Heil Olympia!
Leben & Lifestyle

Heil Olympia!

Bild: Foto: Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

"Der sportliche ritterliche Kampf weckt beste menschliche Eigenschaften. Er trennt nicht, sondern eint die Gegner in gegenseitigem Verstehen und beiderseitiger Hochachtung. Auch hilft er mit, zwischen den Völkern Bande des Friedens zu knüpfen. Darum möge die Olympische Flamme nie verlöschen."

Die Spiele 1936

"Der sportliche ritterliche Kampf weckt beste menschliche Eigenschaften. Er trennt nicht, sondern eint die Gegner in gegenseitigem Verstehen und beiderseitiger Hochachtung. Auch hilft er mit, zwischen den Völkern Bande des Friedens zu knüpfen. Darum möge die Olympische Flamme nie verlöschen."

Oh, Traumwelt eines unpolitischen Olympias, Utopie olympischen Friedens, Illusion des zweckfreien Kräftemessens fern von Rassenhass und politischem Kalkül. Aber die schöne Vision wird zu Albtraum. Gezeichnet ist obiges Zitat mit "Adolf Hitler", in seiner Position als oberster (Ver-) Führer des deutschen Volkes auch Schirmherr der olympischen Spiele von 1936, der Spiele von Berlin und Garmisch-Partenkirchen.

Woher, so stellt sich die Frage, die Begeisterung Hitlers für eine so "durchrasste" und internationale sportliche Veranstaltung auf heiligem deutschem Boden. Noch ein Jahr vor der Machtergreifung meldete sich z. B. der Völkische Beobachter kritisch zu Wort: "Neger haben auf der Olympiade nichts zu suchen... . So kann man leider erleben, dass der freie Mann oft sogar mit unfreien Schwarzen, mit Negern, um die Siegespalme kämpfen muss." Dass vier Jahre später mit dem US- Leichtathleten Jesse Owens ausgerechnet ein solcher "Neger" als erfolgreichster Athlet aus Berlin zurückkehrte, wird die Nazis zwar geärgert haben, aber die junge Diktatur hatte dazugelernt.

Die Spiele unter dem Hakenkreuz hatten dem Regime die Möglichkeit eröffnet in einem propagandistischen Gesamtkunstwerk die Weltöffentlichkeit über ihre aggressiven innen- und außenpolitischen Pläne hinwegzutäuschen. Alibi-Juden wurden in die deutsche Olympiamannschaft aufgenommen, Uniformen, Hakenkreuze und Marschmusik aus dem unmittelbaren Umfeld der Spiele verbannt und man wurde nicht müde in Reden und Berichterstattungen das Friedensmotiv zu unterstreichen. Das IOC erlag schnell dem Scheinbild olympischer Völkerverständigung und stellte Deutschland als ausrichtende Nation nie in Frage. Sogar Pierre de Coubertin ließ sich auf seine alten Tage noch als Fürsprecher und Symbolfigur olympischer Ideale vor den Karren nationalsozialistischer Propaganda spannen. Auch er glaubte Olympia in guten Händen.
Die Geschichte lehrt uns das Gegenteil.

Aus der Historie aber Lehren zu ziehen, war noch nie Stärke der Mächtigen. Olympia 2008 findet in Peking statt, so hat das IOC entschieden. Ob im Reich der Mitte auch der olympische Friede eine Heimstatt findet, bleibt abzuwarten.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite