Mehr als 1 Mio. Menschen sind auf den Straßen, als der greise Schiitenführer in Begleitung von etwa 50 Mitarbeitern und rund 150 Journalisten in einer von der Air France gecharterten Boeing 747 auf dem Teheraner Flughafen Mehrabad landet. Das Militär hat sich zurückgezogen, etwa 50 000 freiwillige "islamische Polizisten" sorgen für die Aufrechterhaltung der Ordnung.
Klare Worte
Chomeini hält nach seiner Ankunft eine kurze Rede. Er nennt die amtierende Regierung Bachtiar als von Beginn an ungesetzlich. Sie müsse durch eine wahrhaft islamische Regierung ersetzt werden. Ähnlich äußert er sich auch in einer Ansprache auf dem Teheraner Friedhof Behest-e-Sara: "Von jetzt an bin ich es, der die Regierung ernennt. Ich werde dieser Regierung die Faust ins Gesicht schlagen. Alle diese Leute werde ich vor Gericht stellen lassen."
Damit ist klar, dass Chomeini den Machtkampf mit Premier Bachtiar sucht. Dabei steht der Regierungschef, den der Schah erst am 4. Januar eingesetzt hat, von Beginn an in der Defensive. Mit der Ernennung Bachtiars hatte der Schah versucht, der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Die Unzufriedenheit mit dem autokratischen Herrschaftssystem war Ende 1978 in bürgerkriegsähnlichen Unruhen eskaliert. Am 29. Oktober begann ein Generalstreik in der Ölprovinz Chusestan, der die Wirtschaft des Landes weitgehend lahmlegte und bis zum Jahresende zu einer vollständigen Einstellung der Ölexporte führte. Wiederholt kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Anhängern von Chomeini, der am 6. Oktober den Irak – wo er sich seit seiner Ausweisung aus dem Iran 1964 aufgehalten hatte – verlassen musste und ein Exil in Frankreich fand.
Die Regierung Bachtiar - Anfang und Ende
Am 31. Dezember 1978 trat die Militärregierung unter Führung von General Gholam Resa Azhari zurück. Der neue Chef einer Zivilregierung, der 64-jährige Bachtiar, war ursprünglich einer der Führer der in der Nationalen Front vereinigten Opposition. Dennoch erklärte er sich bereit, die Regierungsbildung zu übernehmen, um eine Herrschaft der militanten Anhänger Chomeinis zu verhindern. Doch Bachtiar gelang es nicht, mit einer Politik der innen- und außenpolitischen Zugeständnisse an die Opposition den Gang der Dinge aufzuhalten. Sowohl die Nationale Front (am 4. 1.), die ihn sogar aus ihren Reihen ausschloss, als auch Chomeini (am 6. 1.) verweigerten jede Zusammenarbeit.
Bachtiar setzte vor allem auf die vom Schah aufgebaute Armee, zu deren Unterstützung die US-Regierung am 4. Januar den Vier-Sterne-General Robert E. Huyser nach Teheran entsandt hatte. Doch dieser Machtfaktor bröckelte rasch. Als am 10. und 11. Januar in Teheran Kämpfe zwischen der Kaiserlichen Garde und Luftwaffenkadetten – von den bewaffneten Anhängern Chomeinis unterstützt – begannen, löste sich die bis dahin loyale Armee praktisch auf.
Am 11. Februar erklärt die Militärführung ihre Neutralität. Das Parlament bricht auseinander, und Bachtiars Kabinett tritt zurück: Er selbst flieht aus dem Iran nach Paris, wo er erst Ende Juli wieder an die Öffentlichkeit tritt.
Die "Revolutionsregierung" und die Geburt der Islamischen Republik
Die politische Gewalt liegt jetzt in den Händen von Chomeini, der am 5. Februar eine "Revolutionsregierung" unter Führung von Mehdi Basargan ernennt; dieser saß als Oppositioneller unter dem Schah-Regime lange Jahre in Haft. Basargan gilt als tief religiös, ist Verfasser mehrerer theologischer Schriften und vertritt wie Chomeini den Grundsatz der Untrennbarkeit von Politik und Religion.
Der 11. Februar ist praktisch die Geburtsstunde der Islamischen Republik Iran. Der Religionsführer selbst zieht sich am 28. Februar in die Heilige Stadt Ghom zurück. Dennoch bleibt er der mächtigste Mann im Land, das vollständig umgestaltet wird.



