“Um Gottes Willen, werden Sie nie Schauspieler!“ Diesen demotivierenden Ratschlag eines Theaterregisseurs hat Heinz Wilhelm Rühmann seinerzeit glücklicherweise ignoriert, anderenfalls hätte dem deutschen Film eine Persönlichkeit gefehlt, die bis heute seinesgleichen sucht. Gott sei Dank kam alles anders. Am 7. März 2002 wäre Heinz Rühmann 100 Jahre alt geworden. In seiner langen Schauspiel-Laufbahn drehte er mehr Filme, als andere gesehen haben. Über 120 Mal tauchte er im Abspann auf, in vielen Filmen führte Rühmann zusätzlich oder ausschließlich Regie. Seine erste Rolle spielte der gebürtige Essener 1920 am Breslauer Theater, einige Jahre später setzten sich seine Bühnenerfolge dann auch vor der Kamera fort.
Ein Freund, ein guter Freund
Den großen Durchbruch feierte er schließlich mit dem Klassiker Die Drei von der Tankstelle, aus dem zumindest eine Melodie bis heute unvergessen ist: Ein Freund, ein guter Freund- den Titel sang Rühmann zusammen mit Willy Fritsch und Oskar Karlweis - kann sogar Omas Urenkel mitsummen, der den antiquierten Namen Heinz höchstens von der Flasche seines Lieblingsketchups und den Refrain des Liedes wohl eher von der peinlichen Werbung einer Service-Station kennt. Der Gassenhauer begleitet uns seit mittlerweile über 70 Jahren. Andere Stücke der Rühmann-Kollektion sind zwar nicht ganz so alt, dafür aber mindestens genauso bekannt.
Immer schön freundlich
1938 brach Rühmann die Herzen der stolzesten Frau’n. Zwei Jahre darauf verriet er dann seine Masche: “Das mach ich alles nur mit einem netten Lächeln“. Rühmann sang und spielte, spielte und sang, mal gemeinsam mit seiner Filmpartnerin und späteren Frau Hertha Feiler, mal mit dem legendären Hans Albers. Hits wie Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, Die Ballade vom semmelblonden Emil oder Das bleibt nicht so wurden im Original übernommen und sind ein Graus für jeden Digital-Fanatiker. Nostalgiker kommen jedoch voll auf ihre Kosten. Das leider fehlende leise Rauschen und Knacken der guten alten Vinylplatte würde den schönen, ursprünglichen Sound perfekt machen. Astrein abgemischt ist hingegen Rühmanns Schlummer-Nummer La-Le-Lu, die in den 90er-Jahren neu aufgelegt wurde und nicht nur die Kinderzimmer, sondern auch die Hitparaden stürmte. Schon vorher hatte sich Heinz Rühmann weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück gezogen. Nur noch selten sah man ihn im Fernsehen. Am 3. Oktober 1994 starb er im Alter von 92 Jahren in seinem Haus am Starnberger See. Dieses Album hält den vielleicht größten deutschen Schauspieler in unseren Köpfen am Leben. 100 Jahre Heinz Rühmann - das ist echte Kulturgeschichte.
Von Holger Höner



