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Kathedralen
Bildquelle nicht angegeben
Leben & Lifestyle

Kathedralen

Der Begriff „Kathedrale“ ruft bei uns allen wohl ähnliche Bilder im Kopf hervor. Wir denken an die großen gotischen Bauten, an Notre-Dame in Paris, den Kölner Dom oder das Freiburger Münster, die sich in ihrem architektonischen Aufbau ähneln: außen verschachteltes, offenes Strebwerk mit an den Seitenschiffen…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle

Der Begriff „Kathedrale“ ruft bei uns allen wohl ähnliche Bilder im Kopf hervor. Wir denken an die großen gotischen Bauten, an Notre-Dame in Paris, den Kölner Dom oder das Freiburger Münster, die sich in ihrem architektonischen Aufbau ähneln: außen verschachteltes, offenes Strebwerk mit an den Seitenschiffen gespannten Strebebögen, innen die charakteristischen Spitzbögen und Rippengewölbe, die zusammen zu der enormen Höhenwirkung des Raumes führen. Vielleicht denken wir auch an den Eindruck der Leichtigkeit und Schwerelosigkeit im Innenraum, denn im Gegensatz zu dem massiven Mauergebäude der romanischen Kirchen sind die gotischen Kathedralen ein Skelettbau, mit nur minimaler Mauersubstanz. Am längsten im Gedächtnis bleiben aber wohl die charakteristischen farbigen Glaswände, die den Kirchen eine fast überwirkliche Leuchtkraft verleihen und so tatsächlich die Aura des Transzendentalen entwickeln, die einen noch heute die Bestimmung des Ortes spüren lässt: als heiliger Raum, als sakrale Gottesstätte.

Artikelbild

Jacques76250 / CC BY-SA 3.0

Wird die Kathedrale im Allgemeinen, teils auch in der Kunstgeschichte, mit dem gotischen Baustil quasi gleichgesetzt, hat der gotische Baustil im religiösen Sinn wenig bis nichts gemein mit dem Begriff „Kathedrale“. Dieser bezeichnet nicht mehr und nicht weniger als die Hauptkirche eines Bistums oder Erzbistums und die dazugehörige Geistlichkeit, das Kapitel. Mit „cathedra“ wurde im buchstäblichen Sinn der thronartige Sitz des Bischofs bei der Heiligen Messe bezeichnet. Doch in Deutschland heißen die Bischofskirchen nicht Kathedralen, sondern Dom, das Haus (lat. domus = Haus) des Bischofs. Im südlichen deutschen Sprachraum, z.B. in Basel, Konstanz oder Straßburg, bürgerte sich die Bezeichnung „Münster“ ein, eine Eindeutschung des lateinischen Namens für Kloster.

Artikelbild

Bischofskirchen gab es zu jeder Zeit und in jedem Land, seitdem es Bischöfe gab und Kirchen gebaut wurden. Um 1140 entstanden zunächst im Großraum Paris die ersten gotischen Kathedralen. Diese hatten schon auf die Zeitgenossen solche Strahlkraft, dass sie schnell Nachahmer fanden, zunächst in England, dann überall in Mitteleuropa. Die gotische Kathedrale wurde zur zentralen Kunstschöpfung der Gotik und gilt bis heute als größte Leistung, die die europäische Architektur des Mittelalters hervorgebracht hat. Die gotische Kathedrale wurde in ihrer Glanzzeit zwischen 1200 und 1500 immer größer, immer höher, immer gigantischer; in mancher Großkirche des Mittelalters hätte die gesamte Bevölkerung einer relativ großen Stadt (bis 10.000 Einwohner) Platz gefunden. Die Kathedrale von Beauvais, deren Bau 1225 begann, hat heute mit 48 Metern das höchste Kirchengewölbe der Welt. In Deutschland ist der Kölner Dom der Inbegriff einer Kathedrale und immer noch eine der weltweit größten Kirchen der Welt: 400.000 Kubikmeter umbauter Raum, 10.000 qm² reine Fensterfläche, ein Mittelschiff so hoch wie ein 15-stöckiges Wohnhaus. Zwischen der Grundsteinlegung 1248 und der offiziellen Fertigstellung 1880, damals kurzzeitig das größte Gebäude der Welt, verging mehr als ein halbes Jahrtausend. Wenn es auch üblich war, dass sich der Bau einer Kathedrale über mehrere Generationen hinzog und auch mal für Jahrzehnte unterbrochen wurde – an keinem anderen Gebäude wurde so lang gebaut.

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