Aber bitte mit Stil
Meinung und Information trennen
Das ist die Grundregel, an die sich jeder Journalist zu halten hat. Der Leser möchte wissen, ob er nur informiert wird oder eine begründete Meinung erwarten darf.
Wie viel Meinung ist erlaubt?
Die Überschrift
Die Überschrift und der erste Satz (Leadsatz) entscheiden darüber, ob ein Artikel gelesen wird. Selbst geübte Journalisten knobeln an diesem Köder manchmal länger als für viele Zeilen des restlichen Textes.
Überschriften
- haben einen inhaltlichen Bezug zum Folgenden
- sind kein Kommentar (bei informierenden Beiträgen)
- geben kurz den wesentlichen Inhalt wieder
- wecken Neugier zum Weiterlesen
- erzeugen Spannung
Die Sprache sollte:
- kurz und knapp sein (auf Artikel kann verzichtet werden)
- Verben enthalten
- in der Regel im Präsens stehen
Überschriften sollten bei Aussagen eine Quelle enthalten. Beide können mit einem Doppelpunkt miteinander verbunden sein („Jackson: Ich hasse meine Fans!“). Ist die Quelle nicht so wichtig oder wird sie in einer Unterzeile genannt, kann ein Zitat in Anführungszeichen ebenfalls eine Überschrift sein. Dies ist die beste Lösung, da der Doppelpunkt den Textfluss hemmt - aus diesem Grunde waren eine Zeit lang bei einer großen Wochenzeitung Doppelpunkte im Prinzip „verboten“.
Über Berichten sind Fragezeichen nicht angebracht, schließlich sollen Fakten vermittelt werden.
Die Aufgliederung ist in Deutschland in zwei Teile üblich:
- Haupttitel oder Headline mit dem wichtigsten Sachverhalt
- Weitere Infos in der Unterzeile
Der rote Faden, das Ziel und das „Portal“
Jeder Artikel muss den berühmten „roten Faden“ haben, an dem sich Informationen, Eindrücke oder kommentierende Elemente ausrichten und an dem sich der Leser orientieren kann. Der Autor sollte sich sein Bindeglied vor Beginn des Schreibens überlegen - daran kann er seine Gedanken sortieren und den Text aufbauen. Eine Hilfe für den Leser ist also immer auch eine eigene Hilfe.
Ähnliches gilt für das Ziel. Gerade bei Artikeln, die kommentierende Elemente enthalten, sollte sich der Journalist vorher festlegen,
- ob er etwa in einem Portrait einen positiven Eindruck von einer Person oder einen negativen vermitteln will
- ob er das Konzert, den Film, die Oper oder das Theaterstück in einer Rezension loben oder verreißen wird
- welche Meinung er bei einem analytischen Stück vertritt
Dann kann er von Beginn mit seiner Wortwahl, dem Aufbau des Textes, den verwendeten Zitaten und bei der Auswahl seiner Inhalte auf dieses Ziel zuschreiben.
Der Leser möchte grob wissen, wohin ihn der Autor mit seinem Artikel führt. Deshalb sollte er bei längeren Texten - also Berichten, Features und Portraits - die These des Beitrages möglichst am Ende des ersten Absatzes oder zu Beginn des zweiten in einem oder zwei Sätzen zusammenfassen. Sie bildet so das „Portal“, also das Eingangstor, für den noch folgenden langen Text.
Die Nachricht - knackig und informativ
Nur sachliche Informationen über aktuelle Ereignisse sind gefragt. Keine eigene Meinung oder Eindrücke, nur Information.
Besonders bei dieser Stilform kommt es auf klar formulierte, möglichst kurze Sätze an. Nicht die chronologische Reihenfolge der Ereignisse ist wichtig, sondern deren Bedeutung und Aktualität. Der Aufbau einer Nachricht wird häufig mit einer umgedrehten Pyramide verglichen, also die wichtigste Information am Anfang. Die Länge einer Nachricht ist nicht festgelegt. Eine gute Nachricht liefert noch Hintergrund, zum Beispiel die Vorgeschichte zu einem Ereignis.
Die Sechs W's müssen am Anfang beantwortet werden:
- Wer?
- Wo?
- Wann?
- Was?
- Wie?
- (evtl.: Woher kommt die Information?)
Besonders wichtig ist der Einstieg:
- Kern der Nachricht wird genannt
- Reizwörter benutzen, um den Leser zu locken
- Klarheit und Einfachheit sind wichtig
- Zitate sind erlaubt, wenn sie den Kern treffen
Die Meldung zeichnet sich durch besondere Kürze aus. Häufig bringt sie brandaktuelle Informationen. Sie wird auch eingesetzt, wenn schlichtweg nicht mehr Informationen vorhanden sind oder die Bedeutung des Ereignisses nicht so groß ist.
Der Bericht
Der Bericht ist eine längere Nachricht. Nicht immer muss er einen brandaktuellen Anlass haben. Er sollte aber ins Tagesgespräch passen. Daher ist ein „Aufhänger“ nötig, wie es im Redaktionsdeutsch heißt.
Beim Bericht gelten alle Regeln wie für die Meldung. Der Autor muss sich bewusst sein, dass sein Text wegen des Layouts vielleicht gestutzt werden muss - und gekürzt wird fast immer von hinten. Das Wichtigste muss also auch bei einem längeren Bericht ganz oben stehen. Dennoch kann ein Bericht auch sehr lebendig und voller mitreißender Zitate sein.
Die Reportage - Kino im Kopf
Im Mittelpunkt der Reportage stehen Menschen und Handlungen. Der Journalist war selbst dabei! Das macht eine Reportage so lebendig, aber auch so schwierig. Sie kann eine Nachricht ergänzen, nicht aber ersetzen. In vielen Lehrbüchern wird sie als „Hohe Schule des Journalismus“ bezeichnet.
Genau beobachten und lebendig schreiben
Eine Reportage soll sein:
- bunt
- lebendig
- abwechslungsreich
- detailliert
- anschaulich
- informativ
Dem Leser wird das Gefühl gegeben, dabei gewesen zu sein. Das erreicht der Journalist durch:
- Zitate
- auftretende Personen
- Sinneseindrücke (Geräusche, Gerüche, Farben)
- Bilder (auch Metaphern)
- überraschende Gegensätze oder Vergleiche
- Beispiele
- Wechsel des Blickwinkels, d.h. ständiges Schwenken vom Besonderen (Einzelheiten) zum Allgemeinen (größerer Rahmen), ohne jedoch den roten Faden zu verlieren.
Dabei ist auch die Ich- oder Wir- Form möglich; dann schaut der Leser dem Reporter quasi „über die Schulter“. Doch Vorsicht: Der Schreiber darf nicht auf einmal im Mittelpunkt stehen und der Leser als unbeteiligter Zaungast nebendran. Umgekehrt muss es sein. Denn in der Regel braucht der Leser keinen Vermittler zum Geschehen, sondern er steht selbst mittendrin. In manchen Redaktionen sind Ich- und Wir-Form daher tabu. Der Autor kann aber dann auftreten, wenn es für das Verständnis nötig ist oder er eine Selbsterfahrung (zum Beispiel beim Bungee-Jumping) beschreibt.
Aller Anfang ist schwer. Das ist zwar eine Floskel, doch bei der Reportage trifft dies ganz besonders zu. Sie ist meistens ein längerer Artikel und muss daher ihre Leser zu Beginn einfangen und sie in ihrem Verlauf fesseln. Die Hauptzeit ist das Präsens.
Bewährte Einstiege in eine Reportage:
- Ein Zitat, das möglicherweise provoziert, neugierig macht
- Ungewöhnliches als Schocker oder Witziges
- Der Zoom-Effekt (Ein kleiner Ausschnitt wird detailliert und bunt beschrieben. Das führt langsam zum Weitwinkel und damit zum allgemeinen Rahmen)
- Ein ungewöhnlicher Gegensatz
- Eine Szene, häufig in Verbindung mit dem Zoom-Effekt
Wie bei allen anderen Stilformen entscheidet bei der Reportage der erste Absatz, manchmal sogar nur der erste Satz, ob jemand den Artikel komplett liest oder schon zum nächsten Text springt.
Die Reportage fesselt dadurch, dass sie auf ihrer lebendigen und abwechslungsreichen Ebene bis zum Schluss gehalten wird (langer Spannungsbogen). Eine chronologische Aneinanderreihung von Ereignissen wirkt tödlich. Auch darf sich der Leser nicht plötzlich in einem Bericht wiederfinden.
Obwohl die Reportage stark von subjektiven Eindrücken geprägt ist, steht die Vermittlung von Information, nicht die Meinung im Vordergrund. Sie ist ein Päckchen (Information), das erst eine Schleife (Eindrücke) attraktiv macht. Beide dürfen jeweils nicht zu groß werden. Ist das Päckchen zu groß, wird die Reportage plump und schwer. Zieht die Schleife zu große Kreise, verwickelt sie sich im bunten Chaos ohne Inhalt. So müssen naheliegende Fragen auf jeden Fall beantwortet werden. Ist dies durch Beschreibung oder Zitate nicht möglich, muss der Reporter sie erläutern. Bestimmte Fakten wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise oder Termine können die Blattmacher auch in einen Info-Kasten auslagern, den sie neben der Reportage platzieren.
In einer Reportage darf - ja soll - der Schreiber mit der Sprache spielen. Sie braucht viel Adjektive, aber so wenig wie möglich Passiv. Lautmalerei, unübliche Kombinationen und Vergleiche erzeugen Neugier.
Wichtig für eine flüssige Reportage ist:
- richtig beobachten
- auf Kleinigkeiten achten
- Zitate aufschnappen
- Sinneseindrücke (evtl. getrennt) notieren
- Ambiente/Stimmung aufnehmen
- Zusammenhänge erkennen
- mitschreiben, mitschreiben, mitschreiben! (der Journalist hat bei der Reportage wesentlich mehr Notizen im Block als bei einer Nachricht oder einem Bericht)
„Reportage ist Kino im Kopf“ - diesen alten Reporterspruch gilt es umzusetzen. Dazu muss jedoch jede Beschreibung wirklich authentisch sein, damit im Kopf des Lesers ein Bild entstehen kann. Zur Kontrolle beim Schreiben kann der Reporter Passagen einem Kollegen vorlesen und ihn fragen, welche Vorstellung bei ihm entsteht.
Das Feature
Es ist ein journalistischer Zwitter, der Informationen bewertet. Das Feature ist ein Bericht mit analysierenden Wertungen. Oft ist auch von Hintergrundbericht die Rede. Häufig gibt es Features in den Ressorts Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Die Meinung steht trotz allem hinter der Information zurück. Besonders im Magazin-Journalismus hat sich diese Stilform durchgesetzt:
Das Feature zeichnet sich durch Folgendes aus:
- Nicht nur brandaktuelle Neuigkeiten stehen im Vordergrund
- Faktenwissen, Hintergründe und Zusammenhänge
- Wertungen und Analysen
- anschauliche Darstellungen
- viele Zitate
- vorsichtige Schlussfolgerungen
Der Verfasser eines Features muss gut informiert und urteilsfähig sein. Häufig ist er auch selbst Experte in dem betreffenden Gebiet. Ziel ist, den Leser umfassend zu informieren. Der Einstieg ist nicht vorgegeben. Meist vergrößert sich der Blickwinkel vom Besonderen zum Allgemeinen. Zum Schluss des Artikels wird häufig der Einstieg wieder aufgegriffen (Klammer).
Folgendes Beispiel ist ein gelungener Einstieg zu einem Artikel über Südafrika nach dem Wahlkampf 1994, der Züge eines Portraits hat:
„Wie immer kommt der Gast ziemlich unpünktlich. Etwas mühsam schraubt sich Nelson Mandela aus dem Wageninneren. Doch dann steht er wie eine Eins. Der großgewachsene hagrere Mann in dem tadellosen dunklen Anzug überragt seine Umgebung fast um Kopflänge. Die silbergrauen Haare des 75-Jährigen leuchten weithin. Würdevoll schüttelt er die vielen ausgestreckten Hände, nimmt er die Blumengirlande entgegen. ...“
(Berliner Zeitung, 30.04./01.05. 1994)
Das Portrait
Ähnlich wie das Feature ist auch das Portrait ein journalistischer Zwitter. Es beschreibt die Personen (inklusive Aussehen, Gestik, Mimik, Rhetorik), liefert zahlreiche Informationen über sie und ihr Umfeld und sollte auch einen Eindruck vermitteln, wie die Person wirkt, ohne sie direkt zu kommentieren. Das was der Beobachter schreibt, muss authentisch wirken. Beschriebene Gestik der Person und Inhalt des Gesagten sollen zusammenpassen. Vergleiche mit anderen bekannten Personen helfen beim Portraitieren. Ziel eines Portraits ist nicht, über den Gesprächsgast zu referieren, sondern ihn einzuordnen. Im Idealfall sollte der Leser am Ende des Texte die Person in einem besonderen Licht sehen.
Häufig listen Portraits lediglich Werdegang und Ansichten einer Person auf. Dann handelt sich aber nur um eine Vorstellung des Betreffenden - die lebendigen Details fehlen. Solche Texte entstehen, weil oft die Zeit und vor allem die Chance auf ein persönliches Treffen mit dem Betroffenen fehlen. Dann werden Texte „kalt“ aus dem Archiv geschrieben.
Die Grundsätze, die zur Vorbereitung und zum Schreiben eines Portraits gelten, gleichen denen für eine gute Reportage oder ein interessantes Feature.
Das Interview
Das Interview ist viel mehr als nur ein „Frage und Antwort-Spiel“.
Viele Gespräche - und das sind Interviews letztlich - dienen vor allem der Recherche und sind damit Mittel zum Zweck, also eine journalistische Technik . Doch Interviews bilden als eigene Stilform eine wichtige Säule journalistischer Darstellungsformen.
Unverzichtbar dafür sind:
- gute Vorbereitung (Informationen über Person und Interviewpartner besorgen)
- präzise Fragen stellen
- Eine Frage nach der anderen (keine „Möbelwagenfragen“: Stellt der Journalist zwei Fragen auf einmal und ist der Interviewpartner gewieft, beantwortet er nur die, die ihm gefällt. Die missliebige Frage übergeht er einfach.)
- Nachfragen und nachhaken, immer wieder!
- stets als Interviewer in der Offensive bleiben
- keine eigene Meinung einbringen
Es gibt Interviews zur:
- Thematik (der Interviewte ist nur Auskunftsperson zu einem Sachgebiet)
- Meinung (zu einem aktuellen Thema)
- Person (Persönlichkeit, Charakter und Meinungen des Interviewten werden deutlich)
Die zwei Darstellungsformen des Interviews sind:
- Die strenge Form gibt den Dialog wörtlich wieder. „Ähs“, „Ähms“ und „Also’s“ sind natürlich herauszunehmen. Der Text wird „geglättet“ und manchmal dem Gesprächspartner nochmals vorgelegt. In anderen Ländern ist diese nachträgliche Abstimmung aber eher unüblich. Da Interviewpartner beim Korrekturlesen häufig Aussagen abschwächen oder gar ganz streichen, sollten Journalisten nur auf ausdrückliche und vor dem Gespräch geäußerte Bitte des Interviewten den Text abstimmen. Soll das Gespräch aufgenommen werden, muss der Interviewte zuvor ausdrücklich zustimmen. Diese Zusage muss auch auf Tonband aufgenommen werden.
- Die freie Form des Interviews fasst Antworten zusammen und gibt sie in direkter und indirekter Rede wieder. Wichtig ist aber, dass der Schreiber keine Aussagen verzerrt oder aus dem Zusammenhang reißt. Sperrige Fakten können aus dem Wortlaut herausgelöst werden. So bleiben die knackigen Zitate übrig. Bei dieser Form des Interviews kommt es noch häufiger vor, dass Betroffene den Text noch einmal vor der Veröffentlichung sehen wollen. Doch auch hier gilt aus Sicht des Journalisten: Besser nicht. Außer, der Schreiber ist sich selbst unsicher oder will schwierige Zusammenhänge nochmals prüfen (etwa bei wissenschaftlichen Problemen).
Der Kommentar
Von einer provozierenden These zum meinungsfreudigen Schluss: Hier ist die Meinung des Schreibers gefragt! Das wird am besten verpackt in kurzen, prägnanten Sätzen mit farbiger Wortwahl. Grundlage ist das eigene umfangreiche Wissen, das Erfahrung und eine ständige Beobachtung des Themas umfasst.
Es gibt zwei Grundformen des Kommentars:
- Der Pro- und Contra-Kommentarwägt Argumente und Alternativen ab. Der Leser hat die Möglichkeit, zu einem anderen Ergebnis als der Autor zu kommen.
- Der eindeutige Kommentarbegründet eine Meinung und versucht die Gegenseite zu entkräften. Argumente und Standpunkte verfolgen eine eindeutige Zielrichtung.
Die grobe Kenntnis der Fakten und Zusammenhänge werden beim Leser in der Regel vorausgesetzt. Oft wird ein aktuelles Thema kommentiert und gleichzeitig in der gleichen Ausgabe nachrichtlich behandelt. Der Autor geht daher nur noch kurz auf die Sachverhalte ein. In wenigen Fällen ist es auch möglich, sämtliche Fakten im Kommentar unterzubringen.
Wichtig: Jede Meinungsäußerung muss im Heft deutlich vom Informationsteil getrennt sein. Dies kann durch eine andere Schriftart und/oder durch eine Dachzeile „Kommentar“ geschehen.
Der Kommentar soll
- Thesen aufstellen und begründen
- Vergleiche heranziehen, die eine These stützen oder verwerfen
- logische Argumentationsketten bilden - nicht behaupten, sondern begründen
- nicht alle Aspekte behandeln, sondern wenige ausführlich
- Gegenargumente aufnehmen und widerlegen
- den roten Faden beibehalten
- keine Stammtischparolen dreschen
- einen harten Schluss mit deutlicher Meinungsäußerung wählen
- evtl. eine Lösung anbieten
Tipp:
Der Autor sollte sich vor dem Texten seine Meinung bilden - nicht erst während dessen. Es gilt: These - Antithese - Synthese - eigene Klarheit.
Beispiel:
Schnell ins Thema kommt der Kommentator zum Beispiel mit einer These zu Beginn oder einer Frage, die die Zielrichtung vorgibt: „Eine demokratisch gewählte Partei muss noch keine demokratische Partei sein, aber darf der Verfassungsschutz sie deshalb beobachten? ...“
(Der Tagesspiegel, 03.02.1995)
Die Glosse
Sie verlangt eine große und ausgefallene Sprachgewandtheit des Schreibers. Ein Kommentar ganz besonderer Art. Eine gute Satire ist wie eine saftige Zitrone: Wenn man ‘reinbeißt, muss sie vor bitterer und saurer Ironie spritzen.
Eine Glosse ist
- witzig bis bösartig
- ironisch bis sarkastisch
- überzeichnet bis überzogen
- spitzzüngig bis bissig
Der Autor bedient sich origineller Formulierungen und Wörter oder gar Wortkreationen. Häufig wählt er für eine Glosse eine ungewöhnliche Sichtweise, um Personen oder Ereignisse auf die Schippe zu nehmen und zu karikieren.
Beispiel:
„Streetball in Duke’s Forest
Kommt ein neues Spiel auf den Markt (-Platz), „muss“ das Rad neu erfunden werden: Sprachlich frisch bestückt ist der Sport, in dem vier auf einen Korb - sorry: Basket - losrennen. Schließlich heißt es ja auch Street-Ball und nicht Straßenball. Sonst könnte der deutsche Muttersprachler diesen noch mit einem Tanzfest unter freiem Himmel verwechseln... So lässt uns das deutsche Sprachfeeling wieder mal ganz im Stich. Es hat eben auch einen ganz anderen Touch, wenn die Spielbeobachter beim Streetball nicht Spielbeobachter, sondern Court-Watcher heißen oder sogar Court-Monitore. Letzteres hat sich der gebildete Zeitgenosse gerade im Zusammenhang mit seinem PC (auf gut Deutsch: Personalcomputer) gemerkt. (...) Auch wer die Teamliste durchlas, war mit einem Wörterbuch gut bedient. Da fand der weltoffene Bürger dann, dass Oak-City nichts anderes ist als Schöneiche. Und vielleicht stoßen die Fürstenwalder ja bald auf ihr neues Ortsschild: Duke's Forest!“
(Märkische Oderzeitung, 07.09.93)
Die Kritik oder Rezension
Sie ist im Feuilleton zu Hause. Bücher, Filme, Theateraufführungen, Konzerte und Musikveröffentlichungen sind Gegenstand einer Rezension. Bei ihr gilt die strikte Trennung nicht mehr: Meinung und Information wechseln sich ab. Besondere Erfahrung und Sachverstand machen eine gute Rezension aus. Wer das erste Mal ein Theater besucht, hat keine Vergleichsmöglichkeiten und wird daher lieber zurückhaltend und nüchtern seine Bewertung abgeben. Andererseits sollen auch Laien verstehen können, worum es in dem Stück geht. Fachgesimpel oder philosophische Abhandlungen bleiben wenigen Berufs-Feuilletonisten großer Zeitungen überlassen.
Die wesentlichen Teile des Inhalts, Zitate, die Namen der Darsteller und des Regisseurs sowie der Ort der Uraufführung sind Bestandteil der notwendigen Information. Darin verflechtet der Kritiker seine Bewertung oder baut sie darauf auf. Die reine Nacherzählung des Inhalts sollte aber nicht die Kritik dominieren, sonst ist es eine Vorschau und Ankündigung.
Bei der Bewertung sollte der Rezensent auch die Leistung der Schauspieler und die künstlerischen Mittel (bei Kinofilmen zum Beispiel Schnitt-Technik und Kamera-Führung) berücksichtigen. Ist der Stoff richtig umgesetzt? Auch den Zweck des Stücks darf der Schreiber nicht außer Acht lassen: Dient ein Film nicht der Unterhaltung, darf der Kritiker ihn nicht nach seinem Unterhaltungswert beurteilen.
Vor dem Schreiben klar werden über das Ziel: Urteile ich positiv oder negativ, schreibe eine Lobeshymne oder einen Verriss? Manche Kritiker empfehlen, nach Möglichkeit einige Tage, zumindest Stunden zu warten, ehe sie mit dem Schreiben beginnen.
Das Redigieren
Gegenlesen - dieser Grundsatz gilt für jeden Artikel oder Sprechbeitrag für Radio oder Fernsehen. Das „Vier-Augen-Prinzip“ zahlt sich besonders bei heiklen Veröffentlichungen aus.
Redigieren heißt, einen Artikel auf Form und Inhalt prüfen und gegebenenfalls korrigieren:
- Auf Tipp- und Rechtschreibfehler achten
- Stimmen Übergänge, inhaltliche Bezüge und Bilder? Liest sich der Text flüssig?
- Ist der Inhalt verständlich, korrekt und logisch wiedergegeben? (Immer im Hinterkopf haben: Kann das wirklich so sein?)
- Stimmen Namen und Zahlen?
Bei inhaltlichen Fragen kann sich der Korrektor meist nur auf den Autor verlassen. Er kann nur prüfen, ob der Inhalt plausibel ist. Bei Zweifeln lässt er sich die Quelle oder das Archivmaterial vorlegen. Der Redigierende kann natürlich nicht alles wissen und daher nicht alle inhaltlichen Fehler finden.



