Das Interview
wissen.de: Seit wann gibt es Ihre Werbeagentur?
Bärbel Boy: boy|planning+advertising wurde am 3.11.2001 gegründet. Ich war damals im achten Monat schwanger und habe diesen Schritt gewagt, weil sich die wirtschaftliche Situation meines damaligen Arbeitgebers nicht so rosig darstellte und ich die Chance hatte, mit zwei Kunden eine eigene Agentur für Strategische Planung zu starten. Das war schon einige Zeit mein absoluter Traum. Ich bin sehr gerne unabhängig und treffe eigene Entscheidungen. Deshalb war der Schritt in die Selbständigkeit auch genau das Richtige für mich.
wissen.de: Haben Sie die Agentur gemeinsam gegründet?
Bärbel Boy: Mein Mann war damals noch Kreations-Geschäftsführer in einer anderen Agentur und konnte erst fünf Monate später zu boy|planning+advertising kommen. Aber natürlich haben wir alles gemeinsam geplant.
wissen.de: Wie ist es, seine eigene Frau als Chefin zu haben entsteht Misstrauen bei Kollegen durch diese Situation?
Oliver Boy: Ich bin ja auch Chef: Chef der Kreation. Meine Frau verantwortet die Strategie und die Unternehmensführung mit dem ganzen Zahlenkram. Das liegt mir auch gar nicht. Ich finde es gut für unsere Partnerschaft, das wir in zwei verschiedenen Disziplinen glänzen wollen. Und die Mitarbeiter haben kaum ein Problem damit. Am besten fragen Sie die Kollegen selbst.
Familien-Planung
wissen.de: War für Sie immer klar, dass Sie nach der Geburt Ihrer Kinder keine längere “Babypause“ machen werden?
Bärbel Boy: Nein, das war nicht von vorneherein klar, ich wollte zumindest drei Monate lang weniger arbeiten, aber das ging dann halt nicht. Inzwischen bin ich darüber froh, denn die Frauen in meinem Umfeld haben sowohl aufgrund der beruflichen Bedingungen als auch emotional alle Probleme zurück in den Beruf zu gehen.
wissen.de: Wie konnten Sie Beruf und Kind, gerade als die Kinder noch klein waren, koordinieren?
Bärbel Boy: Die Kinder sind jetzt sechs Monate und zweieinhalb Jahre alt. Wir haben ein Aupairmädchen seit Hugo drei Monate alt ist. Die andere Hälfte des Tages sind beide Kinder mit in der Agentur. Das geht. Ich stille den Kleinen immer noch voll. Die Organisation ist natürlich ein wichtiger Punkt. Aber auch da ergeben sich immer Lösungen und Routine. Wichtig ist, dass man nie glaubt, was Leute darüber sagen, was mit Kindern möglich ist und was nicht. Das muss man selbst herausfinden und außerdem kann man viel möglich machen. Unser Sohn konnte sich mit knapp zwei Jahren hervorragend in einem Gourmetrestaurant benehmen und aus einem Stilglas trinken und das hat ihm auch noch Spaß gemacht.
wissen.de: Karriere und Kind wie lässt sich das unter einen Hut bringen? Kommt evtl. manchmal eines von beidem zu kurz?
Bärbel und Oliver Boy: Natürlich kommt beides hin und wieder zu kurz. Das heißt, man bräuchte mehr Zeit, 48 Stunden am Tag. Aber andererseits haben wir auch Tage, an denen wir eben beides super harmonisch kombinieren. Und das gleicht dann die anderen Tage aus. Unsere Kinder kennen es nicht anders. Sie sind gesund und fröhlich und haben unter dem Strich mehr von ihren Eltern, weil wir ja immer beide da sind. Und der Erfolg der Firma zeigt, das auch das nicht leidet. Wir arbeiten halt viel nachts, wenn die Kinder schlafen.
Familie – Finanzen – Freizeit
wissen.de: Spielen finanzielle Gründe eine Rolle, dass Sie beide in der Agentur arbeiten?
Bärbel und Oliver Boy: Nein, nicht wirklich. Natürlich könnten wir eine Agentur nicht so erfolgreich machen, wenn wir nicht beide Kernkompetenzen einbringen würden. Aber dann wäre eben einer von uns angestellt und würde das Geld nach Hause bringen. Der wichtigste Grund ist, dass wir uns beide nicht vorstellen können, dass einer von uns zu Hause ist.
wissen.de: Wer von Ihnen übernimmt daheim die Verpflichtungen wie Kochen und Putzen?
Bärbel Boy: Ich koche, selten putze ich auch, das macht sonst das Aupairmädchen und die Kinderaufgaben teilen wir uns. Da gibt es fast nie Streit.
wissen.de: Selbständige verzichten ja öfters auf ein freies Wochenende wie sieht es bei Ihnen mit der Freizeitgestaltung aus?
Bärbel und Oliver Boy: Nachts arbeiten und einen halben Tag Wochenende mindestens. Wenig Schlaf, damit die Kinder tagsüber auch Zeit nur mit uns haben können. Und dann wirklich dreimal Urlaub im Jahr. Dafür haben wir uns die besten Mitarbeiter der Welt ausgesucht, damit wir auch weg können.
wissen.de: Selbständigkeit bedeutet auch ein finanzielles Risiko einzugehen. Wie haben Sie Ihre und die Zukunft Ihrer Kinder abgesichert?
Bärbel und Oliver Boy: Lebensversicherungen, Testament und eine Erziehung, die den Kindern ermöglicht, ohne unsere Hilfe, Geld zu verdienen. Nach der Schule braucht kein fleißiger Mensch unbedingt Unterstützung. Und bis dahin sind die Kinder auch im schlimmsten Fall versorgt mit einer Ausbildungsversicherung.



