Herausforderung für die Supermacht
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Herausforderung für die Supermacht

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

4. November 1979, Teheran. Rund 500 Iraner, vorwiegend Studenten, stürmen am späten Vormittag die US-Botschaft und bringen rund 100 Menschen, darunter 62 US-Bürger, in ihre Gewalt. Der US-amerikanische Geschäftsträger Bruce Laingen und zwei weitere US-Diplomaten werden währenddessen im Außenministerium festgehalten.

Als Bedingung für die Freilassung des Botschaftspersonals fordern sie die Auslieferung des gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlewi, der sich seit fast zwei Wochen zur medizinischen Behandlung in den Vereinigten Staaten aufhält. Die Geiselnehmer berufen sich auf eine Botschaft des schiitischen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Chomeini, der am 1. November eine Aktion für diesen Tag forderte. Es ist ein Gedenktag: Ein Jahr zuvor hatte der Ex-Schah mehrere hundert Demonstranten niederschießen lassen und anschließend eine Militärregierung eingesetzt.

Der Überfall

Trotz dieser Vorwarnung ist das Personal unvorbereitet, als gegen 10.45 Uhr die ersten Demonstranten auf das Botschaftsgelände vordringen. Sie überwältigen die zum Schutz des Gebäudes eingesetzten US-Marineinfanteristen und bringen bis 12.30 Uhr das Gebäude endgültig in ihre Gewalt.Die in der Botschaft gefangenen Personen werden aus dem Haus gebracht. Währenddessen skandiert eine immer größer werdende Menschenmenge antiamerikanische Parolen: "Chomeini kämpft, Carter zittert, gebt uns den Schah, Tod den USA, Tod für Carter."

Friedliche Lösung?

Die Besetzungsaktion lässt die schon seit längerem bestehenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA auf den Siedepunkt steigen. Während die iranische Führung - die schon seit geraumer Zeit von der Regierung in Washington die Rückgabe des in den USA deponierten Schah-Vermögens verlangt und die USA zur Anerkennung ihrer Mitschuld an der Schah-Diktatur aufgefordert hatte - die Geiselnahme als "natürliche Reaktion" des iranischen Volkes rechtfertigt und Chomeini die Besetzung des angeblichen "Spionagezentrums" öffentlich gutheißt, bemüht sich US-Präsident James E. "Jimmy" Carter zunächst noch um eine friedliche Lösung.

Er nennt die Okkupation der Gesandtschaft einen völkerrechtswidrigen Akt des Terrorismus, für den allein die iranische Regierung verantwortlich sei. Zur Bekräftigung dieser Position ordnet er ein Bündel politischer und wirtschaftlicher Sanktionen an. Diese Schritte sind zwar geeignet, den Iran international zu isolieren, reichen aber nicht aus, um die Freilassung der Teheraner Geiseln zu erzwingen.

Zwar unterstützen nicht nur die Verbündeten der USA, sondern auch der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof in Den Haag den US-amerikanischen Rechtsstandpunkt, dass die Geiseln sofort freizulassen seien; die Iraner folgen diesen Beschlüssen aber nicht.

Die ohnmächtige Weltmacht

Ohnmächtig muss die Weltmacht USA mit ansehen, wie radikalisierte Iraner die US-Flagge auf offener Straße verbrennen und Stoffpuppen, die Präsident Carter darstellen, öffentlich aufhängen. Durch die maßgeblich von Chomeini geschürten Demonstrationen und die wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen der USA steigert sich die antiamerikanische Stimmung im Iran zu blankem Hass.

Chomeini nutzt die Geiseln, um die US-Regierung unter Druck zu setzen: Auf seine Initiative hin werden außer den gefangen gehaltenen Frauen auch die farbigen Botschaftsangehörigen in die USA entlassen, weil - so die Begründung - die "Schwarzen seit langem schon in den USA in Unterdrückung leben". Weihnachten lässt er als Zeichen seiner Humanität Geistliche der großen christlichen Glaubensrichtungen nach Teheran kommen. Zur gleichen Zeit erklären aber seine militanten Anhänger, alle Geiseln würden bei einer militärischen Intervention der US-Amerikaner umgebracht. In der Tat wird in der US-amerikanischen Öffentlichkeit über eine bewaffnete Geiselbefreiung spekuliert, die entweder von den Flugzeugen der im Indischen Ozean stationierten US-Flugzeugträger oder von der in Fort Bragg stationierten Eingreiftruppe der 82. Luftlandedivision durchgeführt werden könnte. Aber die Erfolgsaussichten sind schlecht, denn die Geiseln werden an unbekannte Orte gebracht.

Wachsende Radikalisierung

Im Iran führt die Botschaftsbesetzung zu wachsender Radikalisierung. Am 5. November tritt der gemäßigte Ministerpräsident Mehdi Basargan mit seinem Kabinett mit der Begründung zurück, dass die ständigen Einmischungsversuche der verschiedenen Revolutionsorgane ihm eine weitere Amtstätigkeit nicht mehr erlauben würden. Chomeini betraut daraufhin den 14köpfigen Islamischen Revolutionsrat mit der Führung der Regierungsgeschäfte.

Dieses Gremium setzt am 16. November eine Regierung ein, in dem der Wirtschaftsminister Abol Hassan Banisadr (bis 28. 11. auch Außenminister), Innenminister Hojatoleslam Akbar Hashemi Rafsanjani und Außenminister Sadegh Ghotbsadeh die herausragenden Persönlichkeiten sind.

Den Konflikt mit den USA nutzt Chomeini geschickt für die am 2./3. Dezember angesetzte Volksabstimmung über die Verfassung der Islamischen Republik, die mit überwältigender Mehrheit (15 680 329 Ja- und 78 516 Nein-Stimmen) angenommen wird. Zuvor hatte Chomeini die Parole ausgegeben, wer seine Stimme nicht für die Verfassung abgebe, für den sei das Blut der islamischen Märtyrer umsonst geflossen. Die Verfassung ist auf die Person Chomeinis zugeschnitten und sieht eine Art Über-Präsidenten vor, der u.a. den vom Volk gewählten Staatschef ernennt und weitreichende Befugnisse bei allen politischen Entscheidungen hat.

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