Software, die leicht im Internet zu haben ist, auf der ganzen Welt Firmen-Netzwerke ausspionieren und Unheil anrichten. So geschehen auch beim berüchtigten und äußerst simplen "I love you"-Virus, der weltweit Computer-Nutzern einen Schock verpasste.
Mittlerweile haben virtuelle Einbrüche in nahezu jeder Art von Unternehmen oder Institution stattgefunden, seien es E-Commerce-Firmen, Bildungseinrichtungen oder in die Netzwerke des US-Verteidigungsministeriums Pentagon. Besonders beliebt sind große Firmen aus der Hightech-, Medien- und Energiebranche – und natürlich Banken.
Lerne wie der Feind zu denken
Nicht alle Einbrüche geschehen in böser Absicht, so argumentiert auch der bekannte Autor Anonymous aus der Hacker-Szene: Der erste Schritt zu einer effektiven Absicherung eines Netzwerk-Systems bestehe darin, es aus der Perspektive eines potenziellen Angreifers analysieren zu können. Erst wenn die Denkweisen des Angreifers erkannt sind, können die geeigneten Vorkehrungen zum Schutz des eigenen Systems getroffen werden.
Ein Hacker, der lediglich aus Interesse an Netzwerksicherheit versucht Passwörter und Internet-Seiten zu knacken, würde niemals einem Netzwerk schaden. Das sei das eherne Gesetz der Hacker-Szene: Nur beobachten und publizieren, niemals manipulieren. Und das unterscheidet die Hacker von den Crackern, die bewusst Netzwerke manipulieren, um Schaden anzurichten.
Bei den so genannten "Netzpiraten" handelt es sich nämlich keineswegs um eine homogene Gruppe. Hacker verstehen sich als begnadete Programmierer mit Ehrenkodex, die auf Sicherheitslücken im System aufmerksam machen wollen ohne sich zu bereichern oder auf der Gegenseite Schaden anzurichten. Als "Cracker" bezeichnen die echten Hacker all jene, die aus Profitgier oder anderen niederen Motiven in fremde Datensysteme eindringen, Codes knacken und daran schuld sind, dass der Begriff "Hacker" zum Schimpfwort wurde. Die Grenzen sind freilich in der Praxis fließend.
“Script-Kiddies“ dagegen können gar nicht wirklich programmieren, sondern nur mit vorgefertigten Versatzstücken (Scripts) operieren. Zu ihren Spezialitäten gehören so genannte "Denial of Service Attacken", bei denen durch massenhafte Anfragen Server in die Knie gezwungen werden, sowie das Verunstalten von Websites (Defacement) durch eingeschleuste Bilder und "Tags", eine Art Bekennerbrief in Graffiti. Insgeheim hoffen Script-Kiddies, mit ihren Hacks Anerkennung in der Hacker-Community zu finden - oder hoch dotierte Jobs als Sicherheitsexperten in der freien Wirtschaft.
Was steckt alles im Programm?
Häufig wissen Anwender nicht, was sich in den mittlerweile komplexen Strukturen eines Programms mit seinen Registrierungsdateien alles verbirgt. Einer in Computerkreisen häufig kursierenden Statistik zufolge nutzen 80 Prozent der User nur 20 Prozent aller Möglichkeiten eines Programms.
Und genau bei den verbliebenen 80 Prozent setzen Hacker häufig an, um nach Sicherheitslücken zu forschen. Zum Beispiel versuchen sie, über den meisten Anwendern unbekannte Utilities eines Netzwerk-Druckers an die Datenbanken des Unternehmens zu kommen, das den Printer mit dem Firmennetzwerk verbindet.
Passwort-Knacken leicht gemacht
Kennwörter oder Kennphrasen gehören heute immer häufiger zur Absicherung bei der Netzwerkanmeldung, sei es beim E-Mail-Abholen, dem Einloggen in die private Datenbank oder natürlich im Online-Banking. Zahlreiche Passwort-Seiten sind z.B. mittels spezieller Knacker-Programmen zugänglich, die per automatisierter Suchmethode das richtige Passwort ermitteln. Sie klappern einfach die Passwort-Eingabe mit so vielen Varianten und Kombinationen aus Wörterbüchern oder Fremdwörterlexika ab, bis sie einen Treffer landen.
Manche solcher Programme sollen dazu in der Lage sein, etwa 1000 Logins pro Minute auszuprobieren, was pro Tag eine Überprüfung von über einer Million Kennwörtern erlaubt. Was das bedeutet, macht folgende Tatsache klar: Im Englischen gehören ca. 100 000 Wörter zum engeren Wortschatz.
Nach wie vor sind Anwender leider bei der Vergabe eines Passworts äußerst unkreativ: Häufig ist es das Geburtsdatum, der Name eines Familienmitglieds oder ein anderes einzelnes Wort. Nur die wenigsten benutzen die von Computer-Experten empfohlene Kombination aus Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen, z.B. "5kdn4-9flsß+00xu8*" - wer kann sich die allerdings auch merken?
Netter Gimmick: Flugzeug-Simulator in Excel
Harmlos für den Anwender sind so genannte "Ostereier", die Entwickler selbst mit in die Programme einbauen. Ein wahrer Klassiker verbarg sich einmal in Micrsosoft Excel: In der Tabellenkalkulation der Version Office 97 war nämlich eine Flugzeugsimulation versteckt.
Wie das Gimmick zu finden war? Für Nicht-Eingeweihte gestaltete sich das schwierig. Nach dem Programmstart von Excel '97 musste man auf die Taste F 5 drücken (Gehe zu), danach tippte der findige Benutzer in das erscheinende Fenster den Verweis X97:L97 ein und bestätigte mit OK. Anschließend wurde einmal auf die Tabulator-Taste gedrückt und danach bei gehaltenen Strg- und Shift-Tasten einmal auf die Schaltfläche DIAGRAMM-ASSISTENT geklickt - schon startete der Flugsimulator.
Droht der Cyberwar?
Auch in Zukunft werden Hacker und Cracker immer wieder für unliebsame Überraschungen sorgen. Kein noch so abgesichertes System gewährt dauerhaften Schutz - das Hase- und Igel-Spiel zwischen den Entwicklern von Sicherheitslösungen und den virtuellen Einbrechern geht weiter.
Dabei ist auch der handfeste Datenkrieg leider keine Science Fiction, sondern zumindest ansatzweise schon Realität. So gab die US-amerikanische Regierung lange Zeit vor, lediglich Programme gegen Hacker-Angriffe von außen zu entwickeln. Wer jedoch weiß, wie er sich erfolgreich gegen Attacken von außen zur Wehr setzt, kann auch selbst angreifen.
Tatsächlich wurden einzelne Taktiken bereits gegen den Irak sowie im Kosovokrieg angewendet. Darüber hinaus existiert ein so genannter "Science and Technology Master Plan", der die Projekte "Information Warfare" und "Digital Communications Electronic Attack" umfasst.
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