In-vitro-Fleisch - Hack und Co aus dem Reagenzglas
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In-vitro-Fleisch - Hack und Co aus dem Reagenzglas

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein echtes Schnitzel, für das kein Schwein sein Leben lassen musste: Das klingt paradox, könnte in Zukunft aber durchaus Realität werden. Forscher arbeiten seit einigen Jahren nämlich an sogenanntem In-vitro-Fleisch - Fleisch, das im Reagenzglas wächst. Als Pioniere auf diesem Gebiet gelten Wissenschaftler um Mark Post von der Universität Maastricht. Sie präsentierten im Jahr 2013 das erste, jemals im Labor entstandene Fleischstück: eine Rinderbulette, zusammengesetzt aus 20.000 winzigen Muskelfaserstreifen.

Mosa Meat, Redwan Farooq

Ein echtes Schnitzel, für das kein Schwein sein Leben lassen musste: Das klingt paradox, könnte in Zukunft aber durchaus Realität werden. Forscher arbeiten seit einigen Jahren nämlich an sogenanntem In-vitro-Fleisch - Fleisch, das im Reagenzglas wächst. Als Pioniere auf diesem Gebiet gelten Wissenschaftler um Mark Post von der Universität Maastricht. Sie präsentierten im Jahr 2013 das erste, jemals im Labor entstandene Fleischstück: eine Rinderbulette, zusammengesetzt aus 20.000 winzigen Muskelfaserstreifen.

Statt eine Kuh zu mästen und zu schlachten, hatten Post und seine Kollegen einem Tier im Rahmen einer Biopsie Muskelstammzellen entnommen und diese dann vermehrt. Dabei entwickelten sich die Zellen in einer Nährlösung zu ausdifferenzierten Muskelzellen, die schließlich auf einer Art Gerüst zu Muskelfasern zusammenwuchsen. Ein ähnliches Prinzip wenden Wissenschaftler beim Züchten von Gewebe zu medizinischen Zwecken an - eine Methode, die sich etwa bei Hauttransplantationen bewährt hat.

Von Rindfleisch bis zu Fisch

Geschmacklich konnte die Bulette damals zwar nur mäßig überzeugen und auch die Herstellungskosten schienen wenig praxistauglich: stolze 250.000 Euro pro Burger. Inzwischen hat sich allerdings einiges getan. So sind die Labor-Metzger der Marktreife heute deutlich näher als noch vor fünf Jahren. Zudem mischt längst nicht mehr nur ein Unternehmen an vorderster Front in Sachen In-vitro-Fleisch mit.

Neben der von Post gegründeten Firma Mosa Meat will unter anderem das US-amerikanische Unternehmen Memphis Meats schnellstmöglich Fleisch aus Zellkulturen auf unsere Teller bringen. Vor zwei Jahren stellte die Firma ihr eigenes Fleischbällchen aus Muskelzellen von Rindern und Schweinen vor. 2017 folgten Enten- und Hähnchenfleisch. Ebenfalls an Hähnchenfleisch aus dem Reagenzglas tüftelt zurzeit das israelische Start-Up Supermeat. Indes versucht die US-Firma Finless Food Fischfleisch im Labor zu erzeugen.

iStock.com, nevodka

Klimafreundlich und artgerecht?

Verbunden mit diesen Bemühungen ist eine Hoffnung: den weltweit wachsenden Hunger nach Fleisch umweltfreundlich und artgerecht stillen zu können. Denn in der Theorie könnte In-vitro-Fleisch die massenhafte Schlachtung von Tieren vermeiden, knappe Ressourcen wie Wasser und Ackerflächen sparen und außerdem besser für das Klima sein. So bedeuten weniger Kühe auf den Feldern beispielsweise weniger Ausdünstungen des Treibhausgases Methan.

Fakt ist aber auch: Bis es so weit ist, müssen Forschung und Industrie noch einige Hürden überwinden. Da wäre zum Beispiel die derzeit noch nicht vorhandene Möglichkeit der Massenproduktion. Zudem ist keineswegs klar, wie gut die Ökobilanz künstlicher Fleischprodukte in der Praxis wirklich sein wird. Bei Rindfleisch könnte es Studien zufolge ganz gut aussehen. Bei Schwein und Huhn gestaltet sich die Sache aber womöglich schon anders. Klar ist: Die Bioreaktoren, in denen Burger und Co einmal heranwachsen sollen, werden viel Energie verbrauchen.

Ganz ohne Tierleid geht es noch nicht

Ein weiteres Problem: Massenschlachtungen von Tieren fallen zwar weg - ganz ohne Tierleid kommen die derzeit genutzten Verfahren allerdings nicht aus. Der Grund: Die für die Zellkulturen verwendete Nährlösung enthält häufig fetales Kälberserum. Dieses wird dem noch lebendem Fötus aus dem Herzen entnommen, der anschließend im Mutterleib getötet wird. Dass dies aus ethischen Gründen langfristig nicht das Mittel der Wahl sein kann, haben Forscher erkannt. Sie suchen bereits nach pflanzlichen Stoffen, die Zellen in vergleichbarer Weise zur Vermehrung anregen können.

Lassen sich all diese Herausforderungen meistern, könnte das "Kunstfleisch" tatsächlich ein wichtiger Faktor der Ernährung der Zukunft werden. So zeigt eine Bevölkerungsumfrage des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT): Die Mehrheit der Befragten kann sich In-vitro-Fleisch als mögliche Alternative zum konventionellen Fleisch vorstellen - und ist seinem Konsum zumindest grundsätzlich nicht abgeneigt.

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