Kleine Schurkenschule
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Kleine Schurkenschule

Bild: Foto: PantheraLeo1359531, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Ausgezeichnete Voraussetzungen bringen all diejenigen mit, die körperliche Deformationen – am besten von Geburt an – nachweisen können. So brillierte etwa Curd Jürgens als Meeresbiologe und Großreeder Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte“ mit Schwimmhäuten zwischen den Fingern. Max Zorin („Im Angesicht des Todes“) wurde als Kind mit Steroiden behandelt, was ihm zwar einen phänomenalen IQ bescherte, doch leider wurde er obendrein schizophren. Francisco Scaramangos („Der Mann mit dem Goldenen Colt“) Brust zierte eine dritte Brustwarze, angeblich ein Zeichen uneingeschränkter sexueller Kraft. Eine passende Deformation, solange Sie sich in tropischen Gegenden aufhalten und Ihr Hemd auch mal ablegen können. Schlagen Sie sich diese Idee aus dem Kopf, wenn Ihr Schauplatz eher kühl ist, etwa in Sibirien liegt.

Ausgezeichnete Voraussetzungen bringen all diejenigen mit, die körperliche Deformationen – am besten von Geburt an – nachweisen können. So brillierte etwa Curd Jürgens als Meeresbiologe und Großreeder Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte“ mit Schwimmhäuten zwischen den Fingern. Max Zorin („Im Angesicht des Todes“) wurde als Kind mit Steroiden behandelt, was ihm zwar einen phänomenalen IQ bescherte, doch leider wurde er obendrein schizophren. Francisco Scaramangos („Der Mann mit dem Goldenen Colt“) Brust zierte eine dritte Brustwarze, angeblich ein Zeichen uneingeschränkter sexueller Kraft. Eine passende Deformation, solange Sie sich in tropischen Gegenden aufhalten und Ihr Hemd auch mal ablegen können. Schlagen Sie sich diese Idee aus dem Kopf, wenn Ihr Schauplatz eher kühl ist, etwa in Sibirien liegt.

Sollten Sie keine angeborene Deformation vorweisen können, heißt es nachhelfen. Dr. No etwa hantierte so lange mit Plutonium, bis er eine Hand verlor und sie durch ein modisches Metallmodell ersetzen konnte. Warum Emilio Largo in “Feuerball” nur ein Auge hat, wird nicht erörtert, aber die Augenklappe ist doch ein hilfreiches Accessoire für die zweifelsfreie Identifikation des Bösewichts.

Ein ausgezeichnetes Vorbild für alle Nachwuchsschurken stellt Ernst Stavro Blofeld dar: Unter seiner Glatze verunstaltet eine Narbe die Augenpartie. Ob die Katze, die er stets bei sich trägt, als Behinderung einzuschätzen ist, wollen wir an dieser Stelle nicht erörtern. Es spielt bei den Behinderungen übrigens keinerlei Rolle, ob diese permanent ist, oder wie im Falle Blofeld die Narbe am Auge auch mal verschwindet und dafür die Ohrläppchen abhanden kommen (Blofeld in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“). Behinderungen sind als momentane Erscheinung zu betrachten. Ach ja, Blofeld, dem Super-Bösewicht, wuchsen in „Diamantenfieber“ sogar wieder die Kopfhaare.

Ein Schurke kommt selten allein

Eines dürfen sie bei der Wahl der körperlichen Deformation allerdings nie vergessen: Eine Behinderung kann manchmal auch behindern. Sie sind nun mal sofort als Bösewicht – und damit als Zielscheibe – auszumachen und zuweilen stören zwei Handprothesen auch beim Klettern, vom Golf-Handicap mal ganz abgesehen. So leidet auch Renard in „Die Welt ist nicht genug“ ein wenig an seiner Behinderung. Zwar führt eine Kugel in seinem Kopf dazu, dass er keinerlei Schmerz verspürt, doch verkürzt sie auch sein Leben – schlechte Voraussetzungen für ein langes, ausgefülltes Bösewichtdasein. Da bietet es sich möglicherweise an, einen Helfershelfer zu engagieren, der sich an Ihrer Stelle verunstalten lässt. Bei dieser Variante kann man von Dr. Kanaga („Leben und Sterben lassen“) lernen, der sich mit Hilfe einer Gummimaske eine zweite Identität schuf und so eben nicht unmittelbar als Bösewicht zu erkennen war, die Behinderung aber auf seinen lächelnden Kompagnon Tee Hee abwälzte, der sich mit einer Armprothese herumschlagen musste. In diesem Zusammenhang fällt einem natürlich auch der Beißer ein, bei dem augenscheinlich ein zahnärztliches Problem vorlag. Dieses Merkmal brachte ihm übrigens doppelten Ruhm, da nicht nur Superschurke Stromberg, sondern auch Hugo Drax („Moonraker“) auf ihn zurückgriff.

Unter Umständen kann man bei seinen Mitarbeitern auch mal auf eine Behinderung verzichten, solange die das durch außerordentlich bedrohliches Auftreten kompensieren können. Da haben sich die stilleren Typen mit breitem Kreuz bewährt, am besten in Verbindung mit blonden Haaren und blauen Augen. Blofelds Wahl fiel in „Liebesgrüße aus Moskau“ auf den sehr arisch anmutenden Red Grant und in „Man lebt nur zweimal“ auf Hans, der sehr ähnliche Merkmale aufwies. Aber auch der Zehnkämpfer Erik Kriegler („In tödlicher Mission“), Necros („Der Hauch des Todes“) und Mr. Stamper („Der Morgen stirbt nie“) gehören in diese Kategorie.

Sollte dieser Typ gerade nicht verfügbar sein, können Sie auch auf etwas Ungewöhnliches zurückfallen. Auric Goldfinger schmückte sich mit dem wortkargen Koreaner Oddjob , dessen Fingerfertigkeiten beim Werfen rasiermesserscharfer Melonenhüte unübertroffen sind. Francisco Saramango entschied sich für einen zwergenwüchsigen Helfershelfer, Nick Nack, und Dr. Kananga stellte einen Voodoomeister, Baron Samedi, ein.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Von Zeit zu Zeit sollten Sie einen Ihrer Begleiter aber um die Ecke bringen, um sich grenzenlose Loyalität zu sichern. Da haben sich falsche Knöpfe in Aufzügen über Haifischbecken, elektrische Stühle oder auch Piranhabecken bezahlt gemacht, aber da fällt Ihnen sicher selbst was ein.

Gut, wie bringen Sie nun James Bond dazu, Sie als Gegner wahrzunehmen? Ein paar alte Damen umzulegen kann da nicht schaden, wird aber nicht reichen. Streben Sie die Weltherrschaft an und setzen Sie dabei auf Atomraketen, die Beherrschung der Ölreserven, Computerchips, Medienkonzerne ... Behalten Sie die aktuelle Nachrichtenlage im Auge und entscheiden Sie sich für ein Tagesthema.

Logieren wie die Bösen

So weit, so gut. Sie haben also ein körperliches Gebrechen, einen psychotischen Helfershelfer und sind auf dem Weg zur Weltherrschaft ein gutes Stück vorangekommen. Langsam dürfte auch Bond aufwachen, für Sie also höchste Zeit sich nach einer angemessenen Bleibe umzusehen. Verfallen Sie zu diesem Zeitpunkt nicht in Hektik, denn Bond wird noch ein paar hübsche, exotische Ziele aufsuchen, ein bis zweimal die Welt umrunden und erst dann bei Ihnen zu Hause vorstellig werden. Wenn Sie Ihr Domizil aber, wie etwa Blofeld, in einem Vulkan anlegen wollen, müssen Sie doch ein paar Jahre einkalkulieren.

Ein Aufwand der sich lohnt, denn wer hört sich nicht die beeindruckten Lobeshymnen von James Bond an. Dr. No etwa konnte seinen Stolz nicht verbergen, als er James Bond erzählte, dass sein „Aquarium“ eine Million Dollar gekostet hat. Nehmen Sie sich genügend Zeit, denn Ihre Vorgänger haben sich nicht lumpen lassen – James Bond hat also schon so einiges gesehen. Etwa Goldfingers Ranch mit Miniatur- Fort Knox oder Strombergs Unterwasserstadt. Drax residierte in einem französischen Schloss und einem Aztekentempel und Brad Whittaker schlüpfte in einem Miniatursoldatenmuseum unter. Hauptsache es gibt ausreichend schiefe Wände, gebürsteten Stahl und Schiebetüren. Sie werden ein bisschen was investieren müssen, weshalb Sie sicherheitshalber ein Medienimperium gründen oder Gold- und Diamantenschmuggel in Erwägung ziehen sollten.

Das letzte Hindernis könnte auch gleichzeitig Ihr Untergang sein: der Charme. Entweder Sie haben Charme oder nicht. Erlernen lässt er sich kaum, aber er ist unabdingbar. Sie müssen in der Lage sein, sich mit Bond auf dessen intellektuellem Niveau zu unterhalten und ihm angemessene Spitzenküche zu servieren. Wehe dem, der keinen repräsentativen Weinkeller vorweisen kann! Wer das nicht bieten kann, den wird Bond wohl lange vor dem Filmende beseitigt haben.

Ach ja, das Ende. Eins war Ihnen hoffentlich von Anfang an klar: Alles wird auf eine gewalttätige Konfrontation mit Bond hinauslaufen, bei der Sie Ihr Leben lassen. So ist das nun mal, auch wenn es im Falle Blofeld fast 20 Jahre gedauert hat. Wir wünschen jedenfalls viel Erfolg. Und denken Sie dran: „Man lebt nur zweimal“.

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