Interview mit Reinhold Messner
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Interview mit Reinhold Messner

Bild: Foto: Markus Willimann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Fast jeder kennt ihn: Reinhold Messner, Gipfelstürmer und Grenzgänger aus Südtirol. Weltweit gibt es nur wenige Menschen, die sich derart vielen physischen aber auch psychischen Herausforderungen stellen und diese überleben.

Extremsportler und Lebenskünstler

Fast jeder kennt ihn: Reinhold Messner, Gipfelstürmer und Grenzgänger aus Südtirol. Weltweit gibt es nur wenige Menschen, die sich derart vielen physischen aber auch psychischen Herausforderungen stellen und diese überleben.
Aufmerksamkeit, nicht nur unter Bergsteigern, erregte 1978 die bis dahin als unmöglich erachtete Besteigung des Mount Everest (8850 m) ohne künstlichen Sauerstoff.
Aber auch andere Höchstleistungen wie verschiedene Erstbegehungen, der erste Alleingang auf den Everest, die erste Achttausender-Doppelüberschreitung oder die erste Besteigung aller Achttausender dieser Erde gehen auf sein Konto.
Mit unserer Redaktion sprach der Extremsportler über vollbrachte Höchstleistungen am Everest, bergsteigerische Ziele und seine zahlreichen Veröffentlichungen.

Der Mount Everest und das Höhenbergsteigen

wissen.de: Der Mount Everest zieht Bergsteiger auf der ganzen Welt in seinen Bann. Wie wichtig war es für Sie, den Gipfel zu besteigen und welche Ihrer Expeditionen zum Mount Everest war die für Sie beeindruckendste?

Messner: Der Alleingang 1980 ist und bleibt meine persönliche Grenzerfahrung am Mount Everest. Aber auch 1978, als ich erstmals ohne Maske hochstieg, war das beängstigend, weil es niemand für möglich hielt. Nicht der Gipfel war wichtig, sondern die Erfahrung, die es so nicht gab.

wissen.de: Im Jubiläumsjahr 2003 haben sich insgesamt 40 Expeditionen zum Everest-Gipfel aufgemacht. Was halten Sie von einem solchen Massenansturm? Wie schätzen Sie dabei die Risiken ein und gibt es bei solchen "Großveranstaltungen" überhaupt noch Platz für so etwas wie ein "Abenteuer Berg"?

Messner: Die Aufstiege in Massen sind nicht nach meinem Geschmack. Aber heute kann jede und jeder auf den Mount Everest. Der Berg wird für Massenaufstiege präpariert. Auf die Probleme und Folgen dieser Praktiken bin ich in meinem Buch “Mount Everest Expeditionen zum Endpunkt“ (BLV-Verlag) ausführlich eingegangen (mehr Informationen zum Buch).

Von Gipfelsiegen und Gipfelzielen

wissen.de: Gibt es Ihrer Meinung nach eine bergsteigerische Moral, nach der "Gipfelsiege" bewertet werden können und wie schätzen Sie die Leistung der Erstbesteiger des Mount Everest ein?

Messner: Moral ist kein Maßstab für Bergbesteigungen. So wenig wie die Zeit. Die Erstbesteigung war um ein Vielfaches schwieriger als jede heutige Besteigung. Die wirklich schwierigen Touren finden heute an niedrigeren Bergen statt.

wissen.de: In der Geschichte des Bergsteigens wurden Erstbesteigungen häufig als nationale Siege gefeiert. Spielt das nationale Prestige auch unter den heutigen Expeditionen eine wichtige Rolle?

Messner: Nicht für mich. Nationales Prestige mit “Gipfelsiegen“ zu verbinden war mir von Anfang an suspekt. Deshalb war meine Fahne immer das Taschentuch. Krieg und Bergsteigen passen doch nicht zusammen.

wissen.de: Die Gipfel der Erde sind alle bestiegen. Worin liegt die aktuelle Herausforderung für Extrembergsteiger und wie wird die Zukunft des "professionellen" Bergsteigens aussehen?

Messner: Es gibt genug Herausforderungen: Schwierige Routen auf bestiegenen Gipfeln, Überschreitungen, Wintermonsun-Besteigungen. Die nächsten Generationen werden neue Ziele erfinden. Auch ich habe noch ein paar Ziele.

Bücher – Egoismus – Engagement

wissen.de: Sie waren einige Zeit lang Abgeordneter der italienischen Grünen im Europaparlament - Höchstleistungen im alpinen Bereich werden jedoch häufig mit Egoismus und Einzelkämpfertum gleichgesetzt. Woher kommt dann Ihr politisches Engagement?

Messner: Seit zwei Jahrzehnten bin ich politisch interessiert. Mein ökologisches und soziales Engangement stand immer an erster Stelle. Zur Zeit baue ich für Himalaya-Bewohner Schulen. Egoismus gehört zum Bergsteigen aber nicht nur (Anmerkung der Redaktion: Näheres finden Sie auf der offiziellen Reinhold Messner-Homepage).

wissen.de: Sie sprechen sich immer wieder für die Erhaltung der unberührten Natur in den Bergen aus. Gleichzeitig fördern Ihre Bücher sicher die Begeisterung der breiten Masse für das Bergsteigen. Nicht wenige wollen dann natürlich auch hoch hinaus. Wie lässt sich ihre Öffentlichkeitsarbeit rund um das Thema Bergsteigen mit den ideologischen Zielen vereinbaren?

Messner: Ganz einfach. Wer meinen Vorstellungen folgt jede/r gehe dorthin wo die anderen nicht sind; keine Spuren hinterlassen; Verzicht auf Technologie ruiniert die Berge nicht. Nicht wo und wie schnell nur wie ist die Frage.

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