Klaus Mann – Kosmopolit „aus Instinkt und Notwendigkeit“
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Klaus Mann – Kosmopolit „aus Instinkt und Notwendigkeit“

Bild: Foto: Hugo Charlemont, Public domain, via Wikimedia Commons

Er sei „von dieser Epoche getötet“, schreibt Onkel Heinrich Mann über seinen Neffen. Dabei hat Klaus Mann, ältester Sohn von Thomas Mann, in dessen kurzes Leben zwei Weltkriege fielen, stets für eine übergeordnete Gerechtigkeit gekämpft – nicht nur durch seine literarischen Arbeiten und unzähligen Vorträge, sondern gegen Ende des 2. Weltkriegs auch als Soldat der US-Armee. Der Glaube an eine Humanität, die schließlich siegen müsse, weil sie über die großen Entweder-Oders der Zeit – Kriegsbefürworter oder Pazifist, Nazi oder Antifaschist, Kommunismus oder Kapitalismus – erhaben sei, wich gegen Ende seines Lebens einer zunehmenden Resignation.

Er sei „von dieser Epoche getötet“, schreibt Onkel Heinrich Mann über seinen Neffen. Dabei hat Klaus Mann, ältester Sohn von Thomas Mann, in dessen kurzes Leben zwei Weltkriege fielen, stets für eine übergeordnete Gerechtigkeit gekämpft – nicht nur durch seine literarischen Arbeiten und unzähligen Vorträge, sondern gegen Ende des 2. Weltkriegs auch als Soldat der US-Armee. Der Glaube an eine Humanität, die schließlich siegen müsse, weil sie über die großen Entweder-Oders der Zeit – Kriegsbefürworter oder Pazifist, Nazi oder Antifaschist, Kommunismus oder Kapitalismus – erhaben sei, wich gegen Ende seines Lebens einer zunehmenden Resignation.

Schöngeistig und militant

Nach einer glücklichen Kindheit in der elterlichen Villa im Münchner Herzogpark und einer ausschweifenden Jugend ganz im Stile der wilden 20er Jahre macht der aufkommende Nationalsozialismus aus dem zuvor eher wenig an Politik Interessierten einen überzeugten Antifaschisten und vehementen Gegner der Nazis mit ihrer „Kulturlosigkeit“ und „hysterischen Brutalität“. Die Machtergreifung Hitlers 1933 treibt ihn schließlich ins Exil – über Paris, Zürich und andere Stationen zunächst nach Amsterdam, wo er mit der Gründung der Zeitschrift Die Sammlung Intellektuellen wie Joseph Roth, Lion Feuchtwanger, Albert Einstein, Ernest Hemingway, Boris Pasternak und vielen anderen ein Forum bietet, ihre Stimme gegen das Hitlerregime zu erheben – „schöngeistig, dabei aber militant“.

1935 muss die Zeitschrift eingestellt werden, da die Kosten den mangelnden Absatz nicht decken können. Es folgen die Romane „Flucht in den Norden“, die Darstellung eines Emigrantenschicksals, und „Symphonie Pathétique“, die an Peter Tschaikowsky angelehnte Geschichte eines Künstlers, der durch seine Homosexualität ins gesellschaftliche Abseits gedrängt wird. 1936 erscheint dann der wohl berühmteste Roman Klaus Manns, „Mephisto“.

Mephisto

„Mephisto“ ist die Geschichte eines skrupellosen Künstlers, des erfolgreichen Schauspielers Hendrik Höfgen, der aus Eitelkeit und Ruhmessucht seine Seele an ein verbrecherisches Regime verkauft. Die Figur des Hendrik Höfgen trägt (bis in die Lautlichkeit des Namens hinein!) so deutliche Züge des Schauspielers und kurzzeitigen Schwagers von Klaus Mann Gustaf Gründgens, dass es 1966 auf Antrag der Gründgens-Nachkommen zu einem Verbot des Romans kommt. Dabei ging es ihm nicht darum, so Klaus Mann in einer Erklärung von 1936, „einen Bestimmten“ zu denunzieren, sondern „einen symbolischen Typus“, „den Karrieristen“, „den deutschen Intellektuellen, der den Geist verkauft und verraten hat“.


Kein Gefühl von Schuld

Dem „Mephisto“ folgen mehrere Vortragsreisen, auf denen der Sohn des berühmten Thomas Mann die Welt vor Nazideutschland warnt, u.a. quer durch die USA, die ab 1938 zur Exilheimat werden.

Doch dem unermüdlichen Kampf gegen die Nazis folgt mit der Zeit die Ernüchterung: Weder sind die Bemühungen, die ins Exil getriebene Intelligenz zu einer „antifaschistischen Front“ gegen Hitler zu vereinen, bisher sonderlich erfolgreich gewesen, noch bieten die Verhältnisse in Nachkriegsdeutschland Grund zur Hoffnung auf einen Sieg der Vernunft. „Die Deutschen zeigen nicht die Spur einer Empfindung von Verantwortung, noch weniger ein Gefühl von Schuld“, schreibt Klaus Mann bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1945 für die US-Zeitschrift „Stars and Stripes“.

„Gefährlich-gefährdetes Sorgenkind“

Im „Wendepunkt“, seiner 1945 abgeschlossenen Autobiografie, entwirft er zwei mögliche Szenarien, wie eine Zukunft Europas aussehen könnte: „Einigen sich die westlichen Alliierten mit der Sowjetunion, eine Weltordnung müsste zustande kommen (...), in deren Rahmen auch Deutschland, dies hochbegabte, gefährlich-gefährdete Sorgenkind Europas, seinen Platz und seine Würde hätte.“ Ohne eine „aufrichtige Verständigung zwischen Ost und West „geht es nicht“. Das Kriegsende sei ein Wendepunkt: hin zu einer „geeinten Welt“ oder zum „Abgrund“. Der beginnende Kalte Krieg mit der nun einsetzenden Kommunistenjagd unter dem amerikanischen Senator Joseph Mc Carthy („Mc Carthy-Ära“), in deren Visier auch Klaus und seine Schwester Erika Mann geraten, machen schließlich jegliche Hoffnung auf ein in Frieden geeintes Europa zunichte.

„Wird aus diesem Kriege eine Welt entstehen, in der Menschen meiner Art leben und wirken können?“ Die Frage, die Klaus Mann 1942 angesichts des Selbstmords von Stefan Zweig stellt, hat er, der Ruhelose, der Kosmopolit „aus Instinkt und Notwendigkeit“, sieben Jahre später in einem Hotelbett in Cannes selbst beantwortet.


Die wichtigsten Werke

  • Treffpunkt im Unendlichen. Roman (1932)
  • Flucht in den Norden. Roman (1934)
  • Symphonie Pathétique. Roman (1935)
  • Mephisto. Roman (1936)
  • Der Vulkan. Roman (1939)
  • Escape to Life. Sammlung von Porträts deutscher Emigranten (zusammen mit Erika Mann, 1939)
  • The Turning Point. Autobiografie (1942, deutsche, erweiterte Fassung 1945)

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