‘Aimée und Jaguar’
Einem breiten Publikum ist Juliane Köhler als Lily Wust, Mutter von vier Kindern und verheiratet mit einem NSDAP-Anhänger, die sich in den 30er-Jahren in die Jüdin Felice Schragenheim verliebt, bekannt geworden. Für diese Leistung in Max Färberbröcks Erfolgsstreifen ‘Aimée und Jaguar’ hat man die Schauspielerin mit Preisen geradezu überhäuft. Trotzdem bezeichnet sie sich selbst immer noch als Anfängerin im Filmgeschäft. Auf der Theaterbühne macht ihr hingegen niemand etwas vor.
Das kunstseidene Mädchen
Die Tochter eines Göttinger Marionettenspielers erhält ihre Schauspielausbildung am New Yorker Actor’s Studio, wo sie von 1985-1988 die Meisterklasse von Uta Hagen besucht. In München nimmt sie bei Daniela Glück Tanz- und Ballettunterricht. Ihr professionelles Bühnendebüt feiert die attraktive Actrice mit 23 am Niedersächsischen Staatstheater Hannover unter der Regie von Klaus Emmerich in Goethes ‘Clavigo’. Weitere Rollen in Brechts ‘Baal’ und in Thomas Reicherts Inszenierung von Schnitzlers ‘Das weite Land’ folgen. Juliane Köhler kann sich innerhalb kurzer Zeit am Theater etablieren und wird als Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel in München engagiert. Mit ihrer beeindruckenden Präsenz und Wandlungsfähigkeit wird sie in einer Inszenierungen von Marivaux ‘Der Streit’, dem szenischen Monolog ‘Das kunstseidene Mädchen’ unter der Regie von Amelie Niermeyer und mit Anselm Webers Schnitzler-Adaption ‘Fräulein Else’ zum gefeierten Theaterstar und Publikumsliebling.
Schwere Entscheidungen
Umso schwerer wiegt ihr Rauswurf durch Intendant Eberhard Witt, als sich im Juni 1997 die Dreharbeiten zu ‘Aimée und Jaguar’ um einige Tage verschieben und dadurch die Proben zum ‘Käthchen von Heilbronn’ zu platzen drohen. Trotz massiver Publikumsproteste bleibt Witt bei seiner Entscheidung. Als die Berliner Filmfestspiele mit ‘Aimée und Jaguar’ eröffnet werden und Juliane Köhler den Silbernen Bären als Beste Darstellerin erhält, ist dies nach allen Querelen ein echter Triumph für sie und eine Bestätigung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn auch theatertechnisch geht es für sie wieder bergauf - sie wechselt an die renommierten Münchner Kammerspiele, wo sie in Jan Bosses ‘Torquato Tasso’ an der Seite von Edgar Selge und Jens Harzer einen erfolgreichen Einstand gibt.
Zurück zu den Wurzeln
Im Kino ist Juliane Köhler 1999 in der Kästner-Verfilmung ‘Pünktchen und Anton’ zu sehen. Mit Auftritten in TV-Dauerbrennern wie ‘Bella Block’ oder ‘Tatort’ kann sie sich zusehends auch als Filmschauspielerin etablieren. Mit ihrem beeindruckenden Portrait der Jettel Redlich in Caroline Links stimmigem Drama ‘Nirgendwo in Afrika’ könnte ihr endlich der verdiente Durchbruch auf der Leinwand gelingen. Wer Juliane Köhler auf der Theaterbühne bewundern will, der kann sie nun wieder am Münchner Residenztheater erleben. Unter der Intendanz von Ex-Kammerspiele-Chef Dieter Dorn ist sie dort in ‘Torquato Tasso’ und bald in einer Neuinszenierung von Yasmina Rezas ‘Drei Mal Leben’ zu sehen.
Filmographie
| Nirgendwo in Afrika (2001) |
| Königskinder (2001) |
| Tatort - Zielscheibe (TV, 2001) |
| Weiser Dawidek (2000) |
| Liebst du mich (TV, 2000) |
| Bella Block - Abschied im Licht (TV, 1999) |
| Zwei Brüder - Der Schwur (TV, 1999) |
| Pünktchen und Anton (1999) |
| Nighthawks (1998) |
| Aimée und Jaguar (1997) |
| Koma - Lebendig begraben (TV, 1997) |
| Inzest - Ein Fall für Sina Teufel (TV, 1995) |
| Schattenboxer (TV, 1992) |



