Die “Wissenschaft des Wassers”
Das Wort Hydrologie leitet sich aus dem Altgriechischen von hýdron (Wasser) und lógos (Wissenschaft) ab. Sie erforscht die Arten, Eigenschaften und Erscheinungsformen des Wassers und umfasst eine große Anzahl wissenschaftlicher Forschungsbereiche aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten: Biologie, Chemie und Physik. Sie unterteilt sich in mehrere Spezialgebiete: die Hydrostatik (die Lehre von den Eigenschaften der Flüssigkeiten im ruhenden Zustand), die Hydrobiologie, die Hydrochemie und die Hydromikrobiologie.
Die Unterdisziplinen der Hydrologie zeigen die naturwissenschaftliche Relevanz dieser Wissenschaft, die besonders in den Bereichen Ökologie und Ökonomie von immenser Bedeutung für unser tägliches Leben ist. Denn das Wasser wird sich in den nächsten Jahrzehnten neben Erdöl und Erdgas zum wichtigsten und auch umstrittensten Rohstoff der Erde entwickeln. Bisher lässt sich die Problematik zunehmend knapper werdender Wasservorräte schon in aller Deutlichkeit in den Trockengebieten Afrikas, Zentralasiens, Chinas und Indiens beobachten.
Dort sind Hydrologen gefragt, die analysieren, wie sich die Wasserverknappung und die damit einhergehende Verschlechterung der Wasserqualität sowohl auf die natürliche Umwelt als auch auf die wirtschaftliche und soziale Lage der betroffenen Bevölkerung auswirkt. Sie werden Maßnahmen zur Eindämmung des zunehmenden Wasserverbrauchs erörtern und den Weg zu einer Wasser sparenden, nachhaltigen Bewässerungswirtschaft weisen. Doch auch bei der Vorhersage von Hochwassersituationen oder der täglichen Erforschung und Aufzeichnung der Wasserstände von fließenden Gewässern und Seen sind Hydrologen nicht mehr wegzudenken.
Kurz & bündig
Hydrologen erforschen das Wasser, das sich über, auf und unter der Erdoberfläche gebildet hat. Sie beschäftigen sich mit seiner Verteilung in Raum und Zeit, mit seiner Zirkulation und seinen physikalischen, chemischen sowie biologisch verursachten Eigenschaften und Wirkungen.
Wo arbeiten Hydrologen?
Hydrologen haben vielfältige Arbeitsmöglichkeiten in der Wasserwirtschaft und -forschung. Gerade nach der durch Verschmutzungsprobleme boomenden Entwicklung der qualitativen Hydrologie in den 80er Jahren, ist das Stellenangebot in Forschungseinrichtungen gestiegen. Im operativen Dienst können Hydrologen in Einrichtungen der Wasserwirtschaft, der Meteorologie und der Umweltüberwachung arbeiten. Weitere Stellen finden sich aber auch bei der Schifffahrt und bei den Wasser- und Bodenverbänden. Als angewandte Hydrologen sind sie in Ingenieurbüros, Verbänden, Instituten in der Agrar-, Forst-, Gebirgs- und Stadthydrologie beschäftigt. Außerdem können sie als Berater in internationalen Organisationen bei Nutzungs- und Bewirtschaftungsfragen tätig sein. Die Forschung und Lehre an Hochschulen und Universitäten sowie an anderen Forschungseinrichtungen bietet ein weiteres Arbeitsfeld für ausgebildete Hydrologen. Insbesondere handelt es sich hierbei um Projekte auf den Gebieten der Klimaforschung, des globalen Wandels, der Biologie und Geowissenschaften.
Was genau machen Hydrologen?
Das Spektrum der beruflichen Einsatzfelder reicht von der Verwaltung über wissenschaftliche Forschung bis hin zu Beratertätigkeiten. Grundsätzlich jedoch werden hydrologische Prozesse und ihre Beziehungen zur Umwelt, einschließlich ihrer Lebewesen, untersucht und damit eine Grundlage für die Planung und Durchführung wasserwirtschaftlicher Maßnahmen geschaffen. Dies ist wichtig, um letztendlich eine rationellere Nutzung der Wasserressourcen (nach Menge und Beschaffenheit) erschließen zu können. Dabei gibt es drei Hauptarbeitsgebiete in der Hydrologie: die Beobachtung und Messung der hydrologischen Prozesse; die systematische Analyse der hydrologischen Erscheinungen als Grundlage für die Entwicklung und Erweiterung von Theorien und Verfahren; die Anwendung dieser Theorien und Verfahren, um praktische Aufgaben zu lösen.
“Die Datenerhebung wird meistens an Labore vergeben. Wir führen sie äußerst selten selbst durch, verrät Diplom-Geograph und -Hydrologe Ulrich Göttelmann, der freiberuflich als beratender Geowissenschaftler bei Göttelmann & Ross tätig ist. “Wir sind vorrangig mit der Auswertung von vorhandenen Daten beschäftigt. 70 Prozent der Arbeit findet am Computer im Büro statt, dagegen nur 30 Prozent im Gelände. Die Arbeitsaufteilung erfolgt in Ulrich Göttelmanns Fall aber auch deshalb so, weil bei ihm als Freiberufler mit eigenem Büro auch Arbeiten wie Akquise, Kontaktpflege oder Büroorganisation bewältigt werden müssen.
Hydrologen beschäftigen sich auch mit Gewässerentwicklungsplanungen. Zusammen mit Landschaftsplanern sind sie dann für eine Gemeinde oder Behörde zuständig und müssen Strukturgütekartierungen im Gelände vornehmen, Berichte erstellen und die Ergebnisse in Geographischen Informationssystemen (GIS) aufarbeiten. “Ziel ist hier, dass die Gewässer sich zu einem natürlicheren Zustand hin entwickeln, erklärt Ulrich Göttelmann. “Oder wir führen eine Restwasseruntersuchung für einen Umweltverband in der Schweiz durch, bei der es um die ökologische Verträglichkeit einer bestimmten Restwasserstrecke geht, die von einem Kraftwerk wegführt. Dabei fallen Abfluss- und Temperaturmessungen samt Computerauswertungen an, berichtet Hydrologe Göttelmann. Geostatistische Auswertungsverfahren und GIS-Techniken gehören deshalb zum täglichen Werkzeug eines Hydrologen.
Ist man bei einer Behörde in der Verwaltung tätig, sehen die Aufgabenfelder ganz anders aus. In einem Amt überwiegen Verwaltungs- und Recherchearbeiten (zum Beispiel in Umwelt- oder Stoffdatenbanken). Die Arbeit am Computer sollte also kein Problem darstellen. Ellen Six, Hydrologin beim Umweltbundesamt, bereitet im Fachgebiet “Übergreifende Angelegenheiten, Wasserwirtschaft/Grundwasserschutz unter anderem Richtlinien für Rahmengesetzgebungen mit vor. “Bei meiner Arbeit als Hydrologin sind politische Stellungnahmen gefordert. Wir geben Empfehlungen für die Umsetzung von Gesetzen. Zum Beispiel stand da die Wasserrahmenrichtlinie an, die für ganz Europa gilt. In ihr wurde ein Ordnungsrahmen für den Schutz von Binnenoberflächen-, Übergangs-, Küstengewässern und Grundwasser geschaffen, um einen stärker ökologisch ausgerichteten Gewässerschutz zu entwickeln. Um das zu erreichen, muss jeder Mitgliedsstaat Ist- und Soll-Zustände feststellen und Maßnahmen festlegen.
Dazu sind Hydrologen nötig, diesmal für folgende Aufgaben: Es müssen sowohl Flusseinzugsgebiete und Typen der Oberflächengewässer als auch Referenzbedingungen und Messstellen bestimmt und Grundwasserkörper beschrieben werden. Zusätzlich sind Bewertungsverfahren zu entwickeln, um die Gewässerzustände nach beispielsweise morphologischen und biologischen Zuständen beurteilen zu können. Dazu ist die Zusammenarbeit mit Leuten aus den unterschiedlichsten Disziplinen notwendig: “Für eine ganzheitliche Betrachtung muss man übergreifend arbeiten. Beispielsweise hängen Landwirtschaft und Wasser zusammen, denn Düngungen und Pflanzenschutzmittel haben Auswirkungen auf die Wassergüte; oder auch Abfallgesetzgebung und Wasserwirtschaft, weil genauso Stoffe aus Klärschlämmen oder Mülldeponien in den Wasserkreislauf gelangen können, berichtet Ellen Six.
Wer ist geeignet?
Für diesen Beruf eignen sich:
- Diplom-Hydrologen/-Hydrologinnen
- Diplom-Ingenieure der Wasserwirtschaft
- Hydrogeologen/-geologinnen
- Hydrographen/-graphinnen
- Hydrobiologen/-biologinnen
- Hydrochemiker/innen
- Absolventen eines geowissenschaftlichen Studiums
Vor allem sollten zukünftige Hydrologen an der Sicherstellung gesunder Umweltbedingungen für Mensch und Natur interessiert sein.
Wo und wie studieren?
Der klassische Weg zu diesem Beruf ist ein Studium der Hydrologie. Dieser Diplomstudiengang kann an der Technischen Universität Dresden sowie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg absolviert werden. Im Hauptstudium erfolgt die Vermittlung von modernen Arbeitstechniken (Tracerverfahren, Einsatz elektronischer Messtechnik, Datenverarbeitung, chemisch-analytische Methoden). Wer großes Interesse an den Naturwissenschaften mitbringt, liegt bei diesem Studiengang völlig richtig.
Wer eine größere Neigung für die Ingenieurwissenschaften besitzt, sollte sich über den Studiengang Wasserwirtschaft der Hydrologie nähern. Dies ist auch an der Technischen Universität Dresden mit zwei verschiedenen Studienrichtungen, der Siedlungswasser- und Industriewasserwirtschaft oder der Wasserbewirtschaftung, möglich. Der Studiengang Wasserwirtschaft stellt ein umweltorientiertes Ingenieurstudium dar, wobei der Schutz, die Bewirtschaftung und Regenerierung der natürlichen Ressourcen im Mittelpunkt der Ausbildung stehen. Häufig arbeiten auch Absolventen der Unterdisziplinen der Geowissenschaften im Forschungsfeld Hydrologie. Einen Überblick über geowissenschaftliche Studiengänge erhält man unter Studien- und Berufswahl im Internet.
Besonders wichtig ist es, sich neben dem Studium Zusatzqualifikationen wie Management- und IT-Wissen anzueignen. Daher rät Ulrich Göttelmann: “Auch wenn man als Hydrologe ein gutes Prozessverständnis hat, allerlei Verbindungen zwischen verschiedenen Wissenschaften und Gesellschaftsbereichen herstellen kann, somit also einen ganzheitlichen Ansatz verwirklicht, muss man sich seinen Platz erst erkämpfen. Die Bauingenieure der Wasserwirtschaft haben es leichter, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen.
Kontakt
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (ATV-DVWK)
Theodor-Heuss-Allee 17
D-53773 Hennef
Tel.: 02242/872-0
Fax: 02242/872-135
E-Mail: lumma@atv.de
http://www.atv.de
Fachsektion Hydrogeologie in der Deutschen Geologischen Gesellschaft (FH-DGG)
Institut für Allgemeine und Angewandte Geologie Ludwig-Maximilians-Universität München
Luisenstraße 37
D-80333 München
Tel.: 089/2180-6569
Fax: 089/2180-6594
E-Mail: stefan.wohnlich@iaag.geo.uni-muenchen.de
http://www.tu-darmstadt.de/fb/geo/fhdgg/_start.htm
Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau e.V. (BWK)
Pappelweg 31
D-40489 Düsseldorf
Tel.: 0211/1590-0, -2212
Fax: 0203/742521
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