Viele der Urteile fällt Ayatollah Sadegh Khalkali, den Chomeini-Gegner im Ausland als "Blutrichter" schmähen. Nicht nur politische Opponenten, sondern zunehmend auch missliebige Personen aller Art – Prostituierte, Ehebrecher, Drogenhändler und Homosexuelle – werden von den Revolutionsgerichten zum Tode verurteilt.
Wirtschaft kommt zum Erliegen
Die islamische Revolution verändert auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände im Iran. Das Schah-Regime hatte – gestützt auf die Öleinnahmen – versucht, das Land mit westlicher Hilfe innerhalb weniger Jahre in einen modernen Industriestaat zu verwandeln. Damit ist zunächst Schluss: Banken und Versicherungen werden verstaatlicht, ausländische Investoren ziehen sich zurück, in den ersten Monaten nach dem Umsturz kommt die Wirtschaft fast zum Erliegen.
Rechte der Frauen werden beschnitten
Den iranischen Frauen hatte das alte Regime – um sich Massenloyalität zu sichern – u.a. das Wahlrecht gewährt. Gegen die neuen Vorschriften von Schiitenführer Ayatollah Ruhollah Chomeini – u.a. müssen sie muslimische Kleidung tragen, ihre bürgerlichen Rechte werden entsprechend islamischen Traditionen beschnitten – protestieren am 8. und 10. März Zehntausende Frauen in Teheran.
Katastrophale Bilanz
Immer deutlicher werden Differenzen zwischen Chomeini und der provisorischen Revolutionsregierung unter Führung von Mehdi Basargan; sie fühlt sich durch die Volksgerichte und die Aufstellung Chomeini-treuer Islamischer Revolutionsgarden in ihrer Autorität beschränkt. Basargan vergleicht am 28. Mai die Lage des Iran mit einer Westernstadt, die 100 Sheriffs habe. Ex-Regierungschef Schahpur Bachtiar sagt am 31. Juli: "Die Bilanz von sechs Monaten Islamischer Republik ist katastrophal."
Chomeini zeigt sich von den Protesten unberührt, zumal auch 99,3% der Bevölkerung am 30./31. März für die von ihm proklamierte Islamische Republik als neue Staatsform votieren. Minderheiten werden immer stärker unterdrückt: Am 27. und 28. März schießen Revolutionsgardisten auf sunnitische Turkmenen, am 29. und 30. Mai töten islamische Revolutionswächter (Pasdaran) über 100 arabische Einwohner der Provinz Chusestan, am 27. August beginnen Regierungstruppen eine Offensive gegen die Kurden, und am 10. September wird eine Pilgerstätte der Bahai-Religion in Schiraz verwüstet.



