Politische Unruhen
John Locke wurde am 29. August 1632 in Wrington bei Bristol geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der renommierten Westminster-Schule in London und studierte im Anschluss Naturwissenschaften und Medizin an der Universität von Oxford, wo er nach der Promotion auch als Lehrer für Griechisch, Rhetorik und Moralphilosophie wirkte. Entscheidend für seinen weiteren Lebenslauf wurde die langjährige freundschaftliche Verbindung mit dem Staatsmann Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, in dessen Haus er 1667 als Arzt und Lehrer kam und schließlich sogar zu Shaftesburys politischem Berater aufstieg. Doch die Zeiten änderten sich: 1675 emigrierte Shaftesbury, der gerade noch Lordkanzler gewesen war, nach Frankreich und Locke begleitete ihn. Im Kampf um den Ausschluss des katholischen Jakob Stuart von der Thronfolge, musste Shaftesbury schließlich nach Holland fliehen und Locke begleitete ihn erneut. Shaftesbury machte sich nicht nur einen Namen als Förderer von John Locke: Er setzte im Jahr 1679 die Habeas-Corpus-Akte durch, die einen Schutz gegen willkürliche Verhaftungen festschrieb.
Die unblutige Glorious Revolution der Jahre 1688/1689 brachte England endlich die ersehnte Stabilität und Locke kehrte mit Wilhelm (III.) von Oranien nach England zurück. Erst nach dieser Rückkehr widmete sich Locke verstärkt seinen philosophischen Studien. Damals entstand der Großteil seiner Werke.
Der neue König - Wilhelm (III.) von Oranien - berief Locke im Jahr 1696 in das Kolonialministerium. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands legte Locke sein Amt 1700 nieder und zog sich auf seinen Landsitz Oates in Essex zurück, wo er am 28. Oktober 1704 verstarb.
Lockes Hauptwerk
Sein Hauptwerk „An Essay Concerning Human Understanding“ (Entwurf 1671, erstmalig veröffentlicht 1689/90, deutsch „Versuch über den menschlichen Verstand“ 1911-1913) war die Begründung des englischen Empirismus. Darin wandte sich Locke gegen die Lehre von den angeborenen Ideen und damit gegen René Descartes: Er ließ als Quelle der Erkenntnis nur die "sensation" (Sinneswahrnehmung) und die "reflection" (Selbstwahrnehmung) zu; die Seele wird zur "Tabula rasa" (unbeschriebene Wachstafel), die die aus der Erfahrung kommenden Erkenntnisse aufnimmt und bewahrt. Einfach ausgedrückt: Aus Erfahrung wird man klug. Denn Locke war überzeugt, dass der Mensch auch die sittlichen Normen erst durch Erfahrung lernen muss.
Revolutionäres Gedankengut
Als radikaler Vordenker des modernen Rechtsstaats, der Volkssouveränität und des Liberalismus erwies sich Locke mit der im Jahr 1690 erschienenen Schrift "Two Treatises on Government" (Zwei Abhandlungen über die Regierung). Locke erklärte, dass jeder Mensch unveräußerliche Rechte habe, z.B. auf Leben, Freiheit und Eigentum. Der Staat habe nun die Aufgabe, diese Grundrechte durch gegenseitige Beschränkungen zu garantieren. Im Unterschied zu Thomas Hobbes bestimmte Locke den Charakter des Staats eindeutig im Sinne der Volkssouveränität. Weder patriarchalische noch absolutistische Regierungsformen könnten nach Locke somit anerkannt werden. Nur die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative sowie das Recht auf freie Rede könnten ein Abgleiten in den Despotismus unterbinden. Nach Locke hat das Volk das Recht des Widerstands gegen jede Form verfassungswidriger Herrschaft, kann unrechtmäßige Gewalt also auch gewaltsam beseitigen. Damit wurde Locke zum Wegbereiter nicht nur der Aufklärung, sondern auch der amerikanischen Unabhängigkeit und zum Vordenker der Französischen Revolution.



