Krankheit Nomophobie
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Krankheit Nomophobie

Bild: Foto: Gerd Eichmann, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Nomophobie heißt die Angst vor dem Gefühl, nicht erreichbar und von der Welt abgeschnitten zu sein. Es ist eine Abkürzung für "No Mobile Phone Phobia", auf Deutsch "Kein-Handy-Angst". Erstmals beobachtet wurde das Phänomen im Jahr 2008 vom britischen Forschungsinstitut OnePoll, das im Auftrag des Sicherheitsdienstleisters SecurEnvoy 1000 Smartphone-Besitzer nach ihren Nutzungsgewohnheiten und Ängsten befragte. In diesem Jahr wurde die Befragung wiederholt. Das Ergebnis: 66 Prozent aller Nutzer fühlen sich unwohl, wenn sie ihr Handy nicht griffbereit, vergessen oder gar verloren haben. Vier Jahre zuvor lag der Wert mit 53 Prozent noch deutlich darunter.

Die Angst vorm Funkloch

Nomophobie heißt die Angst vor dem Gefühl, nicht erreichbar und von der Welt abgeschnitten zu sein. Es ist eine Abkürzung für "No Mobile Phone Phobia", auf Deutsch "Kein-Handy-Angst". Erstmals beobachtet wurde das Phänomen im Jahr 2008 vom britischen Forschungsinstitut OnePoll, das im Auftrag des Sicherheitsdienstleisters SecurEnvoy 1000 Smartphone-Besitzer nach ihren Nutzungsgewohnheiten und Ängsten befragte. In diesem Jahr wurde die Befragung wiederholt. Das Ergebnis: 66 Prozent aller Nutzer fühlen sich unwohl, wenn sie ihr Handy nicht griffbereit, vergessen oder gar verloren haben. Vier Jahre zuvor lag der Wert mit 53 Prozent noch deutlich darunter.

Bei einigen Betroffenen geht die Angst, nicht mehr erreichbar zu sein, sogar so weit, dass sie regelmäßig ein zweites Mobiltelefon bei sich tragen. Auch ein schlechter Handyempfang oder leerer Akku können den Betroffenen Schweißperlen auf die Stirn treiben. Einige spüren gelegentlich sogar Phantom-Vibrationen: Sie glauben, den Vibrationsalarm einer eingehenden Nachricht zu bemerken, obwohl nie eine eingetroffen ist.

Vor allem Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren sind von Nomophobie betroffen, Frauen häufiger als Männer. Doch warum ist es für viele Nutzer so schwierig, abzuschalten? Und wie viel Handy-Konsum ist normal - und was ist Sucht?

Dreh- und Angelpunkt im Alltag

Der Handynetzbetreiber o2 hat vor wenigen Monaten das Verhalten von 2000 Smartphone-Nutzern analysiert und herausgefunden, dass jeder sich knapp zwei Stunden am Tag mit dem Handy beschäftigt. Auf die eigentliche Aufgabe des Handys, das Telefonieren, entfallen aber nur knapp 12 Minuten. Wesentlich mehr Zeit verbringen die Nutzer mit dem Surfen im Internet (25 Minuten), in sozialen Netzwerken (17 Minuten) oder beim Spielen von Handygames (14 Minuten).

Im Schnitt wird das Mobiltelefon 34 Mal am Tag aus der Tasche gezogen, drei von vier Smartphone-Besitzern nehmen es gelegentlich sogar zum Lesen mit auf die Toilette. Ähnliche Ergebnisse lieferte jüngst eine Vodafone-Studie, die besagt, dass jeder dritte Nutzer bereit ist, einen Anruf beim Sex anzunehmen, sogar jeder Zweite bei einer Hochzeit.

Glücklich leben trotz Handysucht

Doch nicht alle Menschen, die dem Daumensport am Handydisplay frönen, sind auch davon abhängig. Viele Symptome der Nomophobie hängen eng mit der Internetsucht zusammen: Erst wenn die Betroffenen ein häufiges, unüberwindliches Verlangen spüren, das Handy aus der Tasche zu kramen und das Verhalten kaum kontrollieren können, gibt es ernsthafte Anzeichen für eine Sucht. Gefährlich wird es, wenn die Arbeitsfähigkeit nachlässt, die Betroffenen reizbar oder sogar aggressiv werden und darunter das Sozialleben leidet. Häufig tritt Nomophobie gemeinsam mit anderen Krankheiten wie Internet-, Glücksspiel- oder Shopping-Sucht auf.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen das Handy nicht beiseitelegen können. Einige klammern sich an die Vorstellung, jederzeit und überall Hilfe rufen und so sicherer leben zu können. Andere plagt die Angst, sie könnten etwas Wichtiges verpassen oder in einem Notfall nicht schnell genug reagieren, sobald das Handy ausgeschaltet ist.

"Nomophobe Menschen haben Angst, die Verbindung mit der Außenwelt zu verlieren", sagt die US-Psychologin Elizabeth Waterman im Gespräch mit der "LA Times". Die Expertin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Suchterkrankungen und leitet am Morningside Recovery Center in Kalifornien eine Gruppentherapie für Nomophobiker. "Wir müssen erklären, dass Menschen einen nicht vergessen, nur weil man für ein paar Stunden oder Tage nicht erreichbar ist. Dass Mitteilungen auch später gelesen werden können und man trotzdem ein glückliches Leben führen kann."

Tipps gegen den Zwang

Zehn Tage müssen Neuankömmlinge in der Klinik ohne Handy aushalten. Um das zu überstehen, lernen sie verschiedene Ablenkungsmethoden wie den Einsatz bestimmter Atemtechniken oder treiben Sport. Anschließend müssen sie bestimmte Situationen meistern, ohne jemanden anzurufen oder im Web nach einer Lösung zu suchen. "Dadurch eignen sie sich neue Verhaltensweisen an, um ihr Verlangen zu bändigen." Auch in Deutschland gibt es bereits Kliniken, die sich auf die Therapie von Internetsucht spezialisiert haben.

Für alle, die ihr Handy zwar nicht exzessiv, aber doch mehr als nötig nutzen, hat Waterman einen generellen Tipp parat: Das Handy einfach ausschalten. "Am besten ist es, eine bestimmte Dauer festzulegen, in der das Handy jeden Tag aus ist. Und vermeiden Sie es, das Telefon an den Esstisch oder ins Fitnessstudio mitzunehmen." Denn nichts sei wertvoller, meint die Psychologin, als Zeit für sich selbst oder die Familie zu haben.

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