Neuer Anfang in Deutschland
Große Aufgaben erwarteten den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland: Der am 24. Mai 1949 aus den drei Westzonen entstandene deutsche Teilstaat stand unter einem Besatzungsstatut; die politische Hoheit hatte die Hohe Kommission der Alliierten; die Wirtschaft war zusammengebrochen; Wiedergutmachungen mussten geleistet werden; große Teile Westdeutschlands lagen in Schutt und Asche.
Am 14. August 1949 wurde der erste Deutsche Bundestag gewählt - die CDU/CSU lag nur geringfügig vor der SPD. Der Ausgang der Wahl zum Bundeskanzler musste also knapp ausfallen. Enger ging es tatsächlich nicht: Mit seiner eigenen Stimme verhalf sich Konrad Adenauer, Vorsitzender der CDU der britischen Zone und Präsident der Parlamentarischen Rates, am 15. September 1949 selbst zum Posten des ersten Kanzlers der BRD.
Westintegration, Wiederbewaffnung und Wiederaufbau
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Der am 5. Januar 1876 in Köln geborene, erfahrene Politiker konzentrierte sich während seiner Amtszeit erfolgreich auf drei große “W’s” - Westintegration, Wiederbewaffnung und Wiederaufbau. Obwohl er bei Amtsantritt bereits 73 Jahre alt war, brachte es Adenauer auf die beeindruckende Zahl von vier Amtszeiten. Er erreichte die Souveränität der Bundesrepublik auf fast allen Gebieten. Unter seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard kam es zum sogenannten “Wirtschaftswunder.” Adenauer hatte allerdings auch Misserfolge zu verbuchen - 1959 scheiterte er beispielweise bei seinem Versuch, Bundespräsident zu werden, und 1962 kam es zur spektakulären Spiegel-Affäre. Zudem wurde Adenauers Haltung beim Mauerbau 1961 heftig kritisiert: Er hatte es nicht für nötig gehalten, seine Wahlkampfreise aus diesem Anlass zu unterbrechen.
Adenauer und Erhard
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Im Alter von 87 Jahren musste Adenauer 1963 schließlich auf Grund vorausgegangener Auseinandersetzungen mit dem Koalitionspartner FDP und durch innerparteilichen Druck widerwillig einem vorzeitigen Rücktritt als Bundeskanzler zustimmen; Erhard wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Doch der erzwungene Abtritt vom Kanzlerparkett schmälerte Adenauers Ruhm nur geringfügig. Er schaffte es, der deutschen Politik seinen Stempel aufzudrücken - die deutschen Nachkriegsjahre wurden zur Adenauer-Ära. Am 19. April 1967 starb Adenauer im Alter von 91 Jahren in Rhöndorf.
Politische Höhepunkte
Westintegration
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Die Opposition protestierte, doch Adenauer setzte komplett auf die Westintegration der BRD. Das bedeutete: starke Anlehnung an die USA und Annahme des Marshall-Plans, der wesentlich zum wirtschaftlichen Neuanfang der Bundesrepublik beitrug; Aussöhnung mit Frankreich, die am 22. Januar 1963 im Elysée-Vertrag (Deutsch-Französischer Vertrag) gipfelte; Grundsteinlegung für die Europäische Gemeinschaft durch die Fusion der deutschen und französischen Kohle- und Stahlproduktion in der “Montanunion” (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, EGKS) am 18. April 1951. Die BRD wurde 1954 NATO-Mitglied und trat der Westeuropäischen Union bei.
Anerkennung der deutschen Schuld an den Judenmorden und Wiedergutmachungen für Israel
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Am 27. September 1951 erklärte die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundestags ihre Bereitschaft zur Wiedergutmachung gegenüber Israel. Am 10. September 1952 wurde das Wiedergutmachungsabkommen abgeschlossen: Innerhalb von zwölf Jahren versprach die Bundesrepublik, drei Milliarden Mark an Israel zahlen.
Souveränität
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Durch geschicktes Taktieren Adenauers erhielt Deutschland durch den 1952 entstandenen und am 5. Mai 1955 in modifizierter Form in Kraft tretenden Deutschlandvertrag die Souveränität zurück - allerdings mit Einschränkungen (z.B. Stationierungsrecht der Alliierten). Ende 1955 wurden die ersten Einheiten der Bundeswehr aufgestellt.
Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion
1955 besuchte Adenauer Moskau und erwirkte die Rückkehr von rund 10.000 deutschen Kriegsgefangenen.
Hallstein-Doktrin
Am 23. September 1955 verkündete Adenauer im Rahmen einer Regierungserklärung den Alleinvertretungsanspruch der BRD für das gesamte deutsche Volk und drohte mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen zu Staaten, die die DDR als Staat anerkannten und diplomatische Beziehungen mit ihr unterhielten.
Zitat von Konrad Adenauer
“Man darf niemals ‘zu spät’ sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.”
Zitat über Konrad Adenauer
“Am 15. September 1949 haben Sie sich hier von Ihrem Abgeordnetensitz erhoben, um den Platz des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland einzunehmen. Heute verlassen Sie ihn wieder mit einer geschichtlichen Leistung, ungebeugt und in Ehren. Damals standen Sie auf und traten vor das Haus. Heute steht der Deutsche Bundestag vor Ihnen auf, Herr Bundeskanzler, um für das deutsche Volk dankbar zu bekunden: Konrad Adenauer hat sich um das Vaterland verdient gemacht.”
(feierliche Verabschiedung im Bundestag am 15. Oktober 1963 durch Bundestagspräsident Gerstenmaier)
Anekdote
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Das Erlangen der Souveränität für Deutschland war Adenauers höchste Priorität. In seinem Kampf um dieses Ziel war er bereit, einiges zu riskieren und Tabus zu brechen. So kam es 1949 zu der berühmt-berüchtigten “Teppich-Szene” auf dem Petersberg bei Königswinter.
Bei seinem Antrittsbesuch als deutscher Bundeskanzler bei der Alliierten Hohen Kommission, die die Bundesrepublik in vielen Bereichen politisch verwaltete, standen sich die Hohen Kommissare und Adenauer gegenüber. Die Kommissare standen dabei auf einem Teppich, der symbolisch Distanz zu Deutschland und Adenauer verdeutlichen sollte. Adenauer erkannte die Situation und tat das Unerwartete: Er betrat den Teppich - ein Moment der, von einer Kamera festgehalten, Geschichte machte.
Nur zwei Monate nach Inkrafttreten des Besatzungsstatuts gelang es Adenauer bereits, mit Demontage-Stopp, Marshallplan-Genehmigung und der Erlaubnis, konsularische Beziehungen zu anderen Ländern aufzunehmen, wichtige Revisionen durchzusetzen.
Skandal
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Adenauers Reputation litt unter der sogenannten Spiegel-Affäre. Am 26. Oktober 1962 wurden die Redaktionsräume des Magazins in einer nächtlichen Aktion durch die Polizei durchwühlt. Der Verdacht: Landesverrat. Der Anlass: In einem Artikel hatte der stellvertretende Chefredakteur Conrad Ahlers über das NATO-Manöver “Fallex 62” berichtet. Ahlers und mehrere andere Redakteure wurden verhaftet; der Herausgeber Rudolf Augstein stellte sich selbst der Polizei. Die Vorgehensweise der Polizei, die unter Anweisung der Bundesanwaltschaft erfolgte, wurde daraufhin vom Bundestag unter die Lupe genommen
Nach vielen Dementis musste Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zugeben, persönlich die Festnahme von Ahlers angeordnet zu haben - ein Vorgang, der, wie Bundesinnenminister Hermann Höcherl andeutete, “etwas außerhalb der Legalität” war. Es kam zu einer schweren Regierungskrise, denn Adenauer stellte sich vor seinen Verteidigungsminister. Alle FDP-Minister verließen das Kabinett aus Protest, die anderen Kabinettsmitglieder folgten wenige Tage später. Schließlich verzichtete Strauß auf seinen Ministerposten. Adenauer stellte zwar wieder ein neues Kabinett auf, doch die Spiegel-Affäre läutete das Ende seiner Ära ein. 1963 trat Adenauer von seinem Amt zurück.



